Wie tief steckt US-Präsident Donald Trump im Epstein-Sumpf? Gelöschte Dateien und ein Fall aus den Neunzigern werfen Fragen auf. In unserer März-Ausgabe mit dem Titelthema „Das System Epstein“ nennen die Täter und Hintermänner beim Namen. Hier mehr erfahren.
„Ich habe persönlich miterlebt, wie der Angeklagte Trump der Klägerin sagte, sie solle bloß nichts sagen, wenn sie nicht wie das 12-jährige Mädchen [geschwärzt] verschwinden wolle, und dass er in der Lage sei, ihre ganze Familie umbringen zu lassen.“ – Diese schockierende Aussage findet sich in den Epstein-Akten. Doch wenn man auf der Sonderseite des US-Justizministeriums danach sucht, findet man nichts.

Und doch gibt es sie! Wenn man nämlich mit der Wayback-Machine web.archive.org danach sucht, gibt es einen Treffer – inklusive Aktenzeichen: EFTA01250883. Kein Fake – denn wie man anhand der Adresszeile nachvollziehen kann (siehe Screenshot oben), wurde dieses Dokument auf der Website des U.S. Department of Justice veröffentlicht. Doch warum taucht es dort jetzt nicht mehr auf?
Tiffany Doe und Jane Doe
Unterzeichnet wurde das Dokument mit der Aussage am 18. Juni 2016 von einer „Tiffany Doe“ – „John Doe“ beziehungsweise „Doe“ ist das in Amerika übliche Pseudonym, um die Anonymität einer Person in offiziellen Ermittlungs- oder Gerichtsakten zu wahren.
Eine gewisse „Jane Doe“, deren bürgerlicher Name Katie Johnson lautet, warf sowohl Epstein als auch Trump vor, sie 1994 im Alter von 13 Jahren vergewaltigt zu haben. Sie gab an, nach einem Model-Casting an einer Bushaltestelle von einer Frau angesprochen worden sein. Das Versprechen: Hilfe beim „Durchbruch für eine Modell-Karriere“.
Doch dieser Wunsch wurde der jungen Frau nicht erfüllt. Stattdessen sei auf vier von Epsteins Partys gewesen. Der Sexualverbrecher habe sie zunächst am Rand dieses Events zu verschiedenen sexuellen Handlungen aufgefordert, darunter auch solchen mit Donald Trump, denen sie teilweise nachgekommen sei.
Bei der vierten Party soll Trump Johnson vergewaltigt und entjungfert haben. Epstein sei darüber wütend gewesen und habe sie daraufhin vaginal und anal vergewaltigt, so ihre Aussage. Das Seltsame hierbei: Bis zum 26. Februar 2026 war die Datei nebst Duplikaten aus den Akten gar nicht auffindbar. Nun kann man das Dokument hier abrufen. War das Justizministerium etwa schlampig oder hat es sogar Informationen zurückgehalten?
Vertuschte das Justizministerium etwas?
Das fragen sich die oppositionellen US-Demokraten. Deren Kongressabgeordneter Ted Lieu fordert eine sofortige Untersuchung eines brisanten Vorwurfs gegen Trump aus den Epstein-Akten. Dabei beruft er sich auf einen Zeugen, der beim FBI’s National Threat Operations Center (NTOC) angerufen und berichtet hätte, dass er ein Mädchen getroffen habe, das ihm erzählte, Trump und Epstein hätten sie vergewaltigt.
Das Mädchen sei später tot aufgefunden worden. Wer die Tote sein soll, erwähnte Lieu allerdings nicht. Das Justizministerium habe diesen Zeugen jedoch nie befragt, was der Abgeordnete als skandalöses Versäumnis oder gar Vertuschung brandmarkt.

Der Konflikt um das Dokument eskalierte am 11. Februar 2026 in einer hitzigen Anhörung vor dem House Judiciary Committee, als Lieu Justizministerin Pam Bondi vorwarf, unter Eid gelogen zu haben, weil sie behauptet hatte, es gebe „keinen Beweis“ für ein Verbrechen Trumps.
Einer der schärfsten Wortwechsel entbrannte, als Lieu ein altes Video zeigte, auf dem Epstein und Trump gemeinsam auf einer Party zu sehen sind. Er fragte Bondi direkt, ob sie wisse, ob unter den anwesenden Mädchen auch Minderjährige gewesen seien. Die Ministerin reagierte empört, wies dies schroff zurück und warf den Demokraten vor, von Trumps Erfolgen ablenken zu wollen.
Zusätzlich kritisierte der Abgeordnete das Department of Justice dafür, Teile der Akten zurückzuhalten oder zu schwärzen und die Suchaktivitäten von Kongressmitgliedern zu tracken. Lieu und sein Kollege Dan Goldman fordern inzwischen sogar einen Sonderermittler gegen Bondi wegen mutmaßlicher Falschaussage.
Wurde das Opfer bedroht?
Donald Trump wurde in der Vergangenheit mehrfach von Frauen sexueller Übergriffe bezichtigt. Die Klage von Katie Johnson alias „Jane Doe“ ist jedoch die einzige, in der eine Frau angibt, zum Zeitpunkt der Tat minderjährig gewesen zu sein. Ihre erste Klage wurde 2016 wegen eines Verfahrensfehlers abgewiesen; zwei weitere in New York zog sie später selbst zurück.
Machte sie das, weil sie bedroht wurde? Und da wären wir dann wieder beim Anfang dieses Beitrags, bei „Tiffany Doe“, deren Aussage mit der angeblichen Todesdrohung Trumps urplötzlich aus den Dateien des US-Ministeriums verschwunden ist.
Trotz dieser Unstimmigkeiten muss festgehalten werden, dass es nach jetzigem Stand weder Urteile noch stichhaltige Beweise für die in Rede stehenden Straftaten gibt – doch einen schalen Nachgeschmack hinterlassen die Aussagen allemal.
Aufklärung tut not! Darum kümmern wir uns in der März-Ausgabe von COMPACT mit dem Titelthema „Das System Epstein“. Wir durchleuchten den Sumpf – und nennen die Täter und Hintermänner beim Namen. Schonungslos und ohne Tabus! Hier bestellen.





