Warum Israel den Krieg wollte, warum die USA mitzogen – und was John F. Kennedy zum Verhängnis wurde. Klartext von Tucker Carlson, Teil 2. In COMPACT-Spezial „Attentate des Tiefen Staates“ decken wir die wahren Hintergründe des JFK-Attentats auf. Hier mehr erfahren.

    _ O-Ton Tucker Carlson

    Teil 1 dieses Beitrags finden Sie hier.

    Jeder kluge Mensch blickt auf die Welt und sagt: „Gut, den Aufstieg Chinas kann man nicht aufhalten; seine industrielle Kapazität, seine wirtschaftliche Macht – die größte reale Volkswirtschaft der Welt – wird nicht morgen verschwinden; also muss es einen Weg geben, eine Art Machtteilungsabkommen mit China, mit dem Osten zu schließen.“ Die Vereinigten Staaten beherrschen die Welt nicht mehr unangefochten und werden das auf absehbare Zeit wahrscheinlich auch nicht mehr tun. Also wie leben wir in einem Zustand halbwegs friedlicher Koexistenz und wahren zugleich unsere eigenen Interessen?

    Die meisten, die die Lage [im Iran] beurteilen, wussten: Das hat überhaupt nichts mit uns zu tun – das ist Israels Krieg. Das ist übrigens kein Angriff auf Israel als Staat, es ist kein Antisemitismus, kein Judenhass. Es ist einfach eine Tatsache: Der Regierungschef eines Landes mit neun Millionen Einwohnern kam in unser Land mit 350 Millionen Einwohnern und verlangte, dass wir ihnen helfen oder im Grunde selbst das Regime in Teheran stürzen. Was war der Hebel, um das durchzusetzen? Das ist eine komplexe Frage, und es ist wirklich wert, darüber nachzudenken. Wie konnte dieses kleine Land ohne Ressourcen und mit neun Millionen Menschen die große Supermacht der Welt mit dem stärksten Militär der Geschichte dazu bringen, in seinem Sinne zu handeln – und zwar auf eine Weise, die ihr selbst schadet?

    Das Kalkül Washingtons

    Das hat viele Ebenen, aber die offensichtlichste und unmittelbarste Antwort lautet: weil Bibi [Benjamin Netanjahu] dem Präsidenten der Vereinigten Staaten sagte: Ihr könnt euch mir anschließen oder nicht, aber ich gehe da rein. Außenminister Marco Rubio sagte das in einem Gespräch mit führenden Kongressmitgliedern: Israel habe gesagt, sie würden reingehen, und an diesem Punkt habe man im Grunde nur zwei Möglichkeiten gehabt: Man kann mitziehen und versuchen zu helfen oder Israels Krieg einzudämmen. Das Kalkül ist also: Israel macht’s ohnehin, also versuchen wir, das in Grenzen zu halten; also versuchen wir, bei diesem Abenteuer, was immer daraus wird, als mäßigende Kraft zu wirken.

    Angespannt: US-Vizepräsident J. D. Vance und Präsident Donald Trump verfolgen den US-Angriff auf den Iran am 21. Juni 2025 im Situation Room im Weißen Haus. Foto: The White House

    Oder man sagt: Israel nein – und sie machen es trotzdem. Und wenn sie es tun, dann schützt uns keiner, denn es gibt hunderttausende Amerikaner im Nahen Osten, in Uniform und ohne, Zivilisten und Militärangehörige. Dort befinden sich auch die wichtigsten Ölprojekte der Welt, Energieinfrastruktur, Öl und Gas, die mehr als jeder andere Faktor die globale Wirtschaft bestimmen. Jeder braucht Öl und Gas, Punkt; das lässt sich nicht ändern. Und wenn diese Infrastruktur beschädigt oder zerstört wird, betrifft das uns alle – wirklich alle.

    Man kann Israel also nicht einfach machen lassen. Natürlich gäbe es theoretisch eine dritte Möglichkeit: Man sagt zu Israel – einem Klientenstaat, den wir finanzieren und dessen Entstehung wir ermöglicht haben –: „Nein, das machen wir nicht! Wir verstehen, dass Ihr den Ayatollah nicht mögt, dass Ihr den Iran nicht mögt, aber ein Angriff wäre schlecht für uns, und wir werden Euch das nicht erlauben. Und wenn ihr es trotzdem tut, werden wir zum Beispiel unsere [finanziellen] Hilfen kürzen oder etwas anderes.“

    Kennedys tödliche Entscheidung

    Wir könnten den Druck ausüben, den wir naturgemäß ausüben könnten, da wir das alles bezahlen. Aber das stand nicht einmal zur Debatte. Das stand nie zur Debatte. In den letzten 63 Jahren hat das niemand ernsthaft erwogen. Der letzte Präsident, der das tat, war John F. Kennedy im Jahr 1962, als er in einen – leider weniger bekannten, als er es sein sollte – Streit mit dem damaligen israelischen Premierminister David Ben-Gurion über Israels Atomprogramm in Dimona geriet. Präsident Kennedy sagte: „Nein, ich bin gegen nukleare Proliferation; das ist einer der Grundpfeiler meiner Amtszeit, und ihr könnt nicht weiter testen; ich fordere Inspektionen.“

    Doch er konnte diese Position nicht durchsetzen, weil er im November 1963 ermordet wurde, und sein Nachfolger Lyndon B. Johnson gab dem israelischen Atomprogramm grünes Licht. Das war also das letzte Mal, dass ein amerikanischer Präsident Israel ein klares Nein entgegengesetzt und versucht hat, dessen Kernambitionen zu begrenzen – nicht im Sinne von „Seid netter zu den Palästinensern im Westjordanland“, sondern im Sinne von „Nein, ihr dürft keine Atomwaffen haben“ oder „Nein, ihr dürft nicht den Libanon bombardieren“ oder ähnliches. Seitdem stand das nicht mehr zur Debatte. Die Wahl lautete also: Geht man mit, versucht man zu begrenzen, was Israel tut, oder bleibt man außen vor und wird dann unweigerlich hineingezogen?

    Die Wahrheit ist – und das ist schwer zu sagen als stolzer Amerikaner und als jemand, der möchte, dass die Vereinigten Staaten in der Welt mächtig bleiben, eine Kraft für Anstand und Ordnung, aber vor allem wohlhabend und friedlich im eigenen Land –, es ist schwer zu sagen, aber die Entscheidung wurde hier nicht von den USA getroffen, sondern von Benjamin Netanjahu. Und es ist wichtig, das auszusprechen – nicht um jemanden zu entmutigen oder hoffnungslos zu machen; es gibt keinen Grund zur Hoffnungslosigkeit –, sondern damit es nicht wieder geschieht. Sagt die Wahrheit, damit die Menschen lernen, sich hoffentlich verbessern und weiterentwickeln können, aber sagt die Wahrheit, egal was es kostet.

    Israel will den Nahen Osten kontrollieren

    Warum also wollte Israel das? Wir haben festgestellt, dass es möglicherweise keine gute Idee ist – weder für Israel noch für die USA –, aber warum wollten sie es? Wenn es wirklich um die Bedrohung gegangen wäre, dass der Iran eine Atomwaffe oder eine mit einem Atomsprengkopf bestückte Interkontinentalrakete auf Miami oder New York richtet, wie Mark Levin kürzlich seinen Zuhörern sagte – was alles nicht stimmt –, wie hätte diese Bedrohung dann 40 Jahre andauern können? Wie hätte, wie Benjamin Netanjahu gestern sagte, Irans Atomprogramm 40 Jahre lang unmittelbar davorstehen können, eine Atomwaffe zu bauen und einzusetzen? Natürlich war es nicht so. Man kann darüber streiten, ob der Iran eine Atomwaffe wollte; wahrscheinlich wollten sie eine – wer würde keine wollen? Man sieht ja, was mit Ländern geschieht, die keine haben. Aber standen sie kurz davor, eine zu bekommen? Nein.

    Was also ist der Zweck aus israelischer Sicht? Der Zweck ist regionale Hegemonie, ganz einfach. Israel existiert seit fast 80 Jahren, es besitzt Atomwaffen, hat eine robuste Tech-Wirtschaft, aber vor allem hat es große Ambitionen. Und das ist kein Angriff auf Israel: Welches wachsende Land hätte keine größeren Ambitionen? Und welcher machtorientierte Führer eines solchen Landes – und davon gibt es viele auf der Welt – würde nicht regionale Hegemonie anstreben?

    Regionale Hegemonie bedeutet, dass man seine Region kontrolliert – eine Art Nahost-Monroe-Doktrin. Israel möchte im Großen und Ganzen bestimmen, was in seiner Region geschieht, und möchte selbst nicht in gleicher Weise beschränkt werden. Wer würde das nicht wollen? Wollen wir das? Natürlich. Wir tolerieren vieles von Mexiko und Kanada, aber wenn sie plötzlich unsere Kerninteressen beschneiden würden, würden wir wohl reagieren – zumindest das frühere Amerika, ein normales Land, würde es tun.

    Israel möchte den Nahen Osten kontrollieren und ist die einzige offiziell bekannte Atommacht in der Region. Ob es die einzige tatsächliche ist, darüber kann man spekulieren. Aber es ist das einzige Land, von dem wir sicher wissen, dass es ein großes nukleares Arsenal besitzt. Es will also in seiner Region unangefochten sein. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern ein normales Ziel von Staaten.

    Und Bibi will das ebenfalls. Er sieht sich als historische Figur, nicht nur als Premierminister, der um seinen Posten kämpft – was er ebenfalls tut –, sondern als großer Mann, als eine Art moderner Moses oder historische Gestalt. Und solche Männer, Männer des vermeintlichen Schicksals, verändern die Berechnung für ihr Land dauerhaft. Sie machen keine kleinen Schritte, sie machen große; sie denken groß – zu ihrem Verdienst oder zu ihrem Schaden, aber es ist eine Tatsache. Dieser Krieg ist daher ausschließlich ein Versuch Israels, regionale Hegemonie, totale Kontrolle, zu erreichen.

    Eine offene Wunde

    Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass man seine Feinde ausschalten muss. Und im Fall des Iran war der Iran ein Feind Israels, und er finanzierte Aufstände und militante Gruppen in der Region, um Israel zu schwächen, zu bedrängen, Israelis zu töten – das stimmt alles. Die Hisbollah, die Hamas – absolut vom Iran finanziert; die Huthis – ebenfalls; das tat der Iran. Und Israel gefiel das nicht – warum auch? Aber es ist auch wahr – ohne jemanden zu entschuldigen –, dass dies eine Dynamik ist: Ein Land tut etwas, das andere reagiert. Wie in einer Ehe ist keine Partei allein verantwortlich; jede Handlung provoziert eine Reaktion. Diese Geschichte reicht weit zurück, und Historiker können sie entwirren – die wenigen ehrlichen, die es noch gibt.

    Iran-Krieg: Das droht Deutschland jetzt!

    Wenn man aber den Nahen Osten kontrollieren will und Israel ist, dann muss man den Iran „enthaupten“. Man muss ihn nicht wieder aufbauen; wahrscheinlich will man das gar nicht; er ist zu groß, zu rohstoffreich, verfügt über zu viel Energie – dieses riesige Gasfeld, das er mit Katar teilt usw. Wahrscheinlich will man ihn nur handlungsunfähig machen; ihn in ein Chaos verwandeln, das man dominieren kann. Das mag für alle anderen massive Folgeschäden verursachen – etwa eine Flüchtlingskrise in Europa, wie nach der Destabilisierung Syriens. Oder eine offene Wunde, wie nach der Destabilisierung des Libanon oder als die USA Gaddafi in Libyen stürzten. Das ist ein fortlaufender Prozess, der immer weitergeht.

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    John F. Kennedy, die israelische Atombombe und der Mord: In COMPACT-Spezial „Attentate des Tiefen Staates“ erfahren Sie die wahren Hintergründe. Hier mehr erfahren.

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