Die CDU debattiert über „Lifestyle-Teilzeit“. Was als Kampf gegen den Fachkräftemangel verkauft wird, könnte vor allem Frauen treffen und der Union politisch schaden. Hat Merz schon fertig? Warum er absolut untauglich ist, arbeiten wir gründlich in unserer COMPACT-Ausgabe „Der Totengräber“ auf. Hier mehr erfahren.

    Seit über 20 Jahren gilt in Deutschland ein Rechtsanspruch auf Teilzeit. Er ist ein kleiner, aber zentraler Baustein der Work-Life-Balance und der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege. Genau dieser Anspruch steht nun zur Debatte: Der Wirtschaftsflügel der CDU will ihn deutlich einschränken.

    Statt eines allgemeinen Rechts soll Teilzeit künftig „nur bei Vorliegen einer besonderen Begründung“ möglich sein. Als legitime Gründe nennt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) unter anderem die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung. Andere Motive werden pauschal als „Lifestyle-Teilzeit“ abgewertet. „Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“, rechtfertigte die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann den Vorstoß und löste damit die heftige Debatte aus.

    Der Koalitionspartner SPD reagierte scharf. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt sprach von einem „Angriff auf bewährte Errungenschaften“. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge kritisierte den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ als respektlos gegenüber den Lebensrealitäten vieler Beschäftigter.

    Ein langjähriger Trend

    Auch innerhalb der Union regt sich Widerstand. Der Sozial- und Arbeitnehmerflügel (CDA) distanziert sich von der provokanten Wortwahl und warnt vor einer einseitigen Fixierung auf Produktivität, die soziale und familiäre Belastungen ausblende.

    Wird jetzt so Friedrich Merz’ Aufruf, dass die Deutschen mehr arbeiten müssen, in ein Gesetz gegossen, um den Fachkräftemangel einzudämmen? Besonders brisant ist die Frage, wer von einer Einschränkung der Teilzeit betroffen wäre. Die Antwort liefern die Zahlen: 2024 arbeiteten 49 Prozent der Frauen in Teilzeit, also jede zweite Frau, und nur 12 Prozent der Männer.

    2025 erreichte die Teilzeit-Quote insgesamt schon 40,1 Prozent, 2024 waren es noch 29 Prozent. Das ist kein plötzlicher Sprung, sondern ein langjähriger Trend, getrieben durch mehr Frauen im Arbeitsmarkt, Alterung der Belegschaft und den Wunsch nach Flexibilität. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellte jedoch fest, dass Beschäftigte ungefähr 18 Stunden Arbeit  pro Woche leisteten. Im Vergleich zu den Vorjahren soll die Arbeitsleistung  damit sogar größer gewesen sein.

    Ob der Antrag beim CDU-Parteitag Ende Februar 2026 in Stuttgart durchkommt oder abgemildert wird, ist fraglich. Spannender ist die Frage, ob sich solche Ideen nicht negativ auf die Beliebtheit der CDU und Friedrich Merz auswirken?

    Laut Statista gehört der Kanzler nicht zu den beliebtesten Spitzenpolitikern. Die beste Bewertung auf einer Skala von +5 bis -5 erzielte Verteidigungsminister Boris Pistorius mit 1,9, während der Kanzler sich mit einer -0,4 zufriedengeben musste. Ein weiterer Vorstoß könnte die CDU weiter von ihrer Wählerschaft, insbesondere den Frauen entfremden.

    Die Debatte um die „Lifestyle-Teilzeit“ berührt damit einen grundsätzlichen Konflikt: Ist Teilzeit wirklich ein individueller Luxus geworden oder bleibt sie ein unverzichtbares Recht in einer Gesellschaft, die Familie und Beruf vereinbaren will?

    In unserer COMPACT-Ausgabe „Der Totengräber“ zerlegen wir Merz‘ Unfähigkeit bis ins Letzte: Von gebrochenen Versprechen bis hin zu seiner Totalrückzugshaltung. Lesen Sie nach, warum dieser Kanzler das Land in den Abgrund führt – und wie Alternativen aussehen könnten. Hier gleich bestellen.

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