«Vereinzelte Erkenntnisse»: Die Plattform hat Sexarbeit skaliert und auf einmal schaut das BKA genauer hin. Julia Ruhs hat in ihrem Buch «Links-grüne Meinungsmacht» auch mit solchen Irrsinnigkeiten abgerechnet. Hier mehr erfahren.

    OnlyFans wird zehn Jahre alt. Ein ganzes Jahrzehnt, in dem Frauen auf OnlyFans ihren Körper gegen Geld anbieten und die Plattform Milliarden umsetzt. Und jetzt fällt dem Bundeskriminalamt auf einmal auf, dass das Ganze eventuell in Teilen mit Menschenhandel und Zwangsprostitution zu tun haben könnte. Welch Überraschung!

    «Vereinzelte Erkenntnisse», so die Formulierung. Als wäre es eine überraschende Nebenerscheinung gewesen, dass eine Plattform, deren gesamtes Geschäftsmodell darin besteht, sexuelle Leistungen zu monetarisieren, auch von Kriminellen genutzt wird.

    Es sind immer Männer

    OnlyFans bestreitet das selbstverständlich. Die Plattform toleriere „keinerlei Menschenhandel, Zwang oder Ausbeutung“. Es gebe umfangreiche Schutzmaßnahmen, darunter die Verifizierung von Creators, die Moderation von Inhalten sowie die Überwachung von Konten und Zahlungsabwicklungen.

    Sina Tonk von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes wittert patriarchale Logik:

    «Die Creatorinnen sind überwiegend weiblich, die Nutzer überwiegend männlich.»

    Ach so, und weiter? Natürlich werden überwiegend Männer den Content konsumieren, aber würde es die Sache denn besser machen, wenn es sich um Frauen handeln würde? Liegt das Problem vielleicht weniger im Geschlecht der Käufer als darin, dass hier sexuelle Leistungen gegen Geld angeboten werden und Dritte unter Druck gesetzt werden?

    Dabei war die digitale Dimension des Ganzen für die Behörden keine Neuigkeit. Schon 2024 sprach Europol im Zusammenhang mit sogenannten OnlyFans-Managern und „Lifestyle-Kursen“ offen von „e-pimping“. Männern wurde beigebracht, Frauen online zu rekrutieren und auszubeuten. In Tschechien wurden im Juni 2026 mehrere Personen wegen Menschenhandels im Zusammenhang mit OnlyFans angeklagt.

    Das BKA selbst beschreibt die Verlagerung von Anwerbung und Ausbeutung in digitale Räume seit Jahren in seinen Lagebildern. «Vereinzelt» klingt da eher nach einer diplomatischen Formulierung als nach einer neuen Entdeckung. Die Plattform hat Sexarbeit digitalisiert und gut Geld kassiert. Wir reden hier von rund 1,55 Milliarden Dollar allein 2025.

    Die sogenannten Creator behalten 80 Prozent ihrer Einkünfte, den Rest bekommt die Plattform. OnlyFans kann deshalb schlecht der direkte Vorwurf der Beteiligung an Prostitution gemacht werden, wohl aber, zehn Jahre lang so getan zu haben, als habe man mit dem, was auf der Plattform passiert, nichts zu tun.

    Dass Zwang und Ausbeutung vorkommen können, war keine überraschende Nebenerscheinung, sondern eine absehbare Folge. Die Quittung kommt später – als «Vereinzelte Erkenntnisse». Aber das wird den betroffenen Frauen recht wenig helfen.

    Julia Ruhs hat in ihrem Buch «Links-grüne Meinungsmacht» auch mit solchen Irrsinnigkeiten abgerechnet. Hier bestellen.

     

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