Eskalation oder Rückzug? Die Linie aus Washington bleibt unklar. Der US-Präsident stellte Teheran eine 48-Stunden-Frist und setzte sie kurz darauf verstreichen. Begründung: „Produktive Gespräche“. Der Iran dementiert. Unsere brandneue Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“  liefert ihnen alle Informationen und die wahren Hintergründe zum Irankrieg. Hier mehr erfahren. 

    Noch am Samstag, dem 21. März, setzte Trump den Mullahs die Deadline. Die Straße von Hormus müsse binnen 48 Stunden geöffnet werden, andernfalls würden iranische Energieanlagen angegriffen. „Wir werden sehr hart reagieren“, kündigte der Präsident an und sprach sogar davon, viele Küstenziele „auszulöschen“.

    Dann folgte die abrupte Wende. Denn nur kurze Zeit später erklärte Trump vor Journalisten, es gebe „sehr gute und produktive Gespräche“ mit dem Iran. Man sei „auf einem guten Weg“, sagte er, und verlängerte das Ultimatum um fünf Tage. Aus Druck wird plötzlich Dialog, zumindest in der Darstellung des Weißen Hauses.

    In Teheran stieß diese Version auf offenen Widerspruch. Vertreter der Regierung wiesen jede Form von Verhandlungen zurück. Es habe „keine Gespräche mit den Vereinigten Staaten gegeben“, hieß es. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sprach von „Falschmeldungen“, die lediglich dazu dienten, die ,,Öl- und Finanzmärkte zu beeinflussen“. Der frühere deutsche Botschafter in Syrien, Andreas Reinicke, deutete an, was dahinterstecken könnte:

    „Irgendetwas scheint – salopp gesagt – im Busch zu sein.“

    Die widersprüchlichen Signale aus Washington lassen sich nur schwer als klassische Verhandlungsstrategie lesen. Entweder gibt Trump auf – oder er will sich Zeit kaufen.

    Zwischen Rückzug und Kalkül

    Fakt ist: Die USA und Israel konnten ihre Kriegsziele bislang nicht erreichen und geraten auch international und wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Laut Reinicke seien Kontakte zwar denkbar, Gespräche „auf höchster Ebene“ jedoch ausgeschlossen.

    Vier-Sterne-General zerlegt Trumps Iran-Krieg

    Der Vier-Sterne-General und ehemalige Vize-Oberkommandant der NATO in Europa, Richard Shirreff, sieht keine realistische Verhandlungsbasis, die US-Interessen erfüllt. In einem Interview am 18. März mit dem US-Radiosender WBUR („On Point“) stellte er klar:

    „Der Präsident begann einen Krieg, ohne eine klare Vorstellung davon, wie er endet.“

    Trump habe „eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die uns sehr lange begleiten werden“, warnte Shirreff. Und weiter: „Man gewinnt keinen Krieg [allein] durch Bombardierungen.“

    Am Persischen Golf sieht er Washington vor der Wahl zwischen einer massiven Landinvasion und einem politisch demütigenden Rückzug. Strebe Washington einen militärischen Sieg an, führe dies zwangsläufig zum Einsatz von Bodentruppen. Ein Rückzug hingegen würde die eigene Machtprojektion offen infrage stellen.

    Marines rücken an

    Rund 5.000 US-Marines gehören zu einer schnellen Eingreiftruppe, die derzeit in Richtung Naher Osten verlegt wird. Kern ist eine amphibische Einsatzgruppe der US-Navy mit Landungsschiffen, ausgelegt für Operationen an feindlichen Küsten. Solche Verbände sind darauf spezialisiert, binnen kürzester Zeit Kräfte an Land zu bringen und strategische Punkte zu sichern.

    Die Verlegung erfolgt aus dem Mittelmeerraum und von US-Stützpunkten, Ziel ist die Präsenz im Persischen Golf und im Arabischen Meer. In Reichweite liegen zentrale Knotenpunkte der iranischen Energieinfrastruktur, darunter auch die Kharg-Insel, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.

    Der amerikanische Influencer Nick Fuentes (America First) rechnet mit einer Eskalation und baldigen Invasion der Insel und erwartet bereits die passende Begründung aus Washington:

    „Sie werden die Insel nehmen und sagen, es seien keine boots on the ground [Stiefel am Boden]. Sie werden sagen, wir haben nur eine Insel eingenommen, nicht den Boden, also das Festland. So werden sie es darstellen. Ich sage es euch.“

    Podcast-Superstar Tucker Carlson gab sich etwas vorsichtiger, sprach aber über die Verlängerung des Ultimatums von einem „merkwürdigen U-Turn [180-Grad-Wende]“. Und weiter: „Wer weiß was das bedeutet.“

    Ölpreis fällt, Börsen ziehen an

    Während politisch Unklarheit herrscht, reagieren die Märkte unmittelbar. Die Ankündigung „produktiver Gespräche“ und die Verlängerung des Ultimatums lösen eine abrupte Gegenbewegung aus. Der Ölpreis fällt innerhalb eines Tages um rund 10 bis 11 Prozent, Brent sinkt zeitweise wieder in Richtung 100 Dollar pro Barrel. Parallel dazu drehen die Börsen nach oben. In den USA legen die großen Indizes um mehr als ein Prozent zu, auch der DAX erholt sich spürbar und steigt zeitweise um rund ein Prozent.

    Doch die Entwicklung bleibt fragil. Bereits kurz darauf ziehen die Preise wieder an, als Teheran die angeblichen Gespräche zurückweist und neue Unsicherheit in den Markt bringt.

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