Extremismus-Expertin Julia Ebner dreht frei und erklärt ganz normales Krafttraining zum potenziellen Einfallstor für Rechtsextremismus. Ihre Namensvetterin Julia Ruhs hat in ihrem Buch «Links-grüne Meinungsmacht» auch mit ähnlichen Irrsinnigkeiten abgerechnet. Hier mehr erfahren.

    Julia Ebner warnt in ihrem neuen Buch Von Fitness zu Faschismus vor dem angeblich kurzen Weg vom Hantelbank-Training zum Extremismus. Die Oxford-Forscherin räumt zwar ein, dass Fitness grundsätzlich positiv sei und sie selbst auch trainiert, aber nach ihrer Ansicht ziehe so ein Hobby rechtsextreme Gruppen magisch an. Die Autorin behauptet, solche Mechanismen auch bei Undercover-Recherchen beobachtet zu haben.

    Sie sei auf einer rechten Mixed-Martial-Arts-Veranstaltung gewesen und habe sich Netzwerke von Neonazi-Fightclubs in Europa angesehen. Teilweise, so ihre Argumentation in einem Interview mit The Pioneer, werde dabei der positive Grundgedanke von Gemeinschaft ausgenutzt, ebenso der Fokus auf Körperlichkeit und Ästhetik.

    Das könne mitunter auch mit Fragen der Genetik einhergehen, die als Ansatzpunkt für extremistische und faschistische Ideologien dienten. Immer mehr Jugend-Subkulturen, die extremistisches Gedankengut verbreiten wollten, nutzten Sport als Eingangstor. Der 28-Jährige, der nach Feierabend drei Mal die Woche ins Gym geht, um Stress abzubauen und nicht schon mit 40 einen Bandscheibenvorfall zu riskieren, wird also in den Augen der Autorin plötzlich zum potenziellen Radikalen. Wenn sie als Frau selbst trainieren geht, ist das dann nicht gefährlich oder wie soll man das verstehen?

    Abenteuerliche Vergleiche

    Die überwältigende Mehrheit der Männer im Studio will vermutlich weder Frauen unterdrücken noch eine faschistische Ordnung errichten. Besonders charmant ist der historische Vergleich mit der obligatorischen Parallelen zur Hitlerjugend:

    «Die Fitness- und Kampfsportkultur manch radikaler Bewegung weist deutliche Parallelen zu den Fitness- und Kampfübungen der Hitlerjugend in den Dreißigerjahren auf.»

    Auffällig bleibt dabei, wie einseitig Ebner auf das Thema schaut. Rechte Subkulturen und alles, was nach männlicher Leistungsorientierung aussieht, werden detailliert als Gefahr beschrieben. Andere Formen von Extremismus – islamistische Netzwerke oder linke Gewalt – spielen in dieser Erzählung kaum eine Rolle.

    Stattdessen gerät die körperliche Ertüchtigung selbst unter Verdacht. Dass Ebner das Buch ausgerechnet ihren beiden jungen Söhnen widmet, macht die Sache nicht weniger kurios. Sie sagt, es sei ihr «enorm wichtig», ihren Jungs dabei zu helfen, «selbst ihre Identität als Mann zu finden» und zwar ohne Aggression und ohne Gewalt. Im selben Atemzug erklärt die Extremismus-Expertin aber Fitness und den Wunsch nach Stärke zum potenziellen Einfallstor für Faschismus. Für fremde Männer im Studio ist Muskeltraining verdächtig, für die eigenen Söhne soll es hingegen offenbar harmlos und formbar bleiben.

    Julia Ruhs hat in ihrem Buch «Links-grüne Meinungsmacht» auch mit solchen Irrsinnigkeiten abgerechnet. Hier bestellen.

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