Vor Irans Küste gleitet grauer Stahl durch die Wogen. Russische und iranische Kriegsschiffe absolvieren eine gemeinsame Übung im scharfen Visier Washingtons. Übermorgen soll die US-Navy gefechtsbereit sein. In unserer Februar-Ausgabe mit dem Titelthema „USA und AfD – Gefährliche Liebschaft“ zeigen wir, welche Chancen und Risiken sich aus dem amerikanischen Kurs unter Trump für die AfD ergeben. Hier mehr erfahren.
Heute haben Teheran und Moskau eine gemeinsame Marineübung im Golf von Oman begonnen. Konteradmiral Shahram Irani, Oberbefehlshaber der iranischen Marine, erklärte, Ziel der Operation sei es, „die operative Koordination auszubauen und die Sicherheit der Seewege zu gewährleisten“. Die beteiligten Einheiten trainierten „kombinierte Szenarien“ und bereiteten sich auf „Bedrohungen gegen Handelsschiffe und strategische Routen“ vor. Auch Moskau sendet Botschaften. Präsidentensprecher Dmitri Peskow erklärte laut der Agentur Tass:
„Russland entwickelt seine Beziehungen zum Iran weiter und ruft alle Seiten in der Region auf, politisch-diplomatischen Mitteln absolute Priorität zu geben.“
Das Übungsgebiet liegt unweit der Straße von Hormus, jener Schlüsselpassage, durch die ein erheblicher Teil des globalen Energiehandels abgewickelt wird. Die Wahl dieses Seeabschnitts sendet eine deutliche Botschaft.
Parallel dazu berichten mehrere US-Medien (u.a. New York Times, CNN), Sicherheitsberater hätten Präsident Donald Trump darüber informiert, militärische Optionen gegen iranische Ziele seien vorbereitet. Demnach könnten die Vereinigten Staaten binnen zwei Tagen gefechtsbereit sein.
Vom Alleingang zur Allianz auf See
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und gilt als empfindlichste Engstelle des globalen Energiemarktes. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls passiert täglich diese Passage. Für die Golfstaaten ist sie die zentrale Exportader, für Asien die wichtigste Versorgungsroute.
Unter dem Titel „Intelligente Kontrolle der Meerenge“ inszenierten die Revolutionsgarden bereits zu Wochenbeginn eine eigenständige Kraftprobe in der Straße von Hormus. Im Rahmen der Übungen wurden nach iranischen Angaben auch Raketen abgefeuert. Beobachter verweisen auf Anti-Schiffs-Systeme wie Khalij Fars sowie Marschflugkörper der Noor- und Qader-Reihe.
Ergänzt werden sie durch Drohnen und Schnellbootverbände, die darauf ausgelegt sind, größere Einheiten asymmetrisch unter Druck zu setzen. Teile der Meerenge wurden zeitweise gesperrt. Dieses erste Manöver blieb vorerst ein rein iranisches Signal. Irans oberster Führer Ali Khamenei formulierte die strategische Botschaft bereits im Vorfeld unmissverständlich:
„Ein Kriegsschiff ist natürlich ein gefährliches Instrument. Doch gefährlicher als das Kriegsschiff ist die Waffe, die es in die Tiefe des Meeres versenken kann.“
Die Worte fielen im Kontext wachsender amerikanischer Präsenz im Nahen Osten. Die USS Gerald R. Ford nimmt Kurs auf den Nahen Osten und soll sich mit der USS Abraham Lincoln zusammenschließen. Zwei Trägerkampfgruppen bedeuten eine erhebliche Verdichtung amerikanischer Schlagkraft in unmittelbarer Reichweite iranischer Küsten.
Vorher wurde in Genf verhandelt. Vermittelt über Oman, das seit Jahren als diskreter Kanal zwischen beiden Seiten fungiert, ging es um das iranische Atomprogramm. Donald Trump machte deutlich, dass ein möglicher Schlag vom Ausgang der Gespräche abhängen könne. Mit Blick auf die USS Gerald R. Ford sagte er:
„Wenn wir kein Abkommen erzielen, werden wir ihn brauchen (…) und wenn wir ihn brauchen, steht er bereit.“
Bislang ist kein klares Übereinkommen ersichtlich. Die nun begonnene Übung im Golf von Oman markiert dagegen eine neue Phase. Erstmals tritt Russland offen an die Seite Teherans. Damit geht die militärische Demonstration in eine koordinierte Operation über.
An Bord der beteiligten Verbände operiert unter anderem die russische Korvette Stoikiy, ein Mehrzweckkampfschiff der Steregushchiy-Klasse, das mit Anti-Schiffs-Raketen, Luftabwehrsystemen und Fähigkeiten zur U-Boot-Bekämpfung ausgerüstet ist. Sie arbeitet im Rahmen der Übung mit iranischen Einheiten wie der Fregatte Alvand sowie weiteren Begleitschiffen zusammen.
Trainiert werden koordinierte See- und Luftoperationen, taktische Formationen, Kommunikationsabläufe sowie simulierte Sicherungs- und Befreiungsszenarien für Handelsschiffe. Laut Angaben des russischen Militärs umfasst das Programm zudem Überwachungsmissionen und das Zusammenspiel „verschiedener Waffensysteme unter realitätsnahen Bedingungen“.

Die Nervosität reicht inzwischen weit über die Region hinaus. Polens Ministerpräsident Donald Tusk forderte seine Landsleute im Iran auf, das Land „sofort und unverzüglich“ zu verlassen.
„In ein paar Stunden könnte es keine Möglichkeit mehr geben, Polen aus dem Iran zu evakuieren“, erklärte Tusk laut polnischen Medien.
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