Heute vor 125 Jahren ist die Schweizer Kinderbuchautorin Johanna Spyri verstorben. Ihre Heidi wurde auch bei uns populär, wenn auch über Japan. Dazu gibt es in der neuen COMPACT-Ausgabe „Sommermärchen 2026“ einen tiefschürfenden Beitrag, den wir Ihnen sehr ans Herz legen. Nachfolgend Auszüge. Hier mehr erfahren.

    Die Erzählung vom Waisenkind und ihrem mürrischen Großvater stammt von der Schriftstellerin Johanna Spyri, deren Todestag sich heute zum 125. Male jährt. Geboren wurde Spyri am 12. Juni 1827 in der Ortschaft Hirzel im Kanton Zürich als Spross einer Schweizer Arzt- und Dichterfamilie. Ihr späterer Mann Bernhard, den sie 1852 heiratete, war ein enger Freund von Richard Wagner. Infolge ihrer ersten Schwangerschaft litt Johanna an Depressionen, und so ließ sie die eigene Biografie in ihre Kinderbücher einfließen. 1880 veröffentlichte sie Heidis Lehr- und Wanderjahre, ein Jahr später Heidi kann brauchen, was es gelernt hat. Die Werke verkauften sich blendend, wurden bis heute in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Dies sicherte der Schriftstellerin einen komfortablen Lebensabend. Am 7. Juli 1901 schloss Johanna Spyri in Zürich für immer die Augen.

    Später Durchbruch

    Neunzehn Jahre nach ihrem Tod erschien ihr erster Heidi-Roman, übersetzt von Nogami Yaeko, auch in Japan – im Rahmen einer Reihe von internationalen Kinderbuchklassikern. Der Stoff wurde allerdings nicht aus dem deutschsprachigen Original übertragen, sondern aus einer Version in amerikanischem Englisch. In Nippon hieß Heidi anfangs übrigens Kaede, was Ahorn bedeutet. Landesweit populär wurde die Geschichte erst ab 1959, als der spätere Literaturnobelpreisträger Kawabata Yasunari eine Nacherzählung veröffentlichte. In den 1960er und 1970er Jahren zählten die Romane zu den bedeutendsten der Jugendliteratur in Japan: Bis 1974 gab es insgesamt 24 Neuübersetzungen, Bilderbücher und eine Manga-Geschichte um das Waisenmädchen aus den fernen Alpen.

    So war es nur eine Frage der Zeit, bis Heidi auch in der japanischen Meisterdisziplin, dem Anime – früher noch Zeichentrick genannt – verarbeitet wurde. Dagegen gab es erst Vorbehalte, die insbesondere von der linken Kulturszene Japans genährt wurden. Die von der Frankfurter Schule geprägten Antiautoritären lehnten die konservativen Erziehungsideale ab, die Spyri in ihren Romanen vermittelt.

    Das Tokioter Studio Zuiyo Enterprise (heute Nippon Animation) entschloss sich 1974 dennoch, den Stoff zu adaptieren, entschied sich aber, die Geschichte leicht anzupassen und zu modernisieren, um Kontroversen zu umschiffen. Vor allem Themen wie Schuld und Sünde wurden entschärft. Stattdessen ließ man Aspekte wie die Liebe zur Natur stärker durchschimmern und erfand dafür neue tierische Freunde von Heidi wie den Bernhardiner Joseph oder den Vogel Piep, die in den Romanen nicht vorkommen.

    Der Weg zur Kultserie

    Die beiden Schöpfer der Serie, Regisseur Isao Takahata und Zeichner Hayao Miyazaki (später Oscar-Preisträger und Gründer des weltberühmten Studio Ghibli), reisten sogar einen Monat in die Gegend von Maienfeld im Schweizer Kanton Graubünden, um die Landschaft möglichst realistisch gestalten und ihrem Werk eine authentische Stimmung geben zu können. In den 52 Folgen, die schließlich produziert wurden, konnten alle Haupt- und Nebenhandlungen von Spyris erstem Roman untergebracht werden. Im Reich der aufgehenden Sonne avancierte Arupusu no Shojo Haiji (Alpenmädchen Heidi), so der Originaltitel, rasch zur Kultserie. Das dortige Titellied ist bis heute ein beliebter Karaoke-Song. Am Fuße des Fujiyama, knapp zwei Stunden Autofahrt von Tokio entfernt, gibt es unzählige Geschäfte, die Merchandise-Produkte zu Heidi anbieten.

    Drei Jahre nach der Erstausstrahlung in Japan sicherte sich das ZDF die Rechte für eine deutsche Version von Heidi. Zuiyo Enterprise und der westdeutsche Sender arbeiteten eng zusammen. Andere bekannte Anime-Serien wie Wickie und die starken Männer (1974), Die Biene Maja (1975) oder Pinocchio (1976), waren sogar Auftragsarbeiten des japanischen Studios für das BRD-Fernsehen.

    Nicht nur in Deutschland, sondern in den meisten anderen Ländern der Welt ist die Zeichentrickserie von 1974 bekannter als die literarische Vorlage von Johanna Spyri. Nur in der Heimat der Schriftstellerin, also in der Schweiz, übertrifft die Popularität der Kinderbücher jene der Anime-Produktion.

    Weitere Heidi-Verfilmungen

    Nicht jede Heidi-Adaption wurde zum Klassiker. 2001 versuchte Regisseur Markus Imboden den Stoff in die Gegenwart zu holen – mit einem prominenten Namen: Bruno Ganz spielte allerdings nicht den Alm-Öhi, sondern einen Nebencharakter. Die Geschichte verlegte Heidi teilweise nach Berlin, modernisierte Figuren und entfernte sich damit deutlich von Johanna Spyris Vorlage. Beim Publikum kam das nur mäßig an, Kritiker bemängelten die teils hölzerne Umsetzung. Entsprechend blieb der Film weit hinter den Erwartungen zurück.

    Wem die Serie so gefallen hat, dass er auch seine Kinder oder Enkel in den Genuss kommen lassen möchte, kann alle 52 Folgen auf Amazon Prime streamen. Allerdings lohnt es sich auch, den Nachwuchs an die Romane von Johanna Spyri heranzuführen. Sie vermitteln den Zauber der Bergwelt auf unnachahmliche Weise.

    Zum heutigen Todestag der Schweizer Kinderbuchautorin Johanna Spyri gibt es in der neuen COMPACT-Ausgabe „Sommermärchen 2026“ den tiefschürfenden Beitrag, den wir Ihnen sehr ans Herz legen, in voller Länge. Hier bestellen.

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