Hightech trifft Haute Couture. Gestern wurde es im Empfangssaal an der Pennsylvania Avenue futuristisch. Neben Melania Trump schreitet ein Begleiter mit makelloser Haltung, jede Bewegung exakt gesetzt. COMPACT-Spezial „Transhumanismus – Künstliche Intelligenz und das Ende des Menschen“ deckt die Pläne der globalen Eliten auf. Hier mehr erfahren.
Die First Lady präsentiert an jenem Abend den humanoiden Roboter Figure 3. Vor den Gästen im Weißen Haus liefert er seine erste Visitenkarte gleich selbst. Der Android tritt vor die Gäste, richtet sich auf und spricht:
„Danke an die First Lady Melania Trump für die Einladung,“
Melania greift das direkt auf. Der Roboter sei „zweifelsohne der erste in den USA hergestellte Android, der ins Weiße Haus eingeladen wurde“, erklärt sie stolz.
Herr Platon: Der Lehrer aus Metall
Anlass der futuristischen Präsentation ist eine Veranstaltung zur Bildung und zum Schutz von Kindern im digitalen Zeitalter, organisiert von Melania Trump höchstselbst. Im Zentrum steht ihr politisches Kernthema: Kinder im Umgang mit digitalen Medien zu stärken.
Bereits in ihrer ersten Amtszeit setzte sie mit der Initiative Be Best einen klaren Schwerpunkt. Kinder sollten lernen, „wie sie sich online verantwortungsvoll verhalten“ und digitale Räume bewusst nutzen. Ihre Arbeit führt sie nun weiter und erweitert sie um Künstliche Intelligenz (KI).
Melania entwirft bei dem Auftritt ein konkretes Bild für den Unterricht: „Stellen Sie sich einen androiden Ausbilder namens Platon vor“, führt sie aus. Ein System, das Wissen unmittelbar vermitteln würde und zugleich „kritisches und unabhängiges Denken“ fördert. Und weiter:
„Künstliche Intelligenz wird sehr bald von unseren Smartphones zu humanoiden Systemen übergehen, die konkrete Aufgaben übernehmen“.
Technologie erhält damit eine physische Präsenz und rückt direkt in den Alltag von Kindern und Schulen. Die Idee stößt auf Zustimmung, aber auch auf harte Kritik. Der Erziehungswissenschaftler Neil Selwyn warnt vor einem zu schnellen Einsatz im Unterricht: „Bildung ist mehr als Informationsvermittlung. Sie lebt von Beziehungen und Vertrauen“, erklärt er. Auch die Techniksoziologin Sherry Turkle sieht gerade bei Kindern eine klare Grenze überschritten:
„Wenn Maschinen soziale Rollen übernehmen, riskieren wir, dass Kinder Beziehungen zu etwas aufbauen, das sie nie wirklich versteht.“
In eine ähnliche Richtung argumentiert der bekannte Informatiker Jaron Lanier. „Kinder brauchen echte Menschen, keine Simulation von Verständnis“, lautet seine Kritik.
Vom Blickfang zum Alltagshelfer
In Vorführungen zeigt der Android bereits konkrete Anwendungen. Er faltet Kleidung, sortiert Gegenstände und bewegt sich sicher durch komplexe Innenräume. Die zugrunde liegende künstliche Intelligenz analysiert die Umgebung, erkennt Abläufe und überträgt gelernte Muster auf neue Aufgaben.
Das Unternehmen Figure AI beschreibt sein Projekt als „general-purpose robot“, also als Roboter für generalisierte Aufgaben. Die Maschine soll „menschliche Aufgaben ausführen und direkt von Menschen lernen“ können. Der Anspruch zielt auf Flexibilität und breite Einsatzfähigkeit.
Im Hintergrund arbeitet das KI-System Helix. Es verbindet Wahrnehmung und Sprachverständnis. Auch die Hardware und Bewegungssteuerung des Androiden wurde genau auf die KI abgestimmt. Neuartige Kameras erfassen die Umgebung, Sensoren in den Händen liefern Rückmeldung beim Greifen, die dann in Echtzeitbewegung angepasst wird.
Hinter dem Projekt steht ein junges Unternehmen aus Kalifornien. Figure AI wurde 2022 gegründet. An der Spitze ist CEO Brett Adcock. Auch wirtschaftlich sorgt das Projekt für Aufmerksamkeit. Medien berichten von einer Bewertung in zweistelliger Milliardenhöhe.
Lösung für Fachkräftemangel oder Transhumanismus?
Während der Figure 3 im Weißen Haus über den roten Teppich schreitet, laufen in Deutschland bereits andere Versuche mit vergleichbaren Systemen im Alltag. In Pflegeeinrichtungen wird der humanoide Roboter Ameca (britische Firma) eingesetzt. Er spricht mit Bewohnern und begleitet einfache Übungen. Forscher betonen dabei vor allem die Chancen: „Robotik kann Pflegekräfte entlasten und ihnen mehr Zeit für zwischenmenschliche Aufgaben geben“, heißt es aus Projektkreisen. Auch im privaten Umfeld entstehen neue Ansätze. In Forschungsprojekten werden humanoide Systeme bei Haushaltsbesuchen getestet und aus der Distanz gesteuert.
Gleichzeitig wächst die Kritik. Der Historiker Yuval Noah Harari sieht in der Verschmelzung von Mensch und Maschine eine grundlegende Herausforderung. Er spricht von einer Zukunft, in der „der Mensch beginnt, sich selbst als veränderbares System zu begreifen“, ein Gedanke, der eng mit Debatten über Transhumanismus verknüpft ist.

Dabei rückt auch eine strategische Frage in den Vordergrund. Europa spielt bei der Entwicklung humanoider Robotik und KI bislang eine Nebenrolle (mit Ausnahmen wie Ameca). Zentrale Systeme entstehen in den USA und in Asien. Wer die Technologie entwickelt, bestimmt auch ihre Regeln. Geopolitik wird unter anderem an technologischer Führungsfähigkeit entschieden.
Der Mensch soll neu programmiert werden: COMPACT-Spezial „Transhumanismus – Künstliche Intelligenz und das Ende des Menschen“ zeigt, wer dahintersteckt. Hier bestellen.





