Ein strategisches Treffen über Grönland eskaliert. Am Tisch sitzen Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens Frederik Nielsen. Ihnen gegenüber mehrere US Senatoren und Kongressabgeordnete. Im Zentrum des Skandals steht Lindsey Graham, der plötzlich anfängt, F-Bomben zu schleudern. In unserer Februar-Ausgabe mit dem Titelthema „USA und AfD – Gefährliche Liebschaft“ zeigen wir, welche Chancen und Risiken sich aus dem amerikanischen Kurs unter Trump für die AfD ergeben. Hier mehr erfahren.
Im Verlauf des Gesprächs soll der Ton immer schärfer geworden sein. Nach übereinstimmenden Berichten begann Graham wiederholt zu fluchen. „F Bomben“ (Fuck you) seien durch den Raum geflogen. Eine interne Quelle beschrieb die Situation mit den Worten:
„Stellen Sie sich Graham an seinem schlimmsten Tag vor.“
Die Münchner Sicherheitskonferenz gilt als eines der wichtigsten westlichen geopolitischen Treffen. Seit Jahrzehnten treffen sich dort Staats und Regierungschefs, Minister und Strategen, um über Krisen, Bündnisse und Machtverschiebungen zu beraten.
Arktis als Zündfunke
Bereits am Samstagmorgen zeigte sich, wie tief der Riss selbst innerhalb der amerikanischen Delegation ging. Senator Thom Tillis, ebenfalls Republikaner, platzte im internen Kontrollraum der Kongressdelegation der Kragen. Hintergrund war eine Aussage von Graham am Vortag gegenüber Politico. Wörtlich hatte er erklärt: „Wen interessiert es schon, wem Grönland gehört? Mich nicht.“
Tillis reagierte empört. „Und wissen Sie, wen es sehr wohl interessiert?“ entgegnete er hörbar aufgebracht. „Die indigenen Völker Grönlands.“ Er fügte hinzu, auch die indigenen Gemeinschaften in seinem Heimatstaat North Carolina kämpften seit mehr als ,,130 Jahren um Anerkennung“. Die Bemerkung Grahams sei respektlos und politisch hochriskant.
Die amerikanische Delegation war nach Europa gereist, um den Partnern zu versichern, dass die Vereinigten Staaten weiterhin zu ihrem Bündnis stehen. Stattdessen mussten mehrere Senatoren erklären, dass Grahams Worte nicht die Haltung des gesamten Kongresses widerspiegelten.
Die Verunsicherung in Dänemark und Grönland sei „real und unverstellt“, schilderte Senator Mark Kelly (Demokraten). Er berichtete von seiner Reise nach Grönland und Gesprächen mit Menschen vor Ort: „Kinder haben Angst. Sie öffnen ihre Fenster und schauen nach Flugzeugen und Schiffen. Das ist schrecklich und es geht von den Vereinigten Staaten aus.“ Der diplomatische „Schaden ist angerichtet“ und sei wohl nicht mehr „zu reparieren“.
Stunde der Entgleisung
Am Nachmittag ging es dann für Graham zum nächsten Termin. Nach den internen Spannungen am Morgen stand nun das eigentliche Gespräch mit Mette Frederiksen und Jens Frederik Nielsen an.
Nach ruhigem Beginn soll die Bemerkung gefallen sein, die nun Schlagzeilen macht. Graham habe Frederiksen als wörtlich „kleine Dame“ bezeichnet. Umgangssprachlich kann es auch als ,,meine Kleine“ verstanden werden.
Teilnehmer schildern die Szene als „extrem erniedrigend“ und „unverhohlen sexistisch“. Zugleich soll er betont haben, Donald Trump sei Präsident der Vereinigten Staaten und damit „der mächtigste Mann der Welt“. Die implizite Botschaft lautete nach Darstellung von Anwesenden, Dänemark und Grönland sollten sich nicht einbilden, gegenüber Washington Gewicht zu besitzen.

Frederiksen blieb äußerlich unbeeindruckt. Nachdem Graham geendet hatte, konterte sie ruhig: „Wenn Sie damit fertig sind, kann die Sitzung fortgesetzt werden.“ Eine interne Quelle sagte später, sie habe „cool gewirkt“, obwohl der Ausbruch im Raum als „beunruhigend“ und „schockierend“ wahrgenommen worden sei.
Auch zwischen Graham und Nielsen entwickelte sich eine angespannte Szene. Der Senator habe ihm demonstrativ ins Gesicht gegähnt, was nur als Spott verstanden werden konnte. Für einige amerikanische Teilnehmer ging der Auftritt zu weit. Berichten zufolge reagierte die demokratische Senatorin Elissa Slotkin so irritiert, dass sie das Treffen verließ.
Trumps Poltergeist
Lindsey Graham ist republikanischer Senator aus South Carolina. Er gehört seit Jahren zu den außenpolitischen Hardlinern in Washington und gilt als enger Verbündeter von Donald Trump, insbesondere in Fragen nationaler Sicherheit. In München polterte er als Redner der zur Konferenz parallel stattfindenden Anti-Iran-Demo auf der Theresienwiese: „Ich bin hier, um euch zu helfen, dieses Regime loszuwerden. Hilfe ist unterwegs.“ Der Begriff „Hilfe“ blieb bewusst offen.
Er unterstützte Trumps Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran und befürwortete eine Politik des „maximalen Drucks“. In der Vergangenheit sprach er sich wiederholt für militärische Optionen gegen iranische Ziele aus und verteidigte gezielte Angriffe als legitimes Mittel amerikanischer Außenpolitik. Erst am 10. Januar ließ er auf X verlauten:
„Es ist jetzt Zeit, entschlossene militärische Maßnahmen zu ergreifen. Keine Bodentruppen, aber gezielte Angriffe auf diejenigen, die töten.“
Seine Kriegslust auf den Iran ist dabei nur ein Vorgeschmack auf noch radikalere Forderungen zum Ukrainekrieg. So lobte er die ukrainische Kursk Offensive als „kühn, brillant, großartig“ und forderte offen: „Gebt ihnen verdammt noch mal die Tomahawks.“ Gemeint waren amerikanische Marschflugkörper, mit denen Kiew tief im russischen Hinterland zuschlagen könnte. Dass Graham als enger Vertrauter Trumps gilt, ist mehr als bedenklich.
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