Einst als dschihadistischer Kopfabschneider gefürchtet, heute auf diplomatischem Parkett: Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bekam in Berlin den roten Teppich ausgerollt. Wir erzählen seine blutige Geschichte. In unserer Ausgabe „Der Totengräber – Wie Merz Deutschland das Grab schaufelt entlarven wir den Lügen-Kanzler. Hier mehr erfahren. 

    Ein selbsternannter Gotteskrieger, der aus einem Damaszener Bürgerhaus über al-Qaida-Lager und US-Gefängnisse bis in den Berliner Regierungsbezirk gelangte: Die Geschichte von Ahmed al-Scharaa alias Abu Muhammad al-Dscholani ist keine der wandelnden Überzeugung, sondern des Kostümwechsels, wie wir in unserer neuen Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen“ dokumentieren. Der syrische Dschihadist hat den Säbel gegen das Sakko getauscht.  Der Westen applaudiert.

    Vom Schüler zum Henker

    Wer die Karriere des Mannes verfolgt, der gestern als Präsident Syriens im Berliner Ritz-Carlton absteigt und mit Bundeskanzler Friedrich Merz zu Mittag speist, braucht starke Nerven. Ahmed al-Scharaa, 1982 im saudischen Riad geboren, entstammt einer Familie von den Golanhöhen, daher sein Kampfname al-Dscholani, arabisch für „der vom Golan stammt“.

    1989 kehrte die Familie nach Syrien zurück und ließ sich in Mezzeh nieder, einem wohlhabenden und damals liberalen Viertel von Damaskus. Al-Scharaas Mutter war Lehrerin, sein Vater arbeitete als Berater des syrischen Premierministers für die Ölindustrie. Nachbarn beschrieben den jungen Ahmed als ruhig, introvertiert und wortkarg. Er begann ein Medizinstudium in Damaskus. Die zweite Intifada brachte ihn zum islamischen Glauben. Unter dem Einfluss des radikalen Scheichs Mahmoud al-Ghassi, der Kontakte zu al-Qaida pflegte, radikalisierte er sich vollständig.

    Feministische Außenpolitik: Annalena Baerbock am 3. Januar zu Gast bei den neuen Machthabern in Syrien. Islamistische Medien retuschierten sie im Anschluss einfach aus dem Bild. Foto: Screenshot/X

    Nach der US-Invasion im Irak 2003 zog er in den Kampf, wurde verhaftet und saß mehrere Jahre im berüchtigten US-Gefangenenlager Camp Bucca, dem Brutkasten einer ganzen Generation islamistischer Anführer, darunter auch Abu Bakr al-Baghdadi, dem früheren Anführer der Terrorganisation Islamischer Staat (IS). Nach seiner Entlassung gründete al-Scharaa 2011 in Syrien die al-Nusra-Front, stand 2013 auf der US-Terrorliste mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Dollar, gründete 2017 das Milizbündnis Hayat Tahrir asch-Scham (HTS) und stürzte am 8. Dezember 2024 Baschar al-Assad. Seit Januar 2025 ist er Interimspräsident.

    Washington als Terrorhelfer

    Wer verstehen will, wie al-Scharaa überhaupt an die Macht kam, muss die Politik Washingtons verstehen. Denn al-Scharaa ist kein Zufallsprodukt des syrischen Bürgerkriegs, sondern Teil einer bewusst gestalteten amerikanischen Strategie, die ein Jahrzehnt vor seinem Aufstieg begann. Die Anfänge des amerikanisch-islamistischen Bündnisses reichen bis in die Ära von George W. Bush zurück.

    Als die US-Besatzungspolitik im Irak im blutigen Morast des Widerstands versunken war, leitete die US-Administration ab 2006 eine außenpolitische Kehrtwende ein: Man suchte den Schulterschluss mit sunnitischen Kräften, auch mit ihren radikalen Vertretern, um dem wachsenden Einfluss des schiitischen Iran entgegenzusetzen. Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh beschrieb die neue Strategie im New Yorker 2006 unter dem Titel „The Redirection“:

    „Der Feind unseres Feindes ist unser Freund. (…) Wir sind jetzt damit beschäftigt, Sunniten, wo immer möglich, gegen die Schiiten zu unterstützen – gegen die Schiiten im Iran, gegen die Schiiten im Libanon.“

    Was unter Bush ausprobiert wurde, setzte sich unter Barack Obama durch. Der Arabische Frühling ab 2011 lieferte die Gelegenheit. Plötzlich musste die US-Administration nicht mehr mühsam kleinere Sunni-Grüppchen als Partner aufpäppeln, sondern konnte auf zehntausende Kämpfer zählen, die sich zwischen Tripolis und Damaskus erhoben und um amerikanische Waffen bettelten.

    Bereits in Libyen im Frühsommer 2011 war die US Air Force die Luftwaffe für die Dschihadisten am Boden. Kurz nach der Hinrichtung Gaddafis begann die Operation, die im 2.000 Kilometer entfernten Syrien zum Aufbau von ISIS führte. Hersh verdanken wir die Veröffentlichung eines geheimen Dokuments, wonach sich CIA, Türkei und syrische Rebellen auf die Installation einer „Rattenlinie“ einigten, um Waffen aus den geplünderten Depots Gaddafis sowie libysche Gotteskrieger über die Türkei in die Levante zu schleusen. Von US-Seite verantwortlich für diese Lieferungen war Botschafter Chris Stevens, der am 11. September 2012 in Bengasi ermordet wurde.

    Nach Recherchen des Stockholmer Friedensinstitutes SIPRI lieferten die USA mindestens 3.500 Tonnen Waffen und Ausrüstungsgegenstände an die syrischen Aufständischen. Der ehemalige US-General Tom McInerney sprach 2013 Klartext:

    „Ich glaube, in ein paar Fällen haben wir die falschen Leute unterstützt, und nicht die Richtigen in der Freien Syrischen Armee. (…) Einige unserer Waffen aus Bengasi landeten bei ISIS. Auf diese Weise halfen wir beim Aufbau von ISIS.“

    Das Joint Venture aus USA, Freier Syrischer Armee (FSA) und IS verdichtete sich in einem einzigen Foto: Es zeigt US-Senator John McCain im Mai 2013 mit Kämpfern der FSA in der Nähe des syrischen Idlib, nach seinen Angaben allesamt „Gemäßigte, denen man vertrauen kann“.

    Darunter befand sich der FSA-Oberbefehlshaber Salim Idriss und daneben ein gewisser Ibrahim al-Badri. Dieser Mann stand nicht nur seit dem 4. Oktober 2011 auf der Liste der fünf von der US-Regierung meistgesuchten Terroristen. Er hatte auch unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi einen Monat zuvor aus Vorläufergruppen den IS gegründet.

    Krieg gegen Assad

    Al-Dscholani alias al-Scharaa war Teil dieses Milieus. In der IS-Hochburg Idlib spielte er eine führende Rolle, löste sich aber von deren Dominanz, schwor al-Qaida ab und gründete 2017 Hayat Tahrir asch-Scham, die Hauptkraft beim Sturz von Assad Ende 2024. Der Unterschied zwischen den Kampfgruppen in Syrien, FSA auf der einen Seite, IS und al-Nusra auf der anderen, bestand ohnedies nur in den einschlägigen Propagandabroschüren von US-Thinktanks. In Wirklichkeit waren die Übergänge fließend, wie beispielsweise die gemeinsame Massakeroffensive im August 2013 in der Küstenregion von Latakia zeigte.

    Nachdem der IS etwa die Hälfte Syriens erobert hatte und auch US-Interessen gefährdete, begann die Air Force mit der Bombardierung von dessen Stützpunkten. Die US-Luftangriffe richteten sich aber auch gegen die Assad-Truppen. Eine wirkliche Wende im Kriegsgeschehen trat erst ein, als Russland ab September 2015 militärisch eingriff. Insgesamt dienten bis Mitte 2017 etwa 63.000 russische Militärangehörige in rotierenden Einsätzen in Syrien. Bis Ende 2017 wurde der IS fast vollständig zerschlagen.

    Die vom Krieg zerstörte syrische Stadt Homs im August 2021. Im Vordergrund ein Plakat mit dem Konterfei von Präsident Baschar al-Assad. Foto: Lena Ha | Shutterstock.com

    Der Terror schwappte von Syrien nach Europa über. Unter den Millionen, die ab 2015 zu uns strömten, verbargen sich die Killer. Der schlimmste Anschlag auf unserem Kontinent fand am 13. November 2015 in Paris statt, 130 Tote. Auch Täter in Deutschland legten oft vor dem Zuschlagen ein Bekenntnis zum IS ab, so etwa am 23. August 2024 mit drei Toten in Solingen.

    Nach dem Sturz von Assad waren es nicht nur die alten Wunden des Bürgerkriegs, die bluteten. In der westsyrischen Provinz Latakia wurden Hunderte Alawiten getötet. Im Sommer 2025 gab es in der Provinz Suweida heftige Gefechte zwischen Drusen und sunnitischen Beduinen mit Tausenden Toten.

    Im März 2026 überfielen bewaffnete Islamisten christliche Geschäfte in der Stadt Suqaylabiyah und versuchten, Häuser in Brand zu setzen. Die Kurdengebiete im Norden und Osten, die sich unter Assad eine Autonomie erkämpft hatten, wurden militärisch überrollt. Bis Ende 2025 wurden mehrere tausend Menschen getötet. Der syrischen Führung wird vorgeworfen, Minderheiten nicht nur nicht zu schützen, sondern an den Morden und Übergriffen aktiv beteiligt zu sein.

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    Kurz nach der Machtübernahme löste al-Scharaa die HTS offiziell auf und gliederte ihre Kämpfer in die regulären syrischen Streitkräfte ein. Die Miliz, der Massaker an Zivilisten vorgeworfen werden, trägt seither Uniform des syrischen Staates. Die Männer sind dieselben geblieben.

    Trump: al-Scharaa macht tollen Job

    Im Zusammenhang mit al-Scharaas Berlin-Besuch ist ein Detail bemerkenswert: Merz hatte den Syrer bereits für den 20. Januar nach Deutschland eingeladen. Der Besuch wurde kurzfristig abgesagt, weil syrische Regierungstruppen gerade die kurdischen Viertel Aleppos angriffen und Massaker an der Zivilbevölkerung verübten. Nun kam al-Scharaa doch, residierte im noblen Ritz-Hotel wurde im Schloss Bellevue von Bundespräsident Steinmeier empfangen und aß mit Merz zu Mittag. Die Massaker hatten aufgehört, ihn zu stören. Die Bundesregierung ließ sich davon erst recht nicht aufhalten.

    Auf der Agenda stand vor allem eines: die Rückführung von rund 80 Prozent der mehr als 900.000 in Deutschland lebenden Syrer. Al-Scharaas Regierung genießt seit seiner Machtübernahme die Unterstützung des Westens und Israels. Die Sanktionen gegen das Land wurden ebenso aufgehoben wie der US-Haftbefehl aus dem Jahr 2013 gegen ihn. Er selbst wurde sogar im Weißen Haus empfangen. Trump hatte es auf seine Weise kommentiert: „Der Präsident von Syrien, den ich im Grunde dort eingesetzt habe, macht einen großartigen Job.“

    Die Linken-Abgeordnete Cansu Özdemir fasste den Berliner Empfang knapp zusammen: „Das Treffen von Merz mit al-Scharaa ist kein diplomatischer Schritt, sondern ein moralischer Bankrott.“

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