Der Name der New Yorker Society-Figur Jessica Joffe sorgt plötzlich auch in Deutschland für Aufsehen. Wie dicke war die Tochter von Zeit-Herausgeber Josef Joffe mit Jeffrey Epstein – und was bedeuten die Einträge in den Akten? In unserer druckfrischen März-Ausgabe mit dem Titelthema „Das System Epstein – Mossad, Mädchen, Machteliten“ decken wir auf, wer die Fäden inmitten dieses Skandals wirklich zieht. Hier mehr erfahren.
In den Schatten der veröffentlichten Epstein-Akten taucht ein Name auf, der in Deutschland für Aufregung sorgt: Jessica Joffe. Sie ist die Tochter von Josef Joffe, der viele Jahre als Herausgeber der linksliberalen Wochenzeitung Die Zeit wirkte. Sein Amt ruht allerdings seit 2022, als herauskam, dass er seinen Freund, den Bankier Max Warburg, vor den Recherchen der eigenen Zeitung zum Cum-Ex-Skandal warnte.
Transatlantischer Netzwerker
Während Jessica vor allem als Multitalent in der Glamour-Welt bekannt ist, gilt ihr Vater als wichtiger Akteur in transatlantischen Netzwerken. So gehörte er bis 2008 der Atlantik-Brücke an, engagiert sich im Aspen Institute Berlin, ist – wie es Epstein war – Mitglied der Trilateralen Kommission und nahm 2006 an der Bilderberg-Konferenz im kanadischen Ottawa teil. Zudem geht er bei der Hoover Institution und der American Academy in Berlin ein und aus. 1995 wurde der Publizist von der Columbus-Gesellschaft mit einem Preis geehrt – für „Verdienste um die transatlantische Verständigung“, wie es in der Laudatio hieß.

Josef Joffe wurde 1944 in einem Bunker im polnischen Lodz geboren, in dem sich seine jüdischen Eltern, der Juwelier Fajfusz Joffé und seine Frau Bluma, vor den Nazis versteckt hatten. Ihr Sohn promovierte an der Eliteuni Harvard, wo er auch als Gastprofessor tätig war.
Vor seiner Karriere bei der Zeit war Joffe Ressortleiter für Außenpolitik bei der Süddeutschen. Heute sitzt er im Beirat der Hypovereinsbank sowie der Goldman Sachs Foundation und setzt sich leidenschaftlich für zionistische Belange ein. Er ist unter anderem Mitglied im Verwaltungsrat des Leo-Baeck-Instituts New York sowie der Ben-Gurion-Universität im Negev und amtiert als Kuratoriumsvorsitzender des Abraham-Geiger-Kollegs, eines Rabbinerseminars an der Uni Potsdam.
Das Schreibtalent liegt offenbar in der Familie. Jessica arbeitet als Model und Schauspielerin („A Most Wanted Man“, „Celeste & Jesse Forever“), aber schreibt auch für große Magazine wie Glamour und Vogue. Ihre Mutter Christine Brinck ist ebenfalls Autorin.
Date mit dem Monster
Die rothaarige Schönheit ist ein klassisches New Yorker It-Girl der 2000er und 2010er Jahre – und stand Jeffrey Epstein näher als bislang bekannt. Darauf deuten E-Mails in den Ende Januar vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten hin. Ihr Name taucht sechsmal auf. Einmal fragte Epstein sie, ob sie ihn anrufe könne, ein anderes Mal, ob sie in der Stadt sei. Die beiden müssen in engem privaten Kontakt gestanden haben, denn es ist explizit von einem Date die Rede.

Hat Jessica sogar bei dem verurteilten Sexualstraftäter übernachtet? In einer Mail vom 20. Mai 2013 schreibt Epstein an Joffe: „I want your stay to be great, anything I can organize let me know.“ Auf Deutsch: „Ich möchte, dass dein Aufenthalt toll wird, sag mir einfach Bescheid, wenn ich irgendetwas organisieren kann.“ Eine Hotelreservierung dürfte damit kaum gemeint sein, denn Jessica Joffe und Epstein lebten in Manhattan nur ein paar Blocks voneinander entfernt.
Zudem gibt es in den Epstein-Akten Kalendereinträge aus dem Jahr 2013, die Jessica bei einem Dinner mit Epstein, dem Zauberkünstler David Blaine und anderen erwähnen. Darüber hinaus wird aus einer Notiz deutlich, dass sie mit zusammen mit Epstein-Spezi Jes Staley (ehemaliger Barclays-CEO, der 2021 wegen seiner Kontakte zu dem Sexverbrecher von seinem Posten zurückten musste) auf einer Konferenz war, also offenbar auch mit Leuten aus Epsteins Netzwerk zu tun hatte.
„Keine Brüste. Kleines Problem“
Ein Mailverkehr aus dem Jahr 2013 zwischen Epstein und dem Kunstsammler und Harvard-Absolventen Jean Pigozzi ist besonders aufschlussreich. Dabei ist sehr wahrscheinlich auch von Jessica Joffe die Rede. Pigozzi schrieb: „Ich mag sie. Keine Brüste. Kleines Problem. Hat Leon sie gemocht?“ Epstein antwortet darauf: „Deutsche Jüdin. Tochter des Herausgebers von Die Zeit. Pigozzi: „Ich mag die Rothaarige. Sie scheint lustig und klug zu sein.“
Der Italo-Amerikaner gilt als einer der bedeutendsten Sammler zeitgenössischer afrikanischer Kunst, mit einem besonderen Fokus auf Fotografien vom Schwarzen Kontinent. Seine Sammelleidenschaft begann 1989, als ihn die Ausstellung „Magiciens de la Terre“ im Centre Pompidou in Paris tief beeindruckte und zu diesem Engagement inspirierte. Mit „Leon“ meinte Pigozzi vermutlich den schwerreichen Kunstsammler Leon Black, der aufgrund seiner Verbindung zu Epstein jetzt ebenfalls im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.
Schweigen im Walde
Jessica Joffe selbst hat sich zu den Dokumenten und den daraus ersichtlichen Verstrickungen bislang nicht öffentlich geäußert. Ihr Instagram-Account @jessicajoffe ist auf privat gestellt, und in Interviews oder Statements aus früheren Jahren (zum Beispiel zu ihrer Karriere in Mode und Film) wird Epstein nie thematisiert. Das Schweigen trägt in der Debatte zusätzlich zur Spekulation bei.
An die deutsche Geschäftsfrau Nicole Junkermann, die mehr 3.000 Mal in den Akten auftaucht, kommt Jessica Joffe zwar nicht heran – doch die bislang entdeckten Erwähnungen werfen Fragen auf. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis noch mehr deutsche Prominente als Bekannte von Epstein in den Schlagzeilen auftauchen.
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