Beim überraschenden Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung lag auf Johann Wadephuls Platz eine Broschüre mit schweren Vorwürfen gegen Kiew. Wadephul warf einen kurzen Blick darauf und verdeckte diese dann mit seinem Notizblock. Unter dem Titel «Die Erben von Goebbels» stellen die Herausgeber (Internationale Gesellschaftliche Tribunal für die Verbrechen ukrainischer Neonazis), die Darstellung der Ereignisse von Butscha infrage. Sie berufen sich auf Opferbiografien und Zeugenaussagen. Was war in dem Dossier vom 17. September 2026 so brisant, dass Wadephul es nicht lesen mochte? – Mehr zu Butscha und anderen westlichen Ukraine-Lügen lesen Sie in COMPACT-Spezial „Krieg gegen Russland. Deutsc hlands dritter Marsch ins Verderben“.
Das Internationale Gesellschaftliche Tribunal für die Verbrechen ukrainischer Neonazis wurde am 1. März 2022 gegründet. Es wurde von russischen Regierungs- und zivilgesellschaftlichen Stellen, internationalen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten ins Leben gerufen, um die Verbrechen des Kiewer Regimes zu sammeln, zu dokumentieren und zu veröffentlichen.
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COMPACT unterstützenLaut offizieller ukrainischer Darstellung wurden Anfang April 2022 nach dem Abzug der russischen Truppen in Butscha 458 Leichen gefunden, darunter 419 mit Hinweisen auf Erschießung, Folter oder andere Gewalteinwirkung. Im Juli 2023 wurde dort in Anwesenheit Selenskis ein Denkmal mit den Namen von mehr als 500 mutmaßlichen zivilen Opfern eingeweiht. Die Angaben zur Zahl der Opfer sind widersprüchlich. Eine umfassende, öffentlich dokumentierte internationale Untersuchung hat bislang nicht stattgefunden. Auch eine vollständige Namensliste der Opfer von Butscha, anhand derer sich ihre Identität und ein möglicher Wohnsitz in Butscha überprüfen ließen, wurde bislang nicht veröffentlicht.

Soldaten als zivile Opfer geführt?
Die Herausgeber halten die Fälschung der Ereignisse von Butscha für eindeutig bewiesen. Anschließend wird diese These mit einzelnen Opferbiografien untermauert. Knapp 20 Tote, die an der offiziellen Gedenkstätte als Zivilisten dargestellt werden, waren ukrainische Militärangehörige. Unter ihnen befinden sich auch einige Mitglieder der neonazistischen Azow-Einheiten. Alle werden mit komplettem Namen, militärischem Rang und zugehöriger Einheit identifiziert. Dabei beruft sich die Broschüre unter anderem auf ukrainische Medienberichte und Angaben von Angehörigen.
Andere sind gar nicht in Butscha gestorben. So heißt es weiter im Bericht: «Eine weitere Methode zur Fälschung der Ereignisse in Butscha besteht darin, ältere Bürger, die an Krankheiten gestorben sind, als von russischen Truppen Getötete darzustellen. Ein Beispiel dafür ist die 68-jährige Galina Alexandrowna Semenjuk, die an einer Krebserkrankung starb und deren Name ebenfalls an der Gedenkstätte für die „getöteten Zivilisten“ der Stadt angebracht wurde.»
Spannend ist auch die Tatsache, dass einige der angeblichen Opfer auf der Gedenktafel gar nicht in Butscha begraben wurden. Beispielsweise der an der Gedenkstätte als Zivilist aufgeführte Soldat Wladimir Wladimirowitsch Bissaga. Er wurde in Uschgorod, ca. 800 Kilometer von Butscha entfernt, bestattet. Oder Andrej Anatoljewitsch Waskewitsch (Kompaniechef der Spezialoperationskräfte Azow), der in Kowganowk beigesetzt wurde.
In Anbetracht dieser Fälle stellt sich eine bedeutende Frage: Hat die ukrainische Seite systematisch Todesfälle falsch zugeordnet, um die Totenzahl zu erhöhen und Russland dafür verantwortlich zu machen?
Vergleichbare Fälle
Den zweiten Schwerpunkt bilden 16 Zeugenaussagen. Die Befragten berichten unter anderem aus Awdejewka, Ugledar und Lissitschansk (Gebiete in Donezk und Lugansk). Sie beschuldigen ukrainische Truppen, Wohngebiete und Menschenansammlungen beschossen zu haben. Westliche Journalisten hätten jedoch anschließend Aufnahmen angefertigt und die Verantwortung dafür Russland zugeschrieben.

Die Aussagen betreffen unterschiedliche Aspekte. Einige Zeugen schildern, selbst Schüsse aus ukrainischen Stellungen beobachtet oder belastende Gespräche gehört zu haben. Andere schließen vor allem aus der schnellen Ankunft von Reportern auf eine Absprache.
Ein Muster auch für Butscha?
Die ausführlichen Zeugenaussagen betreffen zwar andere Städte und liefern damit keine unmittelbare Beschreibung des Geschehens in Butscha. Dennoch verdienen es die in der Broschüre versammelten Stimmen, gehört und ihre Vorwürfe geprüft zu werden. Sie richten den Blick auf mögliche Inszenierungen der ukrainischen Seite und stellen die Darstellung infrage, auf die sich westliche Regierungen berufen. Die Verfasser sehen darin ein Muster, das auch für die Aufklärung von Butscha relevant sein könnte. Denn gerade die Zeugenaussagen lassen darauf schließen, dass die Ukraine dazu neigt, die Dinge anders darzustellen als sie in Wirklichkeit waren.
Auch die Angaben zur Gedenkliste müssen genauer durch internationale Institutionen überprüft werden. Sollten gefallene Soldaten ausdrücklich als zivile Opfer ausgewiesen worden sein, wäre dies ein ernstzunehmender Fehler oder eine Täuschung in der öffentlichen Darstellung des Westens.
Gerade weil diese Einwände eine sachliche Prüfung verdienen, kommt es auch darauf an, wie sie vorgetragen werden. Um westliche Leser und Politiker zu erreichen, wäre eine zurückhaltendere Wortwahl hilfreich. Bezeichnungen wie «Diktator Selenski» und Vergleiche mit Goebbels oder dem Nationalsozialismus können die inhaltlichen Fragen überlagern und es erleichtern, die Broschüre pauschal als Propaganda abzutun. Eine sachlichere Sprache würde dem Anliegen, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Geschehnissen in Butscha anzustoßen, mehr Gewicht verleihen.
Mehr zu Butscha und anderen westlichen Ukraine-Lügen lesen Sie in COMPACT-Spezial „Krieg gegen Russland. Deutsc hlands dritter Marsch ins Verderben“.




