Der Ludwig-Erhard-Gipfel steckt in der wohlverdienten. Sinnkrise. Vorbei die Zeiten, in denen die BRD-Elite bei Familie Weimer ein- und ausging. Nach Korruptionsvorwürfen laufen Figuren wie Merz und Söder vor dem „deutschen Davos“ davon. Alle Fakten zur Tegernsee-Connection finden sich in der aktuellen Ausgabe des COMPACT-Magazins. Hier mehr erfahren.
Gegen Schickeria-Treffen ist grundsätzlich wenig einzuwenden. In Bayern haben sie sogar in gewisser Weise Tradition. Tegernsee, Alpenpanorama, handverlesenes Publikum, es gilt: „Wer reinkommt, ist drin“. Das mag für gesellschaftliche Zirkel gelten. Für die Demokratie darf es das nicht.
Hauptakteure flüchten
Der Ludwig-Erhard-Gipfel hat den Bogen dramatisch überspannt, hat Nähe, Macht und Geld wie selbstverständlich miteinander verschmolzen, politische Einflussnahme verkauft. Nach dem Auffliegen flüchten jetzt die Hauptdarsteller. Sie Damen und Herren bekommen kalte Füße. Nach den Absagen von Markus Söder, Lars Klingbeil, Dorothee Bär, Thorsten Frei – und inzwischen auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche – ist aus dem einstigen „deutschen Davos“ bereits jetzt eine Provinzveranstaltung mit Seeblick geworden.
Veranstalterin Christiane Goetz-Weimer will das allerdings nicht einsehen. DNA und Historie seien stark genug, um „aktuelle Herausforderungen zu überstrahlen“, glaubt sie. Genau diese selbstgefällige Haltung ist wesentlicher Teil des Problems. Wenn sie jetzt behauptet, es handle sich nur um eine mediale Aufgeregtheit, hat sie nichts begriffen, und ihr feiner Herr Gemahl will auch keine Kratzer im Image einräumen.
Der Gipfel sei dieses Jahr „ohnehin weniger politisch“, heißt es plötzlich. Das wirkt allerdings nicht wie eine strategische Neuausrichtung, sondern eher wie Schadensbegrenzung. Jahrelang lebte die Veranstaltung davon, politische Spitzenkräfte, wirtschaftliche Interessen und exklusive Zugänge zu inszenieren und miteinander zu verkuppeln.
Der Kern der Kritik lässt sich auch durch empörte Zurückweisungen nicht wegmoderieren: Dass zahlungskräftige Teilnehmer privilegierten Zugang zu politischen Entscheidungsträgern erhalten konnten, ist unbestritten. Politische Kultur und demokratischen Abläufe wurden hier mit Füßen getreten.
Dass Wolfram Weimer, ehemaliger Verleger, Mitinitiator des Gipfels und nun Kulturstaatsminister, weiterhin im Zentrum dieser Debatte steht, ist nur folgerichtig. Wer ein Amt bekleidet, das Vertrauen, Unabhängigkeit und öffentliche Integrität verkörpern soll, kann sich nicht darauf zurückziehen, dass alles irgendwie noch erlaubt gewesen sei.
Absurde Rechtfertigungen
Weimer hätte längst Konsequenzen ziehen müssen. Nicht nur, weil ihm persönliches Fehlverhalten anzulasten ist, sondern weil der anhaltende Interessenkonflikt dem Amt schadet. Politische Verantwortung beginnt nicht erst dort, wo Staatsanwälte klingeln. Die reflexhafte Abwehr – inklusive des Verweises auf angebliche Kampagnen, insbesondere von der AfD – ist absurd. Die AfD sie erfindet solche Vorgänge ja nicht. Wer jede Kritik als Diffamierung abtut, verweigert sich der notwendigen Selbstprüfung.
Der Ludwig-Erhard-Gipfel wollte stets mehr scheinen als sein. Er wollte Denkfabrik sein, Denkfabrik, Schaufenster der sozialen Marktwirtschaft. Davon ist 2026 wenig übrig. Vormalige Schirmherren ergreifen die Flucht, Polit-Größen, die sich dort an der Seite der Kanzlers sonnen könnten, leiden unter ständigem Fracksausen. Und so droht für die Zukunft ein geschlossener geschlossenen Zirkels, der nicht versteht, warum die Öffentlichkeit plötzlich genauer hinsieht.
Wer politische Nähe verkaufen will, darf sich nicht wundern, wenn ihm am Ende niemand mehr die Bühne betritt. Eine Absage des Gipfels wäre ein angemessener Schritt.
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