Alles nur Pipi

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Griff ins Klo – Gender-Revolution am stillen Örtchen. In Berlin werden Unisex-Toiletten eingerichtet. Auf Staatskosten.

_von Andrea Ricci

(…) Unisex nennen sich mittlerweile die Versicherungstarife, die am Ende nur für alle – Männer und Frauen – teurer sind. Manchmal prangt der Begriff „Unisex“ auch auf preisgünstigen Parfumflakons, der Duft sei dann für Herren und Damen geeignet. Meist stinkt das Zeug dann aber ein wenig süßlich nach Paviankäfig. Und vom Paviankäfig zur öffentlichen Toilette ist der Weg nicht weit. Denn die wird jetzt auch „Unisex“ – zumindest im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Neben Männer- und Frauenklos werden dort nun zusätzlich „Unisex-Toiletten“ eingerichtet – also für all jene, die sich weder als männlich noch weiblich empfinden, die sogenannten „Trans- und Intersexuellen“. Das beschloss das Bezirksparlament auf Antrag der Piraten und unterstützt von Grünen, SPD und Linken. Die CDU stimmte dagegen.

Man reibt sich die Augen. War die Piratenpartei nicht eigentlich angetreten, um als neue politische Kraft der „Generation @“ dafür zu sorgen, dass das informelle Selbstbestimmungsrecht geschützt und Internet für alle verfügbar wird? Doch ein Griff ins Klo? Aus Politik und Medien ergießen sich nun Spott und Hohn über die postmodernen Aborte in Friedrichshain-Kreuzberg. Heinz Buschkowsky, Bürgermeister im benachbarten Neukölln und erfolgreicher Bestsellerautor („Neukölln ist überall“) frotzelt jenseits der Bezirksgrenze darüber, dass es schön sei, dass sein Nachbarbezirk nur solche Probleme hätte. Er würde sich das für Neukölln auch wünschen.

Lena Rohrbach findet das alles überhaupt nicht spaßig. Die Piratenpolitikerin gehört zu den Sturmtruppen der Unisex-Klo-Bewegung und arbeitete den Toiletten-Antrag mit aus: „Man könnte denken, es gebe wichtigere Themen. Aber für die Betroffenen, die nicht in das binäre Geschlechtersystem passen, ist das sehr relevant. Jedes Mal, wenn sie in ein Gebäude gehen, wird ihnen suggeriert, dass sie eigentlich gar nicht existieren dürfen.“

Und Rohrbach weiß, worüber sie spricht. Denn der Faschismus von heute nennt sich machtvoll „Heteronormativität“ und ist allgegenwärtig. Heteronormativ denkt, wer glaubt, es existierten zwei Geschlechter. Also etwa 99 Prozent der Bevölkerung – der Rest aus „Trans- und Intersexuellen“ mag das sicherlich anders sehen. Im ganzen Land gibt es nach Schätzung der Bundesregierung circa 8.000 bis 10.000 Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau empfinden, sich als „intersexuell“ bezeichnen. Die Einrichtung von speziellen stillen Örtchen für diese kleine sexuelle Minderheit will Rohrbach aber als „Signal“ verstanden wissen. Lena Rohrbach will indes hoch hinaus. Über die Tageszeitung lässt sie verbreiten, dass sie im Herbst auch für den Bundestag kandidiert.

Dann können dort ebenfalls die Klos umbeschriftet werden. Immerhin – so die Toiletten-Piraten – koste es kaum etwas, allenfalls die Schilder müssten ausgewechselt werden. Preisfrage: Sitzt man da – oder darf man auch im Stehen? Für den gestandenen heteronormativen Mann alter Schule hat diese postmoderne Neuregelung aber auf jeden Fall unschlagbare Vorteile. Aufgrund der geringen Anzahl von Trans- und Intersexuellen ist davon auszugehen, dass die Spezialörtchen fast immer leer sein werden. Das Klo als Rückzugsgebiet, illegaler Raucherraum und Refugium für ungestörte Zeitungslektüre könnte so sein Comeback feiern. (…)

Artikel vollständig lesen in COMPACT 04/2013

* Andrea Ricci lebt in einer heteronormativen Beziehung in Beirut. In COMPACT 2/2013 schrieb er über die Giftgas-Lügen der NATO.

 




Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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