Am 8. Juni 1967 torpedierte die israelische Luftwaffe das US-Marineschiff USS Liberty – 34 Tote! Das war kein Versehen, sondern eine typische Geheimdienstoperation – für einen teuflischen Zweck. Der Repubkikaner Thomas Massie sprach gestern Klartext zu diesem Thema im US-Kongress.
Thomas Massie ist einer der letzten Rufer in der republikanischen Wüste: Der Abgeordnete kritisiert seit einem Jahr die Nichtveröäffentlichung der Epstein-Aktion und die Israel-First-Orientierung von Trump und dessen Anhängern. Zur Vergeltung sorgten Trump und die Israel-Lobby dafür, dass Massie die Vorwahlen für eine neue Kongress-Kandidatur verlor. Doch der Mann lässt sich nicht unterkriegen. Gestern sprach er wieder Klartext über ein Ereignis, das auf den Tag genau vor 59 Jahren stattgefunden hat.

Es geht um das Jahr 1967. Israel bombt zu diesem Zeitpunkt an mehreren Fronten. Der Sechstagekrieg zwischen dem jüdischen Staat und seinen arabischen Nachbarn beginnt am 5. Juni 1967 mit einem sogenannten Präventivschlag auf ägyptische Luftwaffenstützpunkte. Mit der Eroberung des Gazastreifen, der Sinai-Halbinsel, der Golanhöhen, des Westjordanlands und Ostjerusalems feiert Israel am Ende große Geländegewinne – und annektiert die Gebiete völkerrechtswidrig.
Was Israel damals gerne gehabt hätte: einen Kriegseintritt von Uncle Sam zur Durchsetzung noch weitergehender Ziele. Die Präsenz der USS Liberty im östlichen Mittelmeerraum, rund 14 Kilometer vor der Küste des Sinai, lieferte eine Gelegenheit, die Amerikaner in den Krieg hineinzuziehen.
Verwechslung oder Absicht?
Der Beschuss des US-Forschungsschiffs zieht sich über Stunden. Zum Einsatz kommen bei der Attacke Maschinengewehrsalven, Torpedos, 500-Kilo-Bomben und sogar Napalm (!). War das alles ein Versehen, weil die Israelis annahmen, sie bombardierten ein feindliches Kriegsschiff? Im Abschlussbericht des US-Geheimdienstes NSA heißt es dazu: „Alle offiziellen Befragungen zahlreicher Besatzungsmitglieder der Liberty ergaben übereinstimmende Beweise dafür, dass die Liberty tatsächlich eine amerikanische Flagge hisste – und dass darüber hinaus die Wetterbedingungen ideal waren, um ihre gute Sichtbarkeit und Identifizierbarkeit zu gewährleisten.”
Das durchlöcherte Geisterschiff, das man Tage später in den Hafen schleppt, zeigt plastisch: Man wollte keine Überlebenden. Dass es doch welche gab, könnte der Grund sein, warum heute überhaupt noch jemand von der Sache spricht. 34 Amerikaner verlieren in diesen Stunden ihr Leben. 172 weitere werden verletzt. Und bis heute beteuern Veteranenverbände: „Das war kein Unfall!“ So sagte etwa Lloyd Painter, einer der Überlebenden des Massakers, in der BBC-Dokumentation $Dead in the Water$: „Man kannte uns, und die Attacke war offensichtlich Absicht. Ich halte es für kaltblütigen Mord an amerikanischen Matrosen, was an dem Tag geschah.“

Shlomo Gazit, ehemaliger Mitarbeiter des israelischen Militärgeheimdienstes, stellte den Angriff im BBC-Interview jedoch als tragische Verwechslung dar: „Es ist sehr peinlich für eine militärische Macht wie Israel, so einen Fehler zu machen, keine Frage, aber wir haben unseren Fehler zugegeben. Das bedeutet nicht, dass es irgendeine Intention oder Verschwörung gab.“ Nur ein Fehler also?
Überlebende und Veteranen widersprechen dieser Darstellung bis heute. Der wichtigste Kronzeuge ist der Kapitän der USS Liberty William McGonagle. Ihm verlieh das Weiße Haus die höchste Auszeichnung, die Medal of Freedom – um sein Schweigen zu kaufen, wie manche sagen. Erst dreißig Jahre später, im Jahr 1997, kurz vor seinem Tod, wird er während einer Rede auf dem Ehrenfriedhof von Arlington deutlich: „Über viele Jahre wollte ich glauben, dass die Attacke auf die Liberty nur ein Missgeschick war. Es scheint mir, dass es nicht einfach eine Verwechslung war.“
Die Verschwörung hinter dem Angriff zeichnet die BBC anhand frei zugänglicher Akten nach. Sie beginnt mit einem Mann namens Meir Amit, von 1963 bis 1968 Chef des Mossad. Der beraumte kurz vor dem Liberty-Anschlag geheime Meetings in der CIA-Zentrale und im Pentagon an. „Amits wichtigster Termin war der mit Verteidigungsminister Robert McNamara“, so BBC-Filmemacher Christopher Mitchell. Was der Mossad-Chef von McNamara wollte: einen Blankoscheck für militärische Abenteuer. Und den habe Amit seiner Erinnerung nach auch bekommen. Aus seiner Unterredung mit dem Verteidigungsminister zog er auf Nachfrage der BBC damals „den Schluss, dass das grünes Licht bedeutete“. Nur ein Missverständnis? „Auf keinen Fall!“, sagt McNamara selbst, als der Sender ihn mit den Aussagen des Mossad-Chefs konfrontiert. „Unsere Position war: Nein, macht keinen Erstschlag!“
Wie die Geschichte zeigt, schlug Israel die guten Ratschläge – sofern es die denn wirklich gab – in den Wind. Der Erstschlag Israels erfolgte am frühen Morgen des 5. Juni 1967. Die Bombardements konzentrierten sich zunächst auf Flugfelder im Sinai-Becken und zerstörten die ägyptische Luftwaffe nahezu vollständig. „Und dann gab es eine zweite Runde, und eine dritte, und ein vierte“, erinnert sich Ezer Weizman, der damalige Chef der Streitkräfte.
In dieser Situation beorderte das Pentagon die USS Liberty gezielt ins Auge des Sturms. „Uns wurde gesagt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen“, so der Liberty-Überlebende Dave Lewis. Eine Anfrage an die Sechste Flotte der USA, einen Zerstörer als Eskorte zu senden, lehnte das Oberkommando mit der Begründung ab: „Ihr seid in internationalen Gewässern, und am Mast weht die amerikanische Flagge. Ihr braucht keinen Begleitschutz.“
Als sich das Schiff der Sinai-Küste nähert, werden einzelne Matrosen von vorbeidonnernden Aufklärungsflugzeugen aus dem Schlaf gerissen. Der Eindruck der Offiziere an Deck: Die Israelis sind hier, um uns zu beschützen. Doch plötzlich tauchen unmarkierte Mirage-Kampfjets am Horizont auf, und Bomben schlagen an Deck ein! Sekunden später hallt ein Funkspruch durch die Kajüten: „Das ist keine Übung. Wir werden angegriffen!“
Wie die BBC-Doku herausarbeitet, wurden Versuche der verzweifelten Crew, per SOS Hilfe zu rufen, durch israelische Störsender blockiert. „Der einzige Grund, warum wir das SOS doch absenden konnten, war ein verrückter Soldat, der den Antennenmast hinaufkletterte, während auf ihn geschossen wurde“, berichtet einer der Augenzeugen von der Heldentat, die das False-Flag-Narrativ durchkreuzte: Nach dem Funkspruch ließ sich nicht mehr verheimlichen, dass ein amerikanisches Schiff von Israel angegriffen wurde.
Lunte zum Weltkrieg
In einer zweiten Angriffswelle wird die Liberty von israelischen Schiffen mit Torpedos beschossen. Diese reißen große Löcher in den Rumpf und töten die Matrosen, die sich in den Maschinenräumen unter Deck befinden. Manövrierunfähig und schutzlos dümpelt die Liberty auf See, während zahllose Verletzte noch mit dem Tod kämpfen. Laut dem Überlebenden Lloyd Painter begannen die israelischen Angreifer dann sogar, „methodisch auf die Rettungsboote zu schießen“.
Wie wir heute wissen, wird das unter Lebensgefahr abgesetzte SOS-Signal auf der Kommandobrücke der Sechsten Flotte zwar registriert, doch: Niemand kommt. Was stattdessen passiert: Vom Flugzeugträger USS America steigen nahe der Insel Kreta zwei Bomber mit Kampfjet-Eskorte auf. Der Angriff auf die Liberty ist – irgendwo in der Kommando-Hierarchie – von einem offensichtlichen israelischen Anschlag auf den eigenen Verbündeten zu einem Angriff der Ägypter auf Amerika umgebogen worden. In der Folge macht sich das Pentagon bereit für den Vergeltungsschlag auf Kairo. Codename: „Condition November“.
Filmmacher Christopher Mitchell erklärt: „Condition November bedeutete, dass nuklear bewaffnete A4-Bomber genutzt werden würden.“ Und weiter: „Die USA waren im Begriff, einen Atomschlag gegen Ägypten durchzuführen, den angeblichen Angreifer. Kairo war kurz davor, in Flammen aufzugehen.“ Es muss also einen Plan gegeben haben. Doch wer gab den Befehl?
In der US-Botschaft in Kairo war man über die Lage bereits (falsch) informiert. „Es gab die Nachricht, dass die Navy sich darauf vorbereite, einen Gegenschlag gegen Ägypten auszuführen wegen der Attacke auf die Liberty“, so US-Diplomat Richard Parker, damals Konsul der US-Botschaft in Kairo, und bestätigt damit: Irgendjemand spielte da stille Post und leitete falsche Informationen über die Ereignisse vor der israelischen Küste ans Oval Office weiter.
Dass die atomar bestückten US-Bomber ihr Ziel nie erreichten, lag daran, dass sie vom Pentagon auf halber Strecke zurückgepfiffen wurden. Angeblich schaltete sich sogar Verteidigungsminister McNamara persönlich in die Leitung, um den Abbruch der Operation zu bestätigen. Manche meinen, er habe damit gerade nochmal die Lunte zum Dritten Weltkrieg ausgetreten.
Plötzlich ziemlich beste Freunde
Mit den Eroberungsplänen der Israelis wollten McNamara und auch Präsident Lyndon B. Johnson offiziell nichts zu tun haben. Was sie aber auch nicht wollten: wegen der USS Liberty eine Luftschlacht mit israelischen Kampfjets über internationalen Gewässern anzetteln.
McNamara verhinderte deshalb, dass Kampflugzeuge aufsteigen und der USS Liberty zu Hilfe eilen konnten, als die Angriffe noch liefen. „Der Admiral sprach mit McNamara und bat ihn um Erlaubnis, einige bewaffnete Flugzeuge zu senden. Und McNamara sagte: Nein, wir schicken keine Flugzeuge“, skizziert einer der damaligen Matrosen auf der Kommandobrücke den Verrat.
Lawrence Geis, Admiral der Sechsten US-Flotte beschwerte sich später darüber, dass der ganze Vorfall „unter den Teppich gekehrt“ werden sollte. Tatsächlich hatte er persönlich Flugzeuge zum Schutz der Liberty entsandt und Washington darüber informiert. Was dann passierte: „Die Flugzeuge wurden zurückbeordert durch Robert McNamara. Er hob den Befehl auf. Und dann kam Präsident Johnson ans Telefon.“ Er sagte demnach: „Es ist mir egal, ob dieses Schiff sinkt. Ich werde meine Verbündeten nicht blamieren.“
Fakt ist: Offiziell nahm die US-Regierung die dürftigen Entschuldigungen Israels in der Folge an. Mehr noch: Fortan sollte sich Amerika deutlich stärker an der Seite seines zwielichtigen Verbündeten engagieren – auch mit Waffenlieferungen.




