Bundestrainer Julian Nagelsmann ist kein Freund der Politisierung des Fußballs. Er setzt auf sportlichen Glanz. Bei dieser WM scheint sich die neue Linie auszuzahlen. Spiel geht los, Bier muss auf der COMPACT-Flaschenöffner mit «Mit Mut zur Wahrheit» hilft. Hier mehr erfahren.

    Mit einem Sieg über die Elfenbeinküste (morgen, Anpfiff 22 Uhr unserer Zeit) könnte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vorzeitig den Durchmarsch in die nächste Runde der WM sichern. Notwendig für die sichere Qualifikation nach zwei Spielen ist die Maximalausbeute von sechs Punkten.

    Alles sieht nach diesem Szenario aus. Die Wettbüros gehen von einer 63-prozentigen Sieg-Wahrscheinlichkeit für Deutschland aus, für Unentschieden werden 21 Prozent vorausgesagt, für die Elfenbeinküste als Gewinner gerade einmal 16 Prozent. Sollte im Fall eines deutschen Sieges im Anschluss Ecuador nicht gegen Curaçao gewinnen, wäre auch der Gruppensieg vorzeitig perfekt. Denn bei der WM zählt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich vor der Tordifferenz.

    Frischer Wind

    Die DFB-Auswahl trifft am Samstag erst zum zweiten Mal auf die Elfenbeinküste. Die Premiere fand 2009 in Gelsenkirchen statt, endete 2:2. Für Julian Nagelsmann ist es das 35. Spiel als Bundestrainer. Seine Bilanz ist bislang positiv: 22 Siege, sechs Unentschieden, sechs Niederlagen. Bei Amtsantritt 2023 war der heute 38-jährige der jüngste Nationalmannschaftscoach in der langen deutschen Fußballgeschichte. Und mit ihm und DFB-Sportdirektor Rudi Völler zog ein neuer Wind ein.

    Schützenfest in Houston

    Das zeigte sich schon am 22. September 2023 in Frankfurt am Main, als Nagelsmann als neuer Trainer der Fußball-Nationalelf vorgestellt wurde. 14 Tage zuvor war die bunte Mannschaft in einem Testspiel von Japan, damals Nummer 18 der Weltrangliste, mit 1:4 verprügelt worden. Der glück- und farblose Hansi Flick musste daraufhin seinen Platz auf der Trainerbank räumen.

    Sein Nachfolger stand nun vor der Presse, und es dauerte nicht lange, bis er auch zu Regenbogen-Statements und Polit-Verrenkungen aufgefordert wurde. Der neue Bundestrainer antwortete gut: «Ich würde mir wünschen, dass man das Team aus allen Debatten heraushält.» Als dann Völler die Parole «Ab jetzt geht es wieder um Fußball» ausgab, war die Wende perfekt.

    Der Junge aus den Bergen

    Als Julian Nagelsmann im Juli 1987 im malerischen Landsberg am Lech das Licht der Welt erblickte, standen wir vor einer EM im eigenen Land. 1988 erreichte Deutschland immerhin das Halbfinale, unterlag dann in Hamburg knapp mit 1:2 gegen die Niederländer. Polit-Stress gab es seinerzeit auch, weil der DFB, angeblich auf Druck von Ostblock-Verbänden, allzu freiwillig auf Berlin als EM-Austragungsort verzichtet hatte. Vermutlich handelte es sich um eine Besatzer-Anordnung.

    COMPACT-Spezial Nationalsport Fußball

    Derweil wuchsen der kleine Julian und seine zwei älteren Geschwister in Bayern auf. Die Familie unternahm häufig Ausflüge in die Berge, bevorzugt in die Ammergauer Alpen. Als Kind interessierte sich der heutige Bundestrainer denn auch eher für herausfordernde Wanderstrecken und Eishockey als für Fußball.

    Gekickt wurde aber auch. Sein Heimatverein ist der oberbayerische Amateurklub FC Issing. Als Zwölfjähriger wechselte Nagelsmann von dort zur Jugendabteilung des FC Augsburg, später zu der des TSV 1860 München. Mit der A-Jugend des Traditionsvereins spielte er in der Nachwuchs-Bundesliga. Mehrere Verletzungen verhinderten jedoch seine Spieler-Karriere. Durch gute Vernetzung gelang es ihm aber, in der bayerischen Trainerszene Fuß zu fassen, und so konnte er im Jugendbereich des FC Augsburg als Ausbilder anheuern.

    Der Vater, der Agent, der Tod

    Bundesnachrichtendienst Foto: bnd.bund.de

    In dieser Zeit, Nagelsmann war 20 Jahre jung, wählte sein Vater den Freitod. Die Geschichte mutet mysteriös an, denn der Senior hatte für den deutschen Auslandsgeheimdienst gearbeitet. Er hätte beruflich enorm unter Druck gestanden, erzählte sein Sohn später. Welche Funktion sein Vater beim Bundesnachrichtendienst ausgeübt hat, ist unklar: «Ich darf darüber nicht mehr sagen. Er war jedenfalls nicht in der Verwaltung.»

    In einem Spiegel-Interview von 2024 führte er in diesem Zusammenhang aus: «Mein Papa hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen, es gab keine Erklärung. Aber die Art, wie er sich das Leben genommen hat, hat deutlich gemacht, dass seine Entscheidung für ihn absolut feststand.» Er habe eben kein Signal oder Hilfeschrei entsenden, sondern unbedingt sterben wollen.

    Trotz der Trauer widmete sich Nagelsmann zwischen 2008 und 2013 intensiv seiner Trainerausbildung. Von der Augsburger Nachwuchsabteilung ging es zurück zur Jugendabteilung des TSV 1860 und schließlich als Trainer der U19-Truppe zur TSG Hoffenheim, wo er nebenbei die notwendigen Lizenzen für die Bundesliga erwarb.

    Er sprang dann 2016 für den zurückgetretenen TSG-Cheftrainer Huub Stevens in der höchsten Spielklasse ein und rettete Hoffenheim vor dem Abstieg. Seine nächsten Stationen waren RB Leipzig und schließlich Bayern München. Trotz Meistertitel erfüllte er dort die hohen Erwartungen nicht und wurde im März 2023 freigestellt; sein bislang einziger sportlicher Rückschlag.

    Mission Begeisterung

    Familiär gab sich der Coach betont geerdet, war seit 2018 mit seiner Jugendliebe verheiratet, beide sind Eltern zweier kleiner Kinder. Die Trennung des Paares Anfang 2022 kam überraschend. Nagelsmann hatte sich in eine Reporterin der Bild-Zeitung verguckt, mit der er seit Januar 2026 verheiratet ist.

    Die Geschichte ist insofern erwähnenswert, weil sie ein Licht auf den bundesdeutschen Sportjournalismus wirft, der sich durch massive Kungeleien auszeichnet. Die Vereine wollen heutzutage selbst entscheiden, welche Infos den Weg in die Öffentlichkeit finden. Sie setzen auf mächtige hauseigene PR-Abteilungen. Journalisten werden allenfalls zur Verbreitung vorgefertigter Nachrichten benötigt. Wer ausschert, vielleicht sogar kritisch berichtet, wird durch Boykott diszipliniert. So ist um die Klubs herum eine unangenehme Blase von pseudojournalistischen Fanboys entstanden. Oder eben auch Fangirls…

    Julian Nagelsmann, seit September 2023 als DFB-Trainer im Amt, hier beim EM-Auftaktspiel 2024 mit seinen Spielern Leroy Sané und Kai Havertz. Foto: IMAGO/Ulmer/Teamfoto

    Die von Nagelsmann einst als Cheftrainer begleiteten Vereine TSG Hoffenheim und RB Leipzig sind bei vielen Fußballfans äußerst unbeliebt, stellen sie doch quasi Gegenentwürfe zu den deutschen Traditionsvereinen dar. Darunter hat das Profil des 36-Jährigen etwas gelitten. Ein Volkstribun ist er jedenfalls noch nicht. Bei dieser Weltmeisterschaft könnte sich das ändern.

    Ein Trainer, der die Ärmel hochkrempelt, der Begeisterung vermittelt, der Spieler und Fans mitreißt und der siegt, könnte den deutschen Fußball von seinem lähmenden Negativ-Image befreien. Nagelsmann hat zumindest das Zeug dazu, eine Flamme der Begeisterung zu entfachen, wie der fulminante Auftakt in Houston gezeigt hat.

    Deutsche fremdeln mit Mannschaft

    Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland, bei der wir im Viertelfinale gegen den späteren Turniersieger Spanien in der Verlängerung mit 1:2 ausschieden, sorgte eine Umfrage des WDR für Aufregung. Danach würden sich 21 Prozent der Deutschen mehr Spieler mit weißer Hautfarbe in der Nationalelf wünschen. Nagelsmann sprang leider über dieses Stöckchen: Er empfinde allein die Fragestellung als «Wahnsinn» und sei «schockiert». Das sei ja wohl «rassistisch». Und er legte noch einen drauf: «Ich hoffe, nie wieder von solchen Scheißumfragen lesen zu müssen.»

    Kurz zuvor hatte Studie ein ausgeprägtes Desinteresse der Deutschen an der Europameisterschaft im eigenen Land gezeigt. Gerade jeder Zweite gab an, die Spiele verfolgen zu wollen, 88 Prozent hatten hingegen das Gefühl, dass «Menschen früher mehr von großen Fußballturnieren mitgerissen wurden».

    Studienleiter Rüdiger Maas vom Augsburger Institut für Generationenforschung verwies auf einen interessanten Aspekt: Während 2006, kurz vor dem Sommermärchen, 71 Prozent angaben, sie seien stolz auf Deutschland, so seien es nun ebenfalls 71 Prozent, die jedoch einen ganz anderen Satz unterschreiben: «Ich bin oft weniger stolz auf Deutschland, als ich es gerne wäre.» Maulkorb und politische Korrektheit trugen Früchte.

    Identifikation wächst wieder

    Inzwischen wächst die Bindung zur DFB-Elf wieder, befindet sich aber immer noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Laut einer Langzeit-Studie der IST-Hochschule für Management und des Marktforschungsinstituts Bilendi stieg die Identifikation der Deutschen mit ihrer Nationalmannschaft im Vergleich zum Mai 2026 um fünf Prozentpunkte auf 25 Prozent.

    Noch stärker fällt der Blick auf den sportlichen Erfolg aus. 43 Prozent der Befragten geben nun an, dass ihnen ein guter WM-Auftritt Deutschlands wichtig sei. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als zuvor. Die Werte bleiben also nicht starr, sondern reagieren auf das, was auf dem Platz passiert. Immer dort, wo die DFB-Elf sportlich liefert, gehen die Zustimmungswerte nach oben“, so Studienleiter Gerhard Nowak. Derzeit sieht es so aus, als könnten sie weiter steigen. Das ist auch das Verdienst von Nagelsmann.

    Gönnen Sie sich zur WM gerne das eine oder andere Bierchen. Um die zu öffnen, empfiehlt sich der COMPACT-Flaschenöffner mit «Mit Mut zur Wahrheit». So geht der Gerstensaft nicht aus. Hier bestellen.

    Kommentare sind deaktiviert.