Der Krieg gegen den Iran hat Washington und Jerusalem zusammengeschweißt. Jetzt reißt ein Vermittlungsvorschlag sie auseinander. Ein Telefonat zwischen Trump und Netanjahu soll so hitzig verlaufen sein, dass dem israelischen Premier danach laut Insidern «der Kopf rauchte». Unsere aktuelle Ausgabe kommt zur rechten Zeit: „Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt.“ Hier mehr erfahren.

    In einem einstündigen Telefonat am Dienstagabend prallten Donald Trump und Benjamin Netanjahu über die Zukunft des Nahost-Konflikts aufeinander. Der US-Präsident legte seinem israelischen Amtskollegen einen Friedensvorschlag auf den Tisch. Netanjahu wollte davon nichts wissen. Er drängte auf Fortsetzung der Angriffe. Insider berichten gegenüber Axios und dem Wall Street Journal, das Gespräch sei eskaliert. Kern des Streits: eine Absichtserklärung, die den Krieg formal beendet und dreißig Tage Verhandlungen eröffnet, über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und iranische Zusagen zum Atomprogramm. Am nächsten Morgen sagte Trump vor Journalisten über Netanjahu:

    «Er ist ein sehr guter Mann. Er wird tun, was immer ich von ihm verlange.»

    Dabei hatte Netanjahu kurz zuvor in einem CBS-Interview seine Haltung unmissverständlich formuliert: «Es gibt noch Atommaterial, angereichertes Uran, das aus dem Iran herausgeholt werden muss. Sie gehen rein und holen es raus.»

    Operation Sledgehammer

    Es hätte die erste große Eskalation seit dem Waffenstillstand vom 8. April werden sollen. Trump hatte einen erneuten Iran-Angriff eigentlich fest geplant, die Operation trug schon einen Namen: Operation Sledgehammer. Bereits am Sonntag einigten sich Trump und Netanjahu in einem ersten Telefonat, dass Washington Anfang der Woche neue gezielte Angriffe auf den Iran starten werde. Erst auf Drängen der Golfstaaten zog der US-Präsident die Reißleine. Ernsthafte Verhandlungen seien im Gange. Trump willigte ein.

    Auf einem US-Flugzeugträger im Persischen Golf. Foto: US-Navy

    Am Dienstagabend folgte das zweite Telefonat. Netanjahu machte seinen Unmut deutlich: Das Hinauszögern der Angriffe sei ein Fehler, Trump solle wie geplant vorgehen. Der israelische Premier drängte auf sofortige Wiederaufnahme der Militäraktion, um Irans Infrastruktur weiter zu zerstören und das Regime zu schwächen. Trump hielt dagegen. Am Mittwoch sagte er vor Journalisten, die Lage mit Iran sei «genau an der Grenze», es sei es wert, der Diplomatie noch einige Tage zu geben, wenn das Menschenleben rette. Aber: «Wenn wir nicht die richtigen Antworten bekommen [vom Iran], geht es sehr schnell. Wir sind bereit.»

    Trumps Lieblings-Feldmarschall

    Am 28. Februar 2026 eröffneten die USA und Israel gemeinsam den Krieg gegen den Iran. Was als chirurgischer Schlag angekündigt wurde, weitete sich binnen Tagen zu einem regionalen Flächenbrand aus. Ayatollah Ali Khamenei fiel in den ersten Angriffswellen, sein Sohn Mojtaba übernahm die Führung des Landes. Teheran schloss die Straße von Hormus, jenes Nadelöhr, durch das ein Fünftel des weltweiten Öls fließt. Washington brachte es nicht wieder auf. Ein klarer US-Sieg ist seither außer Sichtweite gerückt.

    Einsam auf weiter Flur: Donald Trump am 16. April 2026 im Südgarten des Weißen Hauses. Foto: The White House

    Hinzu kommt: Laut einer aktuellen Marist-Umfrage sagen 61 Prozent der Amerikaner, der Militäreinsatz habe mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht, darunter 25 Prozent der Republikaner. Der Druck auf Trump wächst täglich. Seither schwankt Washington zwischen Eskalation und Diplomatie. Jerusalem pocht auf Ausweitung des Krieges und kämpft parallel an drei weiteren Fronten: im Libanon gegen die Hisbollah, im Gazastreifen und im Westjordanland.

    Der Iran besteht auf voller Souveränität über die Straße von Hormus (inklusive Durchfahrtsgebühren), Kriegsreparationen, dem Ende der Sanktionen und der Freigabe eingefrorener Vermögen, Nuklearfragen will Teheran erst in einer zweiten Phase verhandeln. Die USA und Israel fordert das Gegenteil: ein 20-jähriges Urananreicherungsmoratorium und den sofortigen Abtransport bestehender Uranbestände und eine gebührenlose Freimachung von Hormus.

    Ist die Straße von Hormuz für die US-Navy passierbar? (Foto: wikipedia)

    Pakistan hat sich seit Kriegsbeginn als zentraler Vermittler zwischen Washington und Teheran etabliert. Im März übermittelte Islamabad einen amerikanischen 15-Punkte-Plan nach Teheran, mit konkreten Forderungen zu Atomprogramm, Raketenbeschränkungen und der Öffnung von Hormus. Iran winkte ab. Am 29. März lud Pakistan daraufhin die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu einem Krisengipfel nach Islamabad ein. Iranische Raketen hatten Katars Gasanlage Ras Laffan getroffen, saudi-arabische Energieanlagen waren beschädigt worden. Aus Mitleidenden wurden Vermittler. Das Treffen etablierte das Verhandlungs-Quartett als primären Kanal zwischen Washington und Teheran.

    Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif verkündete einen vorerst 14-tägigen Waffenstillstand am 8. April persönlich auf X. Trump bestätigte, er habe der Waffenruhe zugestimmt «auf Bitten von Premierminister Shehbaz Sharif und Field Marshal Asim Munir». Die Waffenruhe war dabei zwar brüchig, wurde aber trotzdem weiter verlängert. Pakistans Wert als Vermittler liegt in einer seltenen Eigenschaft: Beide Seiten vertrauen ihm. Trump nennt deren Armeechef Feldmarschall Asim Munir seinen «Lieblings-Feldmarschall» Der iranische Botschafter Moghadam wiederum brachte es in Islamabad auf den Punkt:

    «Wir verhandeln in Pakistan und nirgendwo sonst — weil wir Pakistan vertrauen.»

    Drei Tage später trafen sich US- und iranische Delegationen im Islamabad Serena Hotel, die Gespräche scheiterten erneut. Teheran legte einen eigenen 14-Punkte-Gegenvorschlag vor: dauerhaftes Kriegsende binnen 30 Tagen, Rückzug der US-Marine, Aufhebung der Seeblockade, Freigabe eingefrorener Vermögen. Washington lehnte ab. Zu viel Detail, zu wenig Spielraum auf beiden Seiten.

    Pakistans Innenminister Mohsin Naqvi reiste daraufhin am 17. Mai erneut nach Teheran und traf Präsident Pezeshkian, Innenminister Momeni sowie Parlamentspräsident Ghalibaf, Irans obersten Unterhändler in den Friedensgesprächen. Der neue Entwurf, an dem Pakistan, Katar, Saudi-Arabien, die Türkei und Ägypten gemeinsam gearbeitet haben, dreht die Logik der gescheiterten Punktepläne um: erst unterschreiben, dann reden. Der neue Entwurf geht dabei weiter als der Waffenstillstand vom 8. April: Statt einer einseitig verkündeten Feuerpause sollen beide Seiten eine Absichtserklärung unterzeichnen, und erst dann über die strittigen Fragen verhandeln. Katar präsentierte den Entwurf in den Tagen vor dem 20. Mai beiden Seiten.

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