Ein lakonisches «Wir meinen, es reicht!» markiert den Abschluss einer fast 50 Jahre währenden Ära deutscher Mediengeschichte. Alice Schwarzer, die berühmte Ikone des deutschen Feminismus, zieht den Schlussstrich. Weitere starke Frauen die Geschichte geschrieben haben finden in der COMPACT Geschichtsausgabe «Deutsche Frauen». Hier mehr erfahren!
Im Alter von 83 Jahren stellt sie ihr legendäres Magazin EMMA ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember 2026 wird die letzte sein. Wirtschaftliche Gründe seien laut Schwarzer nicht der Auslöser, wenngleich sich die Zahlen der Abonnenten zuletzt auf rund 15.000 halbiert habe. Vielmehr sei die Redaktion nach drei Generationen des unermüdlichen Kampfes schlicht «ermattet». Ein Nachfolgemodell schloss die Gründerin aus: «Natürlich bin ich EMMA.» Wenn Schwarzer geht, geht auch das Heft.

Historische Meilensteine
Als der moderne Feminismus laufen lernte, schrieben wir die 1970er-Jahre – eine Zeit des radikalen gesellschaftlichen Aufbruchs. Alice Schwarzer prägte die Bundesrepublik wie kaum eine andere Publizistin. Unvergessen bleibt die von ihr initiierte Stern-Aktion «Wir haben abgetrieben!» im Jahr 1971, bei der 374 Frauen öffentlich das damals strikte Tabu brachen, um gegen den Paragrafen 218 zu protestieren. Ihr 1975 erschienenes Buch Der kleine Unterschied und seine großen Folgen wurde zur intellektuellen Bibel der Frauenbewegung.
Am 26. Januar 1977 erschien schließlich die erste EMMA. Schwarzer gründete das Blatt aus Wut über die grassierende Frauenfeindlichkeit in den etablierten, von Männern dominierten Medien. Über Jahrzehnte hinweg setzte die Redaktion im Kölner Bayenturm Themen auf die Agenda, die der Mainstream geflissentlich ignorierte: Kampagnen gegen die weibliche Genitalverstümmelung, gegen Pornografie und gegen Prostitution. Das größte Verdienst der EMMA, so betont Schwarzer heute, sei es gewesen, Millionen Frauen zu einem selbstbestimmten Leben zu ermutigen.

Scharfe Kritik
Die mutige Vorkämpferin äußerte sich in jüngerer Vergangenheit zur Migrations- und Flüchtlingspolitik. Gehörte sie anfangs noch zu den Unterstützerinnen von Angela Merkel, wandelte sie sich nach der Flüchtlingskrise 2015 zu einer ihrer schärfsten Kritikerinnen. Schwarzer warnte wiederholt und vehement vor den Folgen einer ungesteuerten Zuwanderung aus patriarchalischen Kulturkreisen. Sie beklagte einen «frauenverachtenden Sound» in Teilen der muslimischen Community und warf der politischen Linken eine «falsche Fremdenliebe» sowie eine moralische Beschwichtigung vor, die reale Konflikte totschweige.
Eng damit verknüpft ist Schwarzers jahrzehntelanger Kampf gegen den politischen Islam, den sie drastisch als den «Faschismus des 21. Jahrhunderts» bezeichnet. Das Kopftuch deklarierte sie nicht als Symbol persönlicher Religionsfreiheit, sondern als «politische Flagge des Islamismus». «Rechtspopulistisch», lautete die Kritik aus dem linken Lager, und Schwarzer setzte noch einen darauf: Dem Erfolg von AfD-Chefin Alice Weidel brachte sie Respekt entgegen im Sinne des weiblichen Durchsetzungsvermögens. Noch mehr brachte sie die links-grüne Bewegung mit ihrer Ablehnung der Queer- und Trans-Ideologie auf die Palme: Darin sieht sie eine Gefahr für den Schutz biologischer Frauen. Vor allem kämpft Schwarzer für den Frieden und verurteilt die Kriegstreiberei der Bundesrepublik gegen Russland. Damit hat sie sich in der langen Geschichte ihres Schaffens ein letztes Denkmal gesetzt.

Mit dem Aus der EMMA im Dezember verliert die deutsche Medienlandschaft ein Magazin bundesrepublikanischer Nachkriegsgeschichte. Wer jedoch glaubt, Alice Schwarzer ziehe sich still und leise ins Private zurück, irrt. Den Begriff «Ruhestand» weist sie weit von sich; sie will fortan wieder vermehrt als Buchautorin arbeiten – frei von den Zwängen der momentanen Ideologien.
Die Geschichte der EMMA wird an das Deutsche Literaturarchiv Marbach übergeben und soll ab 2029 der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sein. Ein passender Ort für ihr Lebenswerk, das die Republik für immer verändert hat. Oder, wie Alice Schwarzer es selbst formuliert: «Damit wird EMMA in die Ewigkeit gehen.»
Weitere starke Frauen die Geschichte geschrieben haben finden in der COMPACT Geschichtsausgabe «Deutsche Frauen». Hier mehr erfahren!




