In über 100 Ländern läuft er im Kino, in Deutschland hat er keine FSK-Freigabe bekommen und darf damit praktisch nicht vertrieben werden. Es geht um Migranten, Gruppenvergewaltigung und Selbstjustiz. Hintergrund ist ein echter Fall. Der Regisseur vermutet politische Zensur. In COMPACT-Spezial «Mädchen, Messer, Morde» sehen Sie, wie nah dieser Streifen an der Realität ist. Hier mehr erfahren.

    Uwe Boll (61) ist seit Jahrzehnten einer der streitbarsten und umstrittensten deutschen Filmemacher. Nun hat er seinen bislang mutigsten Streifen vorgelegt: «Citizen Vigilante» (Bürgerwächter), ein Actionthriller mit dem früheren Hollywood-Star Armie Hammer. Es ist der dritte und letzte Teil seiner Trilogie «Deutschland im Winter» , nach «Hanau» und «Run».

    Der Spielfilm zeigt, was deutsche Produktionsfirmen und Fördergremien sonst meiden wie der Teufel das Weihwasser: die Realität der Migrantenkriminalität und ihre Folgen. In den USA und Kanada läuft «Citizen Vigilante» seit dem 19. Juni regulär im Kino. In Deutschland hat die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) zweimal den Rotstift gezückt. Das Ergebnis: keine FSK-Freigabe – und damit ein faktisches Aufführungsverbot für einen Film, der unbequeme Wahrheiten ausspricht.

    «Die Schande von Hamburg»

    Boll orientierte sich an einem realen Fall, der Deutschland vor sechs Jahren erschütterte: In der Nacht zum 19. September 2020 besuchte ein 15-Jähriges Mädchen eine Party auf der Festwiese des Hamburger Stadtparks. Stark alkoholisiert verlor sie ihre Freunde aus den Augen, mehrere junge Männer zerrten sie in ein Gebüsch und vergewaltigten sie. Ermittler sicherten neun verschiedene Spermaspuren. Die Täter filmten das Geschehen und raubten das Mädchen anschließend aus. Keinem der Angeklagten kam im Prozess ein Wort des Bedauerns über die Lippen.

    Zehn junge Männer, zum Zeitpunkt des Verbrechens zwischen 17 und 19 Jahre alt, wurden im Hauptverfahren angeklagt. Ursprünglich gab es zwölf Verdächtige. Ein elfter Angeklagter wurde bereits im April 2023 freigesprochen. Von den verbleibenden zehn Angeklagten wurde einer im November 2023 freigesprochen, neun wurden verurteilt. Fünf besaßen einen deutschen Pass. Die anderen fünf kamen aus Syrien, Afghanistan, Montenegro, Armenien und Kuwait. Laut Medienberichten hatten acht der neun Verurteilten einen Migrationshintergrund. Der Name des Täters ohne Migrationshintergrund sind nicht bekannt.

    Am 28. November 2023 fiel das Urteil, nach 68 Verhandlungstagen und 96 Zeugenaussagen: Neun Angeklagte wurden zu Jugendstrafen zwischen 12 und 33 Monaten Haft verurteilt. Acht davon wurden zur Bewährung ausgesetzt. Nur einer musste tatsächlich ins Gefängnis: zwei Jahre und neun Monate. Die zuständige Richterin Anna Meier-Göring, der Jugendstrafkammer 17 am Hamburger Landgericht, begründete das milde Urteil:

    «Vergeltung und Abschreckung dürfen im Jugendstrafrecht keine Rolle spielen. Es geht darum, künftige Straftaten durch Erziehung zu verhindern.»

    In Deutschland löste das in sozialen Netzwerken einen Sturm der Entrüstung aus. Auf X ergossen sich Hasskommentare über die Richterin. Ein Nutzer schrieb:

     «Die Schande von Hamburg hat ein Gesicht.»

    Die Richterin selbst hatte laut NDR zu den uneinsichtigen Angeklagten gesagt:

    «Ich sehe Entsetzen und Empörung in Ihren Augen.»

    Die Täter hatten offenbar einen Freispruch erwartet. Der Hamburger AfD-Fraktionsvorsitzende Dirk Nockemann nannte das Urteil «Kuscheljustiz, die ein fatales Signal an unsere Gesellschaft sendet». Der Hamburgische Richterverein solidarisierte sich mit seiner Kollegin und bezeichnete die Angriffe auf sie als «Angriff auf den Rechtsstaat». Die Reaktion des Richtervereins auf das milde Urteil selbst: Schweigen. Regisseur Boll nutzte den Fall als Inspiration «Citizen Vigilante».

    Cancel Culture und Woke-Mob

    Hauptdarsteller Armie Hammer (39), einst gefeierter Hollywood-Star aus «Call Me by Your Name und «The Social Network», verschwand 2021 nach Missbrauchsvorwürfen von der Bildfläche. Die Ermittlungen gegen ihn wurden 2023 ohne Anklage eingestellt, seine Karriere war trotzdem zerstört. «Citizen Vigilante» markiert sein Comeback.

    Filmemacher Boll erklärte Ende 2025, noch während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film, in einem Interview mit dem alternativen Magazin Aufgewacht:

    «Die vollkommen absurde Cancel Culture ist total übertrieben, wo dann der Twitter- und Woke-Mob jeden, der mal einen Witz oder eine Bemerkung gemacht hat, die den woken Linken nicht gefällt, für immer aus der Öffentlichkeit verbannen will.»

    Zu Hammer gab er zu Protokoll: «Ich habe ihn besetzt, weil ich ihm wieder eine Chance geben wollte.»

    Darum geht es im Film

    Offizielles Filmplakat. Foto: Promo

    Hammer spielt in «Citizen Vigilante» den wohlhabenden Geschäftsmann und ehemaligen US-Offizier Sanders, der nach Europa zieht und dort das Vertrauen in Polizei und Justiz verliert. Als Migranten eine Mutter vor den Augen ihres Sohnes auf offener Straße erstechen, eine junge Frau von einer Gruppe junger Migranten vergewaltigt wird und das Gericht nur milde Strafen verhängt, beginnt der Amerikaner, Kriminelle – viele davon Migranten – auf eigene Faust zu jagen, übt also Selbstjustiz aus.

    Sein Feldzug macht ihn zum Social-Media-Phänomen, Interpol fahndet nach ihm. Boll will Selbstjustiz nicht legitimieren, will seinen Protagonisten nicht als Vorbild hinstellen und betont ausdrücklich: «Sanders ist kein Held. Er ist ein egoistischer, reicher Geschäftsmann, der quasi aus Langeweile anfängt, die Justiz in die eigenen Hände zu nehmen.»

    Und doch ist der Streifen politisch überaus brisant, gerade in heutigen Zeiten. Der Film schließt mit einer Widmung, die Boll im Aufgewacht-Interview so formulierte: «Ich habe ihn den vielen von Migranten vergewaltigten und abgestochenen Frauen, Kindern und Männern gewidmet, die vom Rechtsstaat im Stich gelassen wurden und werden. Wenn Vergewaltiger und Mörder lächerlich kurze oder gar keine Haftstrafen bekommen und auch nicht abgeschoben werden, obwohl sie keinen Asylstatus haben, dann ist das ein Verbrechen der Politik am Volk.»

    Damit macht man sich in der deutschen Kulturszene natürlich keine Freunde. Goutiert wird, was den offiziösen und ebenso tendenziösen Multikulti-Narrativen entspricht. Hass-Filme gegen Patrioten: kein Problem. Migranten als Helden: immer doch. Aber die tatsächliche Realität in unseren Städten: lieber nicht.

    «Ein Mann sieht rot»

    Dabei knüpft Boll mit «Citizen Vigilante» an eine Erzähltradition an, die etwa durch Brian Garfields Roman Ein Mann sieht rot oder Der Vigilant aus dem Jahr 1972 zurückreicht. Der Autor erzählt darin die Geschichte eines ursprünglich liberalen Bürgers, der nach dem brutalen Überfall auf seine Familie das Vertrauen in den Rechtsstaat verliert und beginnt, Kriminelle auf eigene Faust das Handwerk zu legen.

    Der Roman wurde 1974 mit Charles Bronson in der Hauptrolle verfilmt und gilt als Klassiker des Vigilante-Genres. Geschichten über Bürger, die das Recht selbst in die Hand nehmen, gilt als fester Bestandteil des amerikanischen Kinos. Der Begriff kommt vom spanischen «vigilante», Wächter. Klassische Beispiele sind auch «Dirty Harry» mit Clint Eastwood und «Taxi Driver» mit Robert De Niro. Boll selbst nennt die Garfield-Verfilmung als Vorbild: Hammers Figur Sanders sei «wie bei Ein Mann sieht rot mit Charles Bronson, der mit Verbrechern aufräumt».

    Zweierlei Maß

    Doch anders als bei dem Film mit Charles Bronson, «Dirty Harry» oder «Taxi Driver» hat die FSK «Citizen Vigilante» keine Altersfreigabe erteilt. Ihre acht Prüfer entscheiden, was deutsche Kinos oder Streaming-Dienste für welche Altersgruppe anbieten dürfen. Ohne FSK-Kennzeichen darf ein Film in Deutschland faktisch nicht vertrieben werden.

    Bolls Film durchlief zwei voneinander unabhängige Prüfverfahren und erhielt beide Male das Label «KK», also kein Kennzeichen. Die Konsequenz: Weder Kinos noch Amazon, weder Streaming-Plattformen wie Netflix noch Fernsehsender dürfen den Film zeigen. In den USA, Kanada, Österreich, der Schweiz und rund hundert weiteren Ländern läuft er regulär, mit einer Freigabe ab 16 oder 18 Jahren.

    Uwe Boll (links) am Set von «Citizen Vigilante». Foto: quiver distribution

    Die FSK begründete ihre Entscheidung offiziell mit der Förderung von Vigilantismus und extremer Gewalt. Boll erhob Widerspruch. Er unterlag mit 6 zu 2 Stimmen. Er sieht, wie er nun in einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte, darin einen Fall von politischer Zensur:

    «Auch der Versuch der FSK meinen Film aus dem Verkehr zu ziehen, ist ein Versuch, die Bevölkerung zu infiltrieren und die Realität zu verleugnen. Durch diese Art der Zensur wird das Gegenteil erreicht, denn diese Zensur radikalisiert weitaus mehr, als die normale und berechtigte FSK ab 18 es würde. Wie kann es sein, dass acht Personen bestimmen können, was über 50 Millionen Erwachsene in Deutschland sehen dürfen? Wenn man über 18 ist, sollte man sehen dürfen, was man will, und Ende.»

    Das Blatt sieht dies offenbar nicht als vollkommen haltlos an. «Tatsächlich stellt sich die Frage: In einem Land, in dem Horrorfilme wie Terrifier oder actiongeladene Vigilante-Blockbuster wie die John Wick-Reihe problemlos eine FSK-18-Freigabe erhalten, warum nicht dieser?», fragt die Berliner Zeitung.

    «Die Realität auf den Straßen»

    Gegenüber dem Daily Telegraph hatte Boll bereits zuvor erklärt: «Es war eine klare Zensurentscheidung. Man sagte mir, der Film sei geeignet, zur Gewalt gegen Migranten aufzurufen.» In einem offenen Brief an die Filmakademie, den Regieverband, PEN Deutschland, den Drehbuchverband, Prog Producers, die Produktionsallianz, die Schauspielgewerkschaft und den Deutschen Presse-Verband wurde Boll noch deutlicher:

    «Da Citizen Vigilante der einzige Film ist, der sich kritisch mit Migrantenkriminalität beschäftigt, wird hier der einzige Film verhindert, der die Realität auf den Straßen, Hinterhöfen und Gebüschen in Europa so abbilden will, wie es wirklich zugeht. Dies ist eine politisch motivierte Entscheidung der FSK.»

    Und weiter: «Die FSK verdingt sich mit dieser Entscheidung nicht dem Jugendschutz, sondern nur dem Erhalt der derzeitigen Regierung und des Status quo.»

    Boll kämpft allein. Die geschlossene Gesellschaft der deutschen Filmindustrie hat er nicht auf seiner Seite. Das bittere Fazit des Regisseurs: «Sie begreifen auch nicht, dass es einen Unterschied gibt, ob jemand einen Politiker beschimpft oder Migranten junge Frauen vergewaltigen und Leute ohne Grund abstechen.»

    Gruppenvergewaltigungen, Terror, Morde: In COMPACT-Spezial «Mädchen, Messer, Morde» dokumentieren wir das, was Uwe Boll in «Citizen Vigilante» anprangert. Hier bestellen.

     

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