Die Straße von Hormus ist seit Wochen gesperrt. Seitdem brennen die Energiemärkte weltweit. Nun stellt Teheran auch Maßnahmen bei Bab al-Mandab in Aussicht, der zweiten Meerenge, deren Ausfall die Weltwirtschaft in eine Krise ohne historisches Vorbild stürzen würde. Alle Hintergründe zur Situation im Nahen Osten in unserer April-Ausgabe mit dem Titelthema „Gefahr für Deutschland“. Grundwissen, um mitreden zu können. Hier mehr erfahren.
Seit dem 28. Februar, dem Tag, an dem die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran begannen, ist die Straße von Hormus faktisch geschlossen. Kein Tanker passiert die engste Stelle des Persischen Golfs ohne iranische Erlaubnis oder die Zahlung einer Durchfahrtsgebühr von zwei Millionen US-Dollar pro Schiff. Rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels sind damit abgeschnitten. Der Rohölpreis stieg zeitweise auf über 110 Dollar pro Barrel.
Washington wollte das nicht hinnehmen. Auf Truth Social kündigte Donald Trump an, die US-Marine werde jedes Schiff stoppen, das in die Meerenge einfahren oder sie verlassen wolle. Niemand, der eine „illegale Maut“ (an den Iran) entrichte, werde auf hoher See sichere Passage haben. Admiral Brad Cooper vom US-Regionalkommando Centcom erklärte kurz darauf, die Blockade iranischer Häfen sei „vollständig ausgeführt worden“. In weniger als 36 Stunden hätten amerikanische Kriegsschiffe den iranischen Seehandel weitgehend zum Erliegen gebracht.
Dennoch durchfuhren mehrere sanktionierte Tanker die Meerenge, darunter der chinesische Tanker „Rich Starry“ unter malawischer Flagge.

Teherans Antwort folgte am Donnerstag. Armeekommandeur Ali Abdollahi Aliabadi erklärte, sollten die USA ihre Blockade fortsetzen, würden die iranischen Streitkräfte „keinerlei Exporte oder Importe durch den Persischen Golf, den Golf von Oman und das Rote Meer zulassen“.
Abdollahi nannte die amerikanische Maßnahme „eine Vorstufe“ zur Verletzung der geltenden Waffenruhe. Ebenjene zweiwöchige Kriegspause war Anfang April vereinbart worden, blieb jedoch von Beginn an brüchig. Die Friedensverhandlungen in Islamabad sollten Klarheit schaffen. Am vergangenen Sonntag scheiterten sie. Trump gab dem Iran die Schuld: Mit Ausnahme des einen Punktes, „der wirklich zählte, nämlich des Nuklearprogramms“, habe Teheran fast allen übrigen Punkten zugestimmt. Der Iran dementiert.
Die Huthis als verlängerter Arm
Teherans schärfste Klinge liegt im Jemen. Dort kontrolliert die Huthi-Miliz die Meerenge Bab al-Mandab, jenes Nadelöhr zwischen Arabischer Halbinsel und Afrika, durch das rund 15 Prozent des Welthandels laufen. Wer Bab al-Mandab kontrolliert, bedroht zugleich die wichtigste Südverbindung zum Suezkanal und damit eine der zentralen Handelsachsen zwischen Europa und Asien. Schon während des Gazakriegs haben die Huthis bewiesen, dass sie den Schiffsverkehr im Roten Meer empfindlich stören können, trotz westlicher Marinemissionen und Luftschläge. Huthi-Vizeinformationsminister Mohammed Mansour ließ bereits im März erkennen, dass eine Destabilisierung der Route „eine Option“ bleibe.
Die Gefahr ist real und sie wäre global. Für den Thinktank Chatham House schreibt Farea Al-Muslimi, jede anhaltende Störung von Bab al-Mandab werde die Transportkosten hochtreiben, die Ölpreise weiter steigen lassen und eine ohnehin fragile Weltwirtschaft zusätzlich belasten. Der frühere US-Diplomat Khoury erklärte gegenüber Al Jazeera, den Huthis genüge es, „auf ein paar Schiffe zu feuern“, um die Seefahrt faktisch zum Erliegen zu bringen. Sollte neben Hormus auch noch Bab al-Mandab ausfallen, wären die befürchteten Preisanstiege und Lieferprobleme ein Vielfaches von der ohnehin schon aktuellen katastrophalen Lage.
Trumps Optimismus und seine Grenzen
Parallel dazu verbreitet Trump wie immer den Eindruck eines baldigen Endes. In einem Interview mit Fox News sagte er über den Krieg: „Ich glaube, er ist fast vorbei.“ Wenn der Iran sich zurückziehe, werde das Land zwanzig Jahre brauchen, um sich wieder aufzubauen. Das klingt nach Siegerpose. Die militärische Wirklichkeit spricht eine andere Sprache.
Die Washington Post berichtete am 15. April, dass Washington in den kommenden Tagen rund 10.000 weitere Soldaten in die Region entsenden wolle. Etwa 6.000 Mann befinden sich bereits an Bord der USS George H. W. Bush auf dem Weg in den Nahen Osten, weitere 4.200 mit der Boxer Amphibious Ready Group sollen bis Monatsende folgen. Der neue Trägerverband ersetzt nicht nur den beschädigten Träger USS Gerald R. Ford, sondern verdichtet die amerikanische Präsenz auf drei Flugzeugträger gleichzeitig. Armeen, die einen Krieg für beendet halten, schicken keine weiteren Flugzeugträger.
Journalist festgehalten
Auch der Fall des US-kuwaitischen Journalisten Ahmed Schihab-Eldin zeigt, dass der Krieg nun selbst in Kuwait seine Schatten wirft. Seit Anfang März fehlt von ihm jedes Lebenszeichen. Festgenommen wurde er in Kuwait, nachdem er ein von CNN verifiziertes Video verbreitet hatte, das den Absturz eines US-Kampfflugzeugs auf kuwaitischem Boden zeigte. Die Behörden werfen ihm unter anderem die Verbreitung von Falschnachrichten vor. Das Komitee zum Schutz von Journalisten fordert seine sofortige Freilassung.





