Das „House of One“ – Ein Tempel für die Weltreligion

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Was würden Sie sagen, wenn Ihnen jemand erklärte, dass dieGläubigen aller drei abrahamitischen Weltreligionen – Islam, Christentum und Judentum – zukünftig unter einem Dach beten würden? Toll, oder? Das Drei-Religionen-Haus „House of One“, das bis 2019 in Berlin-Mitte errichtet werden soll, will die Universalkirche der Zukunft sein. Ein weiterer Schritt zur Entfremdung von der eigenen Kultur und Verdrängung derselben durch den New Age-Kult der Neuen Weltordnung – oder alles ganz harmlos?

_von Johann Jungen

Wer heute in Berlin-Mitte am Petriplatz / Ecke Gertraudenstraße entlangschlendert, der kann bereits hoch in den Himmel ragende Baukräne sehen. Daneben mehrere Schilder. Auf einem steht: „Hier entsteht das House of One“. Auf einem anderen: „Hier entsteht – mit Ihrer Hilfe – etwas weltweit Einmaliges“. In Sichtweite zum Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz wird ein Gotteshaus errichtet, das in seiner Architektur und Funktion bisher einzigartig ist. Nach Medienberichten soll die Einheitskirche „ein Ort der Begegnung und des friedlichen Zusammenlebens der Religionen“ (RBB) werden. In dem geplanten öffentlichen und frei zugänglichen Gebäude sollen Unterschiede und theologische Gegensätze der drei Religionen „nicht überspielt“, sondern „ausgehalten werden“. Dagegen ist ja nun wirklich nichts einzuwenden. Oder?

Der Trägerverein „Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin“ schätzt die Kosten für das Projekt auf 43,5 Millionen Euro, die hauptsächlich durch eine weltweite Spendenkampagne bereitgestellt werden sollen. Interessant ist, dass die Kirche auf den Fundamenten der im letzten Weltkrieg zerstörten Petrikirche in Berlin-Mitte errichtet werden wird – einer christlichen Kirche, die erst 1964 vollständig abgerissen wurde. Der Turm des neuen Sakralbaus soll etwa 40 Meter hoch in den Himmel ragen. Im Inneren werden drei getrennte Gebetsräume für Rabbis, Priester und Imame durch einen großen Begegnungsraum ergänzt.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) nannte das House of One Ende August „das richtige Projekt zur richtigen Zeit“ und wird 2,2 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt dazugeben. Weitere 1,1 Millionen Euro will das Bundesland Berlin investieren. Am Geld wird es also voraussichtlich nicht scheitern. Dafür ist die ökumenische Idylle, die hier erzeugt werden soll, derzeit etwas wackelig. Der Tagesspiegel berichtete, dass Gründungs-Rabbiner Tovia Ben Chorin bereits abgesprungen sei. Der islamische Imam Kadir Sanci ist ein Vertreter des zur Gülen-Bewegung (Hizmet) gehörenden „Forum Dialog“ und steht deshalb immer wieder aus politischen Gründen in der Kritik. Das „Forum Dialog“ ist angeblich auch die einzige islamische Organisation, die sich an dem Projekt beteiligen will – was wohl die anderen Islamverbände davon halten? In „anderen muslimischen Gruppen“ sei die Beteiligung am Bauprojekt „zunächst bei jenen umstritten gewesen, die Kooperationen mit Juden wegen des Nahost-Konflikts ,und aus Unwissenheit‘ ablehnen“, heißt es im Tagesspiegel. Dennoch: Man gibt sich versöhnlich. Sind hier bereits Konflikte vorprogrammiert? Wird das gut gemeinte Projekt durch die Radikalinskis von allen Seiten torpediert werden? Möglich wär‘s.

Dass es bei dem Projekt nicht nur um das friedliche Zusammenkommen der liberalsten Formen von Islam, Juden- und Christentum gehen wird, ist bereits durch eine Wortmeldung des neuen Rabbiners Herrn Nachama bezeugt worden: Irgendwann werde vielleicht eine „superorthodoxe Truppe“ mitmachen, für die habe man in der Synagoge optional Trennschirme zwischen dem Männer- und Frauenbereich anzubieten, zitiert ihn der Tagesspiegel. Das heißt also: Auch sehr strenge, eventuell sogar fundamentalistische Glaubensbrüder werden herzlich willkommen sein. In dem Zusammenhang äußert der Rabbiner bereits Sorge, dass auch politischer Einfluss durch manche Gruppen ausgeübt werden könnte…

Das House of One steht beispielhaft für die Bestrebung der drei großen Weltreligionen, eine sogenannte Ökumene – das heißt eine Einheit der Religionen – zu schaffen, die das Trennende vergessen machen und die monotheistischen Gemeinsamkeiten betonen soll. Dass dieses Projekt nicht zuletzt theologische Schwierigkeiten aufweist, Jahwe, Allah und der christliche Gott für viele Gläubige eben nicht dasselbe sind, könnte womöglich zu Problemen führen. Sollte der Bau aber tatsächlich – wie geplant – zu einer Verbesserung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs führen, wäre das wünschenswert und zu begrüßen. Es bleibt allerdings der fade Beigeschmack, dass offenbar auch hier sehr viel staatliche Aufmerksamkeit und vor allem Steuergeld in ein Projekt investiert werden, das nach dem Gebot der Trennung von Staat und Kirche nicht mit Steuergeld bezahlt werden sollte. Warum – so könnte man fragen – muss der Staat sich so stark in die „Privatsache Religion“ einmischen und eine bestimmte (in dem Fall die ökumenische) Ideologie fördern? Jemand eine Idee?

Quellen:
http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/08/house-of-one-berlin-foerderzusage-geld-bund.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/religionsprojekt-house-of-one-in-berlin-hendricks-ueberreicht-foerderzusage-fuer-drei-religionen-haus/14462806.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/interreligioeses-projekt-in-berlin-mitte-die-initiatoren-des-house-of-one-sind-optimistisch/14662496.html
http://www.morgenpost.de/berlin/article207828369/Staedtebau-Jury-foerdert-House-of-One-in-Mitte.html

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