COMPACT EXKLUSIV: Alt-Right-Ikone Richard Spencer im Interview – erstmals in einem deutschen Medium!

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Richard Spencer ist das mediale Gesicht der alternativen US-Rechten und hat den Begriff Alt-Right maßgeblich geprägt. Als theoretischer Kopf und Straßenaktivist kämpft er an allen Fronten. COMPACT hat – als erstes deutsches Medium überhaupt – deshalb ein Interview mit Spencer geführt, das im aktuellen Juli-Heft zu finden ist.

Das Gespräch, das Nils Wegner für COMPACT mit Spencer geführt hat, ist überaus aufschlussreich und beantwortet viele Fragen, die von den Mainstream-Medien noch nicht einmal aufgeworfen werden. So gilt der 40-Jährige als eigentlicher Urheber des Begriffes «Alternative Right».

Warum er ihn gewählt hat, erläutert Spencer wie folgt:

Als ich ihn im Sommer 2008 zu benutzen begann, stand er für einen Weg, sich von der konservativen Nachkriegsideologie loszureißen. Letztlich ging es mir aber um identitäres Denken: Die Linke verfügte über eine Geschichtstheorie und ein politisches Bestreben, die beide auf der Klasse basierten. Die Rechte definierte sich in der Nachkriegszeit über die Unterstützung des Kapitalismus und der US-Außenpolitik. Die Alternative Rechte ist dagegen fast linksradikal, wenn sie statt der Klasse die Identität als Antrieb der Geschichte erkennt.

US-Präsident Donald Trump.| Foto: CC0 Coast Guard Petty Officer 2nd Class Patrick Kelley

Es ging Spencer also auch darum, sich vom herkömmlichen US-Konservatismus abzugrenzen, der von vormals trotzkistischen Kreisen in der Bush-Ära zum sogenannten Neokonservatismus pervertiert worden war, um damit weltweite US-Agressionen ideologisch zu legitimieren.

Weil Donald Trump im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf eine alternative Agenda präsentierte, die sich deutlich vom republikanischen Establishment abhob, unterstützte ihn auch die Alt-Right. Inzwischen sieht Spencer die Sache skeptischer.

Im COMPACT-Interview sagt er über Trump:

Seit seiner Amtseinführung haben wir einiges über den «Deep State» [Tiefer Staat] und die unverrückbaren Interessen des Establishments lernen müssen. Die generelle Tendenz der amerikanischen Außenpolitik hat sich schlicht und ergreifend nicht geändert, obwohl Trump uns genau das versprochen hatte. Wir waren alle sehr euphorisch und hoffnungsvoll. Inzwischen bin ich aber zu meiner ursprünglichen Skepsis zurückgekehrt. Ich denke, dass das Grundproblem von Konservatismus und Populismus darin liegt, dass sie Strömungen der Mittelschicht sind, die heute in einer Zangenbewegung zerquetscht wird – von den linksliberalen Eliten ebenso wie von der Unterschicht. Dieses System wird zwangsläufig sein Ende finden, dafür sind seine inneren Widersprüche zu offensichtlich. Das ist ein weiteres Problem des Konservatismus: Er versucht, das System vor sich selbst zu retten. «Den Sumpf austrocknen», Sie wissen schon. Das System um jeden Preis erhalten zu wollen, ist eine konservative Denkweise der schlimmsten Art. Wir müssen uns vielmehr Gedanken darüber machen, wie es nach dem System weitergehen soll.

Krawalle in Charlottesville 2017 | Foto: Karla Cote / flickr.com, CC BY-ND 2.0

Spencer nimmt in dem Gespräch mit COMPACT auch Stellung zu der berüchtigten Kundgebung in Charlottesville am 12. August 2017, bei der es zu schweren Ausschreitungen kam. Dabei distanziert er sich noch einmal klar von Nazi-Klischeefiguren und Ku-Klux-Klan-Anhängern, die die «Unite the Right»-Demo als Showbühne nutzten und damit genau jene Bilder lieferten, die dann vom Mainstream begierig aufgegriffen wurden, um die gesamte Veranstaltung zu diffamieren.

Auch sonst stellt sich für ihn der Ablauf ganz anders dar, als es von den etablierten Medien berichtet wurde.

Spencer dazu:

Ich glaube nicht, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung ohne Zwischenfälle hätte ablaufen können, entweder durch irgendwelche Spinner oder durch absichtliche Quertreiber wie den mysteriösen Kerl mit der fabrikneuen Hakenkreuzflagge. Die Teilnehmer von «Unite the Right» haben sich meines Erachtens im Großen und Ganzen anständig benommen. Die Antifa hingegen hat sich von Anfang an grauenhaft aufgeführt, wahllos Menschen mit Pfefferspray attackiert, Flaschen voller Fäkalien geworfen… Völlige Anarchie. Wer aber hat die Anarchie zugelassen? Aus heiterem Himmel marschierten Polizisten in Kampfmontur auf und drängten uns mitten in die Gegendemonstranten hinein. Ob nun Absicht oder Inkompetenz, jedenfalls brach die Hölle los – ich rannte mit anderen die Straße hinunter, während Gegendemonstranten uns mit Steinen bewarfen. Es ging stundenlang in der ganzen Stadt so weiter, und am Ende stand ein tödlicher Autounfall. Selbst wenn wir alle Dreiteiler getragen hätten, wäre dasselbe passiert. Konservative wollen immer die bestehenden Institutionen unterstützen, aber was wir erlebten, war ein totaler Verrat, eine Situation, in der genau diese Institutionen uns fertigmachen wollten und zuließen, dass der Abschaum unsere Rechte mit Füßen trat – klassische Anarchotyrannei.

Richard Spencer gibt sich in dem Gespräch als großer Freund Deutschlands und des deutschen Volkes zu erkennen. Er lebte selbst, wie er in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe des Romans «Sea Changes» des früheren Times- und Sunday-Telegraph-Journalisten Derek Turner berichtet, zu Studienzwecken zwei Sommer lang in Prien am Chiemsee. Seine Master-Arbeit hat er über Adorno und die Frankfurter Schule geschrieben.

Im Interview mit COMPACT erinnert sich Spencer an seine Zeit in Deutschland:

Kurz zuvor hatte ich das College abgeschlossen und war fasziniert von der deutschen Kultur vom 19. Jahrhundert bis zur Zwischenkriegszeit. Ich wollte diesem Geist näherkommen und Deutsch lernen, also suchte ich mir Prien als vorübergehende Heimat aus. Ich habe das Städtchen geliebt und würde es gern einmal wieder besuchen! Keine Ahnung, ob es mittlerweile auch mit Flüchtlingen vollgestopft worden ist; damals war es jedenfalls reizend.

Orbán Viktor

Ungarns Premier Viktor Orban | Foto: Európa Pont / flickr.com, CC BY 2.0

Die politische Lage in Europa beobachtet Spencer genau. Auch die Veränderungen, die sich in letzter Zeit ergeben haben – etwa den Brexit, die Regierungswechsel in Italien und Österreich oder auch den Widerstand der Visegrad-Staaten Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei gegen das Migrations- und Umverteilungsdiktat aus Brüssel.

COMPACT hat gefragt, ob das für ihn ein Silberstreif am Horizont ist.

Spencer dazu:

Das sind kleine Staaten, die über keine eigene Außenpolitik verfügen und nur einen Bruchteil Europas vor der Flüchtlingskrise schützen. Ich beobachte die Visegrad-Gruppe aufmerksam, ich bewundere diese Staaten und wünsche ihnen das Beste, aber sie werden die Zukunft nur minimal mitbestimmen können. Die EU wird nicht einfach verschwinden, und es wird immer mehr Spannungen geben. Die postmoderne Weltordnung wird uns noch eine Weile erhalten bleiben. Ob sie auf gewaltsame Weise untergehen wird oder ob es uns innerhalb der nächsten 25 Jahre gelingt, sie zu verändern, ist die zentrale Frage. Damit sich in Europa etwas bessern kann, muss es in den USA eine große außenpolitische Umwälzung geben. Wenn das amerikanische Imperium an seinen Widersprüchen zerbricht, beginnt die Welt, sich zu verändern.

Im Gespräch mit COMPACT äußert sich Spencer zu vielen weiteren interessanten Punkten. So erläutert er seine Vision eines sogenannten Ethnostate und erklärt, wie sich diese von den Vorstellungen eines Steve Bannon, dem wohl bekanntesten authentischen US-Rechten, unterscheidet.

Außerdem erläutert er die weltanschaulichen Grundlagen der Alt-Right, zeigt die Struktur der Bewegung auf und legt dar, warum alternative Medien, aber auch das «Kapern» des Mainstreams für die metapolitische Arbeit der Rechten elementar wichtig sind. Schließlich nimmt er auch Stellung zu den unterschiedlichen Nationalitätsdefinitionen in Europa und den USA und erklärt, warum nicht nur Amerika viel von Europa lernen kann, sondern auch umgekehrt.

Das vollständige, 4-seitige Interview mit Richard Spencer finden Sie in der aktuellen Ausgabe 7/2018 von COMPACT. Jetzt am guten Kiosk oder einfach in unserem Shop bestellen. Wenn Sie mit der Juli-Ausgabe gleich ein Abo mit attraktiver Prämie beginnen möchten, klicken Sie bitte auf das Bild oben.

Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit einigen Jahren lebt er als Unternehmer und freier Publizist in Dresden. Seit Juni 2017 arbeitet er für COMPACT.

 

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