Peking zieht die Daumenschrauben an. In den vergangenen Tagen hat China rund um Taiwan die größte militärische Kraftentfaltung seit Jahren vollzogen. Erstmals kam es zu groß angelegten Blockade- und Einkesselungsszenarien aus allen Himmelsrichtungen! Kriege, Blockaden, Sanktionen, neue Machtachsen: Die geopolitischen Spannungen unserer Zeit verändern nicht nur Grenzen, sondern auch Märkte. COMPACT: 2026 – Jahr des Goldes. Das Ende des Dollars und was danach kommt, widmet sich dem großen Wendepunkt der Weltfinanzen. Erfahren Sie mehr. 

    Die chinesische Volksbefreiungsarmee belässt es nicht mehr bei symbolischen Demonstrationen. Nach Angaben der taiwanischen Streitkräfte waren während der Operation „Justice Mission 2025“ vom 29. bis 30. Dezember dutzende chinesische Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe im Einsatz.

    Live-Fire-Drills (Übungen mit scharfer Munition), Raketenstarts sowie eng verzahnte Operationen von Marine und Luftwaffe markieren eine neue Eskalationsstufe. Taiwans Behörden sprechen von der umfangreichsten militärischen Aktion rund um die Insel seit Jahren.

    Manöver mit neuer Dimension

    Was diese Machtdemonstration von früheren militärischen Vorstößen unterscheidet, ist ihr Charakter. Internationale Militärexperten betonen, dass „Justice Mission 2025“ den Rahmen routinemäßiger Großübungen deutlich überschreitet.

    Chieh Chung vom Taiwan Institute for National Defence and Security Research erklärte, die Abläufe „verwischten die Grenze zwischen regulärer Truppenerprobung und konkreter Einsatzvorbereitung“. Geprobt wurden ausdrücklich Blockaden mit Kraftprojektion aus mehreren Richtungen rund um Taiwan und der erklärten Zielsetzung, externe Einmischung abzuschrecken.

    Dass diesmal von Einkesselung die Rede ist, liegt nicht an zugespitzter Rhetorik. Anders als bei früheren Kraftproben agierten chinesische Einheiten nicht nur entlang einzelner Achsen, sondern zeitgleich auf allen Seiten der Insel.

    Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge operierten nördlich, südlich, östlich und westlich Taiwans, ein klassisches Muster militärischer Umklammerung. Reuters berichtete, China habe „seine bislang größten Kriegsspiele rund um Taiwan“ durchgeführt und teste erstmals offen, „wie eine Abschneidung der Insel von See- und Luftwegen praktisch umgesetzt werden könnte“. Nicht mehr Drohkulisse aus der Distanz, sondern Präsenz auf sämtlichen Zugangswegen.

    Chinesischer Zerstörer der Luhu-Klasse vor der kaliformischen Küste. Im Hintergrund sieht man die Stadt San Diego. Foto: Picryl, CCO.

    Hinzu kommt die räumliche Nähe. Mehrere Operationszonen rückten deutlich enger an die taiwanische Küste heran als vorher. Aktiv war man in Seegebieten, die strategisch zentrale Häfen und Handelsrouten betreffen, unter anderem in der Nähe der großen Hafenstädte Kaohsiung im Süden und Keelung im Norden, über die ein erheblicher Teil von Taiwans Handel und Energieversorgung abgewickelt wird.

    Auch die Zusammensetzung der eingesetzten Kräfte unterstreicht den Unterschied. Marine, Luftwaffe und Raketenstreitkräfte agierten in enger Verzahnung, ergänzt durch Einsätze mit scharfer Munition, ein Maß an operativer Integration, das in der Größe bisher nur die Ausnahme war.

    Bemerkenswert ist zudem, dass diesmal ein klarer politischer Auslöser fehlt. Während China 2022 auf den Besuch der damaligen US-Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi reagierte und auch spätere Machtdemonstrationen als Antwort auf Wahlen oder Waffenlieferungen begründete, wirkt „Justice Mission 2025“ wie ein planmäßig vorbereiteter Testlauf.

    Fotograph: Shutterstock.com, von Ming Kanni.

    Taiwans Verteidigungsministerium reagierte sofort und sprach von einer „außergewöhnlichen Konzentration chinesischer Streitkräfte“ und erklärte, das Vorgehen stelle eine „ernste Bedrohung für die regionale Sicherheit“ dar. Die chinesischen Aktivitäten seien „aggressiv“ und zielten darauf ab, gezielt Druck auf Taiwan und seine Partner auszuüben. Präsident Lai Ching-te warnte vor einer bewussten Eskalation: Chinas Aktionen seien eine „Bedrohung für den regionalen Frieden und die Stabilität“ und Teil einer Strategie der Einschüchterung und psychologischen Kriegsführung.

    Peking wiederum erklärte, die Operation richte sich gegen „externe Einmischung“. Gemeint sind damit vor allem die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten.

    Nadelöhr der chinesischen Wirtschaft

    Maritimes Abschneiden gehört seit jeher zum geopolitischen Instrumentarium von Großmächten. Sie gelten als Mittel der Wahl, wenn militärischer Druck aufgebaut werden soll, ohne sofort in einen offenen Krieg einzutreten. Auch die USA setzten über Jahre auf solche Zwangsmittel, etwa aktuell  gegen Staaten wie Venezuela, unter anderem durch das Festsetzen von Öltankern, um politische Zugeständnisse zu erzwingen und eigene ökonomische Interessen abzusichern.

    Seit Jahren sehen sich Pekings Militärplaner einer schrittweisen strategischen Einhegung durch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten gegenüber. Die US-Navy ist dauerhaft im Westpazifik präsent, unterhält Stützpunkte und Vorposten von Japan über Südkorea bis Guam und intensiviert gemeinsame Operationen entlang der sogenannten First Island Chain, eine Kette aus Inseln von Japan über Taiwan bis zu den Philippinen, die wie ein natürlicher Riegel zwischen Chinas Küste und dem offenen Pazifik liegt.

    Für den asiatischen Drachen bedeutet das: zentrale Seewege, Handelsrouten und militärische Bewegungsräume geraten unter anhaltenden strategischen Druck.

    Besonders sensibel ist dabei die Straße von Malakka, das Nadelöhr der chinesischen Wirtschaft, ihre maritime Halsschlagader. Zwischen Malaysia und Indonesien verbindet sie den Indischen Ozean mit dem Südchinesischen Meer und ist an manchen Stellen kaum breiter als ein Fluss. Durch dieses enge Fahrwasser strömt ein erheblicher Teil von Chinas Öl-, Gas- und Rohstoffimporten. Wer hier kontrolliert, kontrolliert den Pulsschlag der Industrie des Landes.

    Souverän: China lässt sich seine Energiepolitik nicht von außen diktieren. Bild: Marko Aliaksandr / Shutterstock

    Üben die USA oder ihre Verbündeten in dieser Region Kontrolle aus, trifft das China nicht erst im Kriegsfall. Schon die bloße Möglichkeit einer Blockade erhöht Kosten, verunsichert Lieferketten und macht Investitionen riskanter. Blockade bedeutet in diesem Sinne keinen abrupten Stillstand, sondern schleichende wirtschaftliche Erosion. Verstärkt wird die Spannung durch Waffenstationierungen.

    Taiwan ist für den Konflikt mit China auch deshalb von zentraler Bedeutung, weil die Insel das Herz der globalen Halbleiterproduktion bildet. Ohne taiwanische Hochleistungschips geraten ganze Industrien ins Stocken, von der Rüstung, Auto- bis zur KI-Industrie.

    Vor diesem Hintergrund erscheint das chinesische Vorgehen vor Taiwan weniger als isolierte Provokation denn als Antwort auf eine als feindlich empfundene Ordnungspolitik. US-Außenminister Marco Rubio hat mehrfach deutlich gemacht, dass Washington die regionale Konfrontation mit Peking nicht scheut und seine Linie gegenüber China weiter verschärfen will. Nachsicht sei nicht vorgesehen, stattdessen kündigte er klare Gegenmaßnahmen an.

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