Auf Befehl des Oval Office versinken ganze Städte im Dunkel. Donald Trump spricht davon, die Insel zu „nehmen“, Moskau stellt sich schützend vor Havanna. Wer verstehen will, warum die USA immer wieder zur militärischen Karte greift, findet in Daniele Gansers „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“ eindrucksvolle Beispiele und unbequeme Antworten. Hier mehr erfahren. 

    Kuba, März 2026. Bunte Kolonialfassaden bröckeln, dahinter fallen Kraftwerke aus, und Leitungen halten dem Druck kaum stand, während in den Wohnungen die Vorräte knapper werden und sich der Mangel langsam in den Alltag frisst. Stromausfälle prägen die Tage und Nächte, Patienten warten vergeblich auf ihre Operationen. Auch Treibstoff fehlt. Auf den Straßen wächst der Druck, erste Proteste flammen auf. Präsident Miguel Diaz-Canel spricht von einer „angespannten Lage“.

    Neue US-Maßnahmen zielen direkt auf die Energieversorgung der Insel. Wer Öl nach Kuba liefert, muss mit Strafzöllen rechnen, wodurch die Versorgung über Drittstaaten zunehmend abgeschnitten wird. Die US-Navy greift inzwischen auch auf See ein. Tanker werden verfolgt und in einzelnen Fällen gestoppt oder geentert. Gleichzeitig geraten andere lebenswichtige Güter unter Druck, weil Zahlungswege blockiert und Lieferketten unterbrochen werden. Die Politik läuft auf eine faktische Blockade der zentralen Versorgung hinaus und verschärft die Lage spürbar, mit direkten Folgen für die Zivilbevölkerung.

    Staatsmännisch: US-Präsident Donald Trump bei einer Rede am 11. September 2025 in Arlington, Virginia. Foto: The White House

    In dieser Situation erklärt Donald Trump offen, die USA könnten mit der geschwächten Insel „machen, was sie wollen“. Aus Moskau folgt eine klare Antwort. Man stehe in „unerschütterlicher Solidarität“ mit Regierung und Volk Kubas und verurteile jede Einmischung in die „Angelegenheiten eines souveränen Staates“.

    Vom Embargo zur Blockade

    Der wirtschaftliche Druck auf Kuba ist nicht neu. Das US-Embargo reicht bis in die 1960er Jahre zurück und wurde über Jahrzehnte hinweg verfestigt. Neu ist jedoch die Qualität der Maßnahmen seit Anfang 2026.

    Der Wendepunkt kommt im Januar. Nach dem Wegfall zentraler Öllieferungen aus Venezuela beginnt Washington, gezielt gegen jede Form von Ersatzversorgung vorzugehen. Der wirtschaftliche Druck wird zur kompletten Abriegelung der Ersatzversorgung.

    Im Inneren verschärft sich die Lage. In Moron eskaliert am 14. März ein Protest. Demonstranten dringen in ein örtliches Parteibüro ein, tragen Möbel und Geräte auf die Straße und setzen sie in Brand, mehrere Personen werden festgenommen. Auffällig bleibt die Tonlage aus Havanna. Diaz-Canel gibt sich kämpferisch und erklärt auf X:

    „Selbst im schlimmsten Fall kann sich Kuba einer Sache sicher sein: Jeder externe Angreifer wird auf unüberwindlichen Widerstand stoßen.“

    Gleichzeitig vermeidet er eine offene Eskalation gegenüber Washington und setzt auf Gesprächsbereitschaft. Man suche „Lösungen durch Dialog“, heißt es aus Regierungskreisen. Auch Donald Trump schlägt zwischenzeitlich einen anderen Ton an. Neben seinen Drohungen erklärt er, Diaz-Canel sei „jetzt bereit“, mit ihm zu reden. Auch die USA seien „bereit zu verhandeln“, solange ihre Interessen gewahrt blieben. Die Linie schwankt damit zwischen Gespräch und maximalem Druck.

    International rückt die humanitäre Lage stärker in den Fokus. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht von einer „brutalen kollektiven Bestrafung des kubanischen Volkes“ und macht die US-Politik direkt für die Entwicklung verantwortlich. Die Situation auf der Insel wird damit zunehmend auch zu einem moralischen Streitfall auf globaler Ebene.

    Der lange Schatten Washingtons

    Die Entwicklung folgt einem Muster, das älter ist als die aktuelle Krise. Kaum eine Weltregion wurde nach 1945 so dauerhaft von US-Eingriffen geprägt wie der lateinamerikanische Raum. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gilt der Raum südlich des Rio Grande als Einflussgebiet, in dem politische Abweichungen nicht geduldet werden. Die Mittel wechselten von offenen Militärinterventionen zu verdeckten CIA-Operationen, von wirtschaftlichem Druck bis zur Stützung autoritärer Regime.

    Nach der Niederlage Deutschlands traten die Vereinigten Staaten zunehmend als globale Führungsmacht auf. Mit dem Zerfall der alten Kolonialordnungen und dem Beginn des Kalten Krieges gewann der amerikanische Doppelkontinent strategische Bedeutung. Die im 19. Jahrhundert formulierte Monroe-Doktrin wurde neu interpretiert. Nicht mehr europäische Imperien, sondern politische und ökonomische Abweichungen galten als Bedrohung.

    Kuba ab 1959

    Mitte April 1959 schien das Verhältnis zwischen Washington und dem nachrevolutionären Kuba noch offen. US-Vizepräsident Richard Nixon empfing Fidel Castro und mahnte investorenfreundliche Rahmenbedingungen an. Doch spätestens mit der Agrarreform und der Annäherung Havannas an Moskau kippte die Haltung der Eisenhower-Administration. Interne CIA-Dokumente belegen, dass bereits 1959 über die „Eliminierung Castros“ diskutiert wurde. Der für verdeckte Operationen zuständige Richard Bissell legte entsprechende Vorschläge vor.

    In Zusammenarbeit mit Mafiabossen wie Sam Giancana und Santos Trafficante wurden Giftanschläge vorbereitet. Andere Pläne zielten darauf ab, Castro öffentlich zu kompromittieren, unter anderem durch den Einsatz von LSD. Nach dem Scheitern der von der CIA organisierten Invasion in der Schweinebucht im April 1961 setzte Washington seinen Kurs fort.

    Castro. WikiImages, pixabay

    Unter CIA-Chef Allen Dulles entstand mit der Operation Northwoods ein Geheimplan, der vorsah, Terrorakte zu inszenieren und Kuba zuzuschreiben, um einen Kriegsgrund zu schaffen. Diese Vorschläge sind durch freigegebene Originaldokumente belegt und markieren einen der radikalsten Punkte der US-Interventionsgeschichte.

    Die Eskalation kulminierte im Oktober 1962 in der Kubakrise. Nach Jahren wirtschaftlicher Isolation und verdeckter Umsturzversuche suchte Havanna Schutz in der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen. Washington reagierte mit einer Seeblockade und der konkreten Vorbereitung eines Angriffs auf die Insel. Über dreizehn Tage stand die Welt am Rand eines nuklearen Krieges.

    Präsident Dwight D. Eisenhower (l.)und sein Außenminister John Foster Dulles im Jahre 1956. Foto: Public Domain

    Freigegebene Protokolle des Exekutivausschusses des Nationalen Sicherheitsrates zeigen, dass die Regierung unter John F. Kennedy die sowjetische Raketenstationierung intern auch als Reaktion auf die eigene Politik verstand. Kennedy verwies auf die in der Türkei stationierten US-Raketen und bemerkte, dies sei im Grunde so, „als hätten wir plötzlich eine große Zahl von Raketen vor der eigenen Haustür“.

    Die Krise endete erst, als Moskau die Raketen abzog und Washington im Gegenzug zusicherte, Kuba nicht anzugreifen. Die Insel war damit militärisch gesichert, blieb politisch jedoch dauerhaft Ziel amerikanischer Eindämmung.

     Moskau hält dagegen

    Die Reaktion aus Russland folgt unmittelbar auf die Worte aus Washington. Das Außenministerium erklärt, man werde Kuba weiterhin unterstützen und stellt sich offen gegen jede Form einer „Übernahme“. „Russland bekräftigt seine unerschütterliche Solidarität mit der Regierung und dem brüderlichen Volk Kubas“, heißt es. Zugleich verurteilt Moskau „Versuche grober Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates, Einschüchterung sowie den Einsatz illegaler einseitiger restriktiver Maßnahmen“.

    Die Krise auf der Insel beschreibt Moskau als direkte Folge der US-Politik. Kuba stehe vor „beispiellosen Herausforderungen“, ausgelöst durch das jahrzehntelange Embargo und die jüngsten Maßnahmen im Energiesektor.

    Die Unterstützung bleibt nicht nur rhetorisch. Bereits am 18. Februar 2026 traf Wladimir Putin in Moskau den kubanischen Außenminister Bruno Rodriguez Parrilla. Bei dem Treffen im Kreml bezeichnete Putin die US-Maßnahmen als „inakzeptabel“ und sicherte Kuba weitere Unterstützung zu. Auch Außenminister Sergej Lawrow warnte Washington davor, die Lage weiter zu eskalieren, und sprach sich gegen eine Blockadepolitik aus.

    Russlands Präsident Wladimir Putin im Oktober 2024 auf dem BRICS-Gipfel in Kasan. Foto: Atlas Aura | Shutterstock.com

    Parallel dazu laufen die Kontakte weiter. Der Kreml bestätigt, dass man im Austausch mit der kubanischen Führung stehe und bereit sei, Hilfe zu leisten, darunter auch Energie- und Finanzunterstützung. Russland stellt damit klar, dass Kuba trotz der Krise diplomatisch nicht isoliert ist.

    Hinter dieser Linie steht ein strategisches Kalkül. Kuba gilt seit Zeiten der Sowjetunion als enger Partner und als einer der wenigen verbliebenen geopolitischen Anknüpfungspunkte Russlands in unmittelbarer Nähe der USA. Ein geschwächtes Havanna hätte direkte Auswirkungen auf Moskaus Einfluss in der Region.

    Darauf verweist auch eine Analyse der Jamestown Foundation. Der Politikwissenschaftler Sergey Sukhankin warnt, ein Zusammenbruch Kubas würde international als Signal gelesen. „Der Fall Kubas würde vom Globalen Süden als endgültiger Beweis für die Unfähigkeit Russlands, Chinas oder irgendeines anderen Akteurs wahrgenommen werden, als alternatives Machtzentrum zu fungieren.“ In Afrika, Asien und Lateinamerika würde sich daraus eine klare Schlussfolgerung ergeben.

    Die Entwicklung trifft Moskau zudem in einem sensiblen Moment. Mit der Festnahme von Nicolás Maduro hat Russland bereits einen wichtigen Partner in Südamerika verloren. Umso größer ist die Bedeutung Kubas als verbliebener Brückenkopf in der westlichen Hemisphäre.

    Wer den Iran-Krieg und Kuba in einen größeren geopolitischen Kontext einordnen will, dem sei Daniele Gansers „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“ empfohlen – eine kritische Untersuchung amerikanischer Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. Hier bestellen. 

     

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