In vielen Punkten kann Trump Deutschland und Europa helfen, das woke Multikulti-Regime abzuschütteln. Doch strategisch will Trump Deutschland und Europa als Kolonie der USA. Eine rechte Strategie in dieser Zwickmühle fehlt bisher.
Wir dokumentieren einen Diskussionsbeitrag, den Bruno Wolters, stellv. Chefredakteur des „Freilich“-Magazins, auf seinem X-Kanal veröffentlicht hat, in vollem Wortlaut, und ein anschließender Kommentar von mir. Mehr zum Thema in unserer Spezialausgabe „Krieg gegen Russland. Deutschlands dritter Marsch ins Verderben“.
Position Bruno Wolters
Das eigentliche Problem der AfD ist die Schizophrenie der US-Regierung. In Washington lässt man keinen Zweifel daran, dass strategisch eine vertiefte Integration Europas als nachgeordneter Machtfaktor im amerikanischen Herrschaftsraum angestrebt wird. Europa soll aufrüsten, aber amerikanische Produkte kaufen. Es soll die Ukraine finanzieren, damit diese amerikanische Waffen kauft. Es soll den Wiederaufbau finanzieren, von dem amerikanische Konzerne direkt und indirekt profitieren. Und es soll seine Energiepolitik umstellen: weg von günstigen Lieferanten, hin zu politisch genehmigten – sprich: teuren – Importen aus den USA. Das ist weder Verschwörungstheorie noch Anti-Amerikanismus. Diese Logik wird offen vertreten, beispielsweise von Vordenkern wie Peter Navarro, in Strategiepapieren, Manifesten sowie in öffentlichen Stellungnahmen von Ministern und Stabschefs. Im Kern handelt es sich um einen modernen Neomerkantilismus, der auf Kosten externer Partner funktioniert. Für das deutsche Wirtschaftsmodell ist dieser Kurs nicht tragfähig. Eine Industriegesellschaft kann nicht bestehen, wenn Energie künstlich verteuert und politisch kontingent wird, wenn Importentscheidungen nicht souverän getroffen werden dürfen – etwa gegenüber Russland –, weil Sanktionen oder verdeckte Sabotageakte dies verhindern. Ebenso wenig kann ein exportorientiertes Land funktionieren, wenn es nicht mehr frei entscheiden darf, was es produziert und wohin es liefert. Der Skandal um monatelang festgesetzte VW-Fahrzeuge in US-Häfen – angeblich wegen einzelner Bauteile aus Xinjiang – ist kein Einzelfall, sondern ein Vorbote. Aus europäischer Sicht besteht ein rationales Interesse daran, dass Trump erfolgreich ist – nicht aus Loyalität, sondern aus Selbsterhaltung. Ein republikanischer Wahlsieg im Jahr 2028 würde die Wahrscheinlichkeit drastisch senken, dass die EU und die US-Administration gemeinsam eine harte Repressionslinie gegen dissidente politische Kräfte in Europa fahren. Ein Sieg der Demokraten hingegen dürfte unweigerlich zur „Bolsonaro-Behandlung“ führen: ein politischer, juristischer und medialer Vernichtungskampf, flankiert von Brüssel und Washington. Genau hier liegt das Dilemma: Trumps wirtschafts- und handelspolitische Erfolge lassen sich nur auf Kosten Europas realisieren. Sein Erfolg ist zugleich unser Risiko. Das ist der Teufelskreis. Selbst wenn sich objektiv günstige strategische Konstellationen ergeben, fehlt derzeit jede politische Kraft – mit wenigen Ausnahmen wie Chrupalla –, die diese flexibel, dynamisch und souverän nutzen könnte. Als Rechter muss man gegenwärtig im Windschatten von MAGA fahren, um nicht von Berlin und Brüssel zerschlagen zu werden – und zugleich darauf achten, dass Europa nicht vollständig in das neomerkantilistische US-System eingesogen wird. Paradoxerweise wirkt die EU hierbei als Bremsklotz für die US-Pläne und nicht als Motor. Das entspricht unserem Interesse. Irgendwann wird der Moment kommen, an dem man aus diesem Windschatten ausscheren muss – nach rechts, auf einen eigenen Weg. Doch dafür braucht es strategisches Fingerspitzengefühl. Genau das fehlt jedoch. Im Gegenteil: Derzeit erscheint ein Großteil der AfD eher geeignet, die Integration in einen amerikanischen Erpresserkapitalismus zu beschleunigen, als ihm zu entkommen.
Kommentar Jürgen Elsässer

Der hellsichtige Beitrag von Bruno Wolters fällt sogar noch zu optimistisch aus, da er eine Eskalation des Ukraine-Krieges nicht vorsieht. Das wirtschaftliche Aussaugen Europas würde sich verschärfen, wenn die USA Selenski und Merz animieren, die Angriffe auf Russland zu intensivieren (bei heuchlerischem Weiterlaufen der Verhandlungen). Am Ende wären sowohl Russland wie Europa/Deutschland ausgeblutet, und die USA könnten, ohne selbst einen Soldaten geopfert zu haben, den ganzen Kontinent übernehmen. In dieser Perspektive wäre das Ziel der US-Politik auch nicht, die AfD an die Regierung zu bringen, sondern Merz im Amt zu belassen, denn er ist der ideale Ostfront-Hasardeur.




