Nach den gescheiterten Friedensgesprächen in Islamabad setzt die Trump-Regierung auf Eskalation: Während der Iran in den vergangenen Tagen verschiedenen Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erlaubte, kündigen die USA jetzt eine vollständige Blockade von außen an. Und wollen das Land – wie zuletzt Venezuela – abriegeln. Die Weltkriegsgefahr steigt, insbesondere mit Blick auf China. Alle Hintergründe zur Situation im Nahen Osten in unserer April-Ausgabe mit dem Titelthema „Gefahr für Deutschland“. Grundwissen, um mitreden zu können. Hier mehr erfahren. 

    Seit Sonntagnachmittag hat sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärft: Jetzt blockieren ausgerechnet die Amerikaner, die sechs Wochen lang die Wiedereröffnung der Straße von Hormus als Kriegsziel propagierten (vor dem Krieg war die Meerenge freilich geöffnet), den Bereich vollständig. Und haben angekündigt, keine Schiffe mehr durchzulassen, drohen sogar offen mit Angriffen in internationalen Gewässern, wenn dem nicht Folge geleistet wird. Pirat Trump setzt auf die nächste Eskalationsstufe.

    Hält der Waffenstillstand? Die Pressestimmen

    In einer lesenswerten Analyse, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen, ordnet der Analyst Furkan Yildirim auf X diese letzte Trumpfkarte Trumps ein und zeigt, wie brandgefährlich die nun folgende Entwicklung sein kann:

    „Sechs Wochen lang lautete die Frage: Wie bekommt man die Straße von Hormuz wieder auf.

    Seit Samstag Nacht lautet sie anders.

    Vance hat Pakistan ohne Deal verlassen. 21 Stunden Verhandlung, kein Ergebnis. Er nannte es das „letzte und beste Angebot” der USA. Iran hat es nicht angenommen.

    Trumps Plan B dreht jetzt die gesamte Logik des Krieges um. Er öffnet den Hormuz nicht. Er schneidet Irans eigene Ölexporte ab.

    Die Idee stammt von General Jack Keane, einem der einflussreichsten Militärstrategen Washingtons. Er hat sie vor einer Woche in der New York Post skizziert. Wenn Iran nicht einlenkt, soll die US-Marine Kharg Island abriegeln.

    Kharg ist eine kleine Koralleninsel im nördlichen Persischen Golf. 7,7 Quadratmeilen groß, ein Drittel der Fläche Manhattans. Über sie laufen laut Kpler und dem Iran Open Data Center 96 Prozent der iranischen Rohölexporte. Lagerkapazität: 31 Millionen Barrel. Täglicher Export zuletzt: rund 1,5 Millionen Barrel. Empfänger: fast ausschließlich China.

    Die Foundation for Defense of Democracies rechnet vor: rund die Hälfte der iranischen Staatseinnahmen hängt am Öl. Wer Kharg schließt, nimmt dem Regime über Nacht die Hälfte seines Budgets.

    Die offensichtliche Gegenfrage lautet: Warum Kharg blockieren, statt einfach die Straße von Hormuz freizuräumen?

    Weil das zwei komplett verschiedene Operationen sind.

    Der Hormuz ist an der engsten Stelle 33 Kilometer breit. Iran kontrolliert die gesamte Nordküste über 750 Kilometer. Anti-Schiff-Raketen, Hunderte Schnellboote der Revolutionsgarden, U-Boote der Ghadir-Klasse, Seeminen, Drohnen, ballistische Raketen. Das Pentagon selbst nennt die Meerenge eine iranische „Kill Box”. Genau deshalb lehnt die US-Navy seit Kriegsbeginn jede einzelne Anfrage der Schifffahrtsindustrie ab, Tanker zu eskortieren. Die eigenen Schiffe wären die Ziele.

    Kharg liegt 25 Kilometer vor der Küste, weit oberhalb dieser Zone. Eine Blockade dort heißt nicht „Tanker durchs Nadelöhr schützen”. Sie heißt: iranische Tanker am Auslaufen hindern. Kontrolle aus der Distanz. Zerstörer, Kreuzer, F-35, Seeaufklärung. Gezielt werden jetzt iranische Tanker, nicht amerikanische Schiffe.

    Und genau diese Operation hat Trump schon einmal durchgezogen.

    Am 16. Dezember 2025 verhängte er eine „totale und vollständige Blockade” gegen alle sanktionierten Tanker vor Venezuela. Anfang Januar beschlagnahmte die US-Marine die Tanker Bella 1 und M Sophia mitten auf See. Am 3. Januar 2026 um 2 Uhr morgens Ortszeit schlugen Spezialkräfte zu. Nicolás Maduro und seine Frau wurden in Caracas festgenommen, nach New York geflogen, in Manhattan wegen Drogenhandels angeklagt.

    Von Blockadebeginn bis Regimewechsel: drei Wochen.

    Stabschefin Susie Wiles fasste die Strategie gegenüber Vanity Fair so zusammen: „Er wird so lange Boote sprengen, bis Maduro aufgibt.”

    Die Operation leitete damals der Flugzeugträger USS Gerald Ford. Genau dieser Träger liegt seit wenigen Tagen wieder im Persischen Golf. Er wurde nach einem tödlichen Brand repariert, die Crew hat sich erholt, jetzt stößt er dort zur USS Abraham Lincoln und mehreren anderen Großkampfschiffen.

    Trump selbst hat den Plan öffentlich angedeutet. Gegenüber der Financial Times am 29. März: „Vielleicht nehmen wir Kharg, vielleicht nicht. Wir haben viele Optionen.”

    Rebecca Grant vom Lexington Institute bestätigt gegenüber Just the News: Die US-Navy könne sehr leicht die vollständige Kontrolle darüber übernehmen, was die Meerenge passiert. In den letzten 24 Stunden seien etwa 10 Schiffe bewegt worden, darunter ein umgeflaggter russischer Tanker.

    Jan van Eck, CEO von VanEck Funds, schon am 2. März bei CNBC: Trump folge dem Venezuela-Playbook. Damals habe er die Ölexporte abgeschnitten und die Hartwährung abgewürgt. Genau diesen Hebel wolle er wieder.

    Und hier wird es gefährlich.

    Venezuela war isoliert. Das venezolanische Öl ging an wenige sanktionierte Abnehmer, China hatte längst diversifiziert, der Weltmarkt hat den Ausfall kaum gespürt.

    Iran ist das Gegenteil. Die 1,5 Millionen Barrel pro Tag aus Kharg gehen fast vollständig nach Asien. Allen voran nach China. Laut Kpler schwimmen bereits rund 200 Millionen Barrel iranisches Öl auf Tankern vor der chinesischen Küste, genug um Chinas Raffinerien fünf Monate zu versorgen, selbst wenn Kharg morgen dicht wäre.

    Das heißt: Wer Kharg schließt, zwingt Peking zum ersten Mal öffentlich Stellung zu beziehen. Und er treibt den Ölpreis global nach oben, zusätzlich zur Hormuz-Blockade.

    Brent schloss Freitag bei 94 Dollar, gefallen von 119 Anfang März. Goldman Sachs rechnet vor: ein weiterer Monat geschlossener Hormuz bedeutet Brent über 100 Dollar durch das gesamte Jahr 2026. Bei einer Eskalation auf Kharg warnen Analysten vor 150 Dollar und mehr.

    Der iranische Parlamentspräsident hat die Antwort Teherans bereits vorformuliert: Jeder US-Soldat, der einen Fuß auf Kharg setzt, werde mit Feuerregen empfangen.

    Sechs Wochen lang haben die Märkte auf die falsche Richtung geschaut. Sie haben gewartet, bis die Meerenge wieder aufgeht.

    Trumps letzte Karte öffnet die Straße nicht. Sie schließt sie komplett. Von beiden Seiten.“


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