Lebt die FDP noch? Die neue Insa-Meinungsumfrage weist die Liberalen erstmals seit der Bundestagswahl im Februar 2025 wieder mit fünf Prozent aus. Bei Allensbach sind es sogar 5,5 Prozent. Sichern Sie sich unser höchst aufschlussreiches Spezialheft „Die Altparteien“ mit einer großen Betrachtung der FDP-Geschichte. Hier mehr erfahren.
Der 74-jährige Wolfgang Kubicki ist es, der die Truppe nach der verheerenden Bundestagswahl 2023 wieder in die Spur bringen soll. Als Bundesvorsitzender will er die seine FDP zu neuen Erfolgen führen. Parole: „Wirtschaftliche Vernunft, Schutz der Bürgerrechte, Absage an den ideologischen Firlefanz unserer Mitbewerber.“ Deutschland brauche keine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettele, sondern eine, die klar in Inhalt und Sprache sei. Das Potenzial für die Liberalen sieht er „irgendwo zwischen 25 und 30 Prozent“. Ja, das hat er wirklich so gesagt!
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COMPACT unterstützenKubicki ist seine eigene Marke
Ein loses Mundwerk ist das Markenzeichen des Draufgängers. Machtpolitik hat er von der Pike auf gelernt und behauptet sich seit Jahrzehnten in der Schlangengrube der hohen Politik, gilt als gerissen und perfekt vernetzt. Es ist ihm gelungen, eine eigene Marke zu werden und nicht als Altparteien-Apparatschik wahrgenommen zu werden; eher als Klartexter. Insofern ist es möglich, dass er die Freien Demokraten durch Lautstärke und populäre Themensetzung wieder ins Gespräch bringt und die Fünfprozenthürde überspringen kann.
Aber es bleibt knapp. Mit 4,3 Prozent war die FDP aus dem Landtag geflogen. Anschließend ging es in Meinungsumfragen auf drei Prozent herunter. Jetzt also sorgt die neue Insa-Umfrage für etwas Erleichterung im gelben Lager. Fünf Prozent! Stärkste Kraft bleibt die AfD mit 28 Prozent. Die CDU/CSU kommen auf 21 Prozent, die Grünen auf 14, die SPD auf 12 und die Linke auf 11 Prozent. Das BSW stagniert bei 4 Prozent und würde so den Einzug in den Bundestag verpassen.
„Ich habe mir alles selbst erarbeitet“
Der alte und neue FDP-Hoffnungsträger, geboren 1952 in Braunschweig, ist mit zwei älteren Geschwistern in der Löwenstadt aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sein Abitur absolvierte der tendenziell aufmüpfige Pennäler in Kiel. An der dortigen Uni studierte er Volkswirtschaftslehre und ab 1982 Rechtswissenschaften. Mit dem zweiten juristischen Staatsexamen schloss er ab und ist seit 1985 als Rechtsanwalt tätig. Heute sagt er: „Meine Eltern waren nicht reich, ich habe nicht reich geerbt. Ich habe mir alles selbst erarbeitet.“ Dass er in den Achtzigerjahren an der Förde eine Kneipe betrieb, erzählt er gerne. Überhaupt schwöre er auf gute Gespräche am Tresen, dem Bundestag des kleinen Mannes.
Kubicki, in dritter Ehe verheiratet und Vater zweier erwachsener Zwillingstöchter, trat bereits 1971 der FDP bei. Die Partei steckte damals in einer schwierigen Findungsphase und schlug mit Willy Brandts neuer Ostpolitik einen linksliberalen Kurs ein – so blieb die SPD/FDP-Koalition stabil. Der junge Norddeutsche fand sich rasch zurecht. 1975 war er bereits Landesvorsitzender der Jungdemokraten in Schleswig-Holstein, ab 1976 Mitglied des FDP-Landesvorstandes, ab 1990 Landesvorsitzender – und erstmals Bundestagsabgeordneter.
Weg zu unumstrittenen Größe
In der Landespolitik legte er einen Fehlstart hin. Im Rahmen der Affäre um die Privatisierung der Sondermülldeponie Schönberg (heute Ihlenberg) in Mecklenburg-Vorpommern wurde ihm Anfang der Neunziger vorgeworfen, anwaltlich falsch beraten, gigantische Honorare kassiert und zudem noch Geschäftsbeziehungen zu Beteiligten vertuscht zu haben. Lokale Blätter schossen sich auf ihn ein, was ihm zusetzte: „Das waren so zehn Minuten, wo ich mir gedacht habe, das hältst du nicht mehr aus. Das hält dein Umfeld nicht mehr aus, das hält deine Familie nicht mehr aus, deine Kanzlei nicht mehr aus. Das hört nur auf, wenn du aufhörst zu existieren.“
Aber er biss sich durch und wuchs zu einer unumstrittenen Größe heran. Von 1992 bis 2017 war er bei Landtagswahlen in Schleswig-Holstein sechs Mal Spitzenkandidat seiner Partei, schaffte stets den Sprung über die Fünfprozenthürde und fuhr 2009, nach dem Bruch der Großen Koalition in Kiel, sagenhafte 14,9 Prozent für die FDP ein! Ein solches Ergebnis festigte seinen guten Ruf und verschaffte ihm einen hohen Bekanntheitsgrad, der bis heute ausstrahlt. Im kommenden Jahr wählt Schleswig-Holstein…
Nationalliberal als Weg
Die FDP nationalliberal mit Leben zu füllen, das wäre der Erfolgsweg. Das Vermächtnis großer Liberaler wie Erich Mende oder Thomas Dehler mahnt, in offene Flanken zu stoßen, die Union und SPD bieten. In den Neunzigern hat man versäumt, sich als nationalliberale Kraft gegen Euro-Pläne der Brüsseler Bürokraten zu präsentieren. Die FPÖ in Österreich, ursprünglich Schwesterpartei der FDP, ist einen anderen Weg gegangen und steht heute vor dem Sieg. Wolfgang Kubicki aber wehrt sich: „Ich weigere mich zu akzeptieren, dass ich rechts der Mitte bin. Ich bin Zeit meines Lebens Sozialliberaler.“
Bei Allensbach sind es sogar 5,5 Prozent. Sichern Sie sich unser höchst aufschlussreiches Spezialheft „Die Altparteien“ mit einer großen Betrachtung der FDP-Geschichte. Hier bestellen.





