Die Waffenruhe hält noch, aber neue Kriegspläne liegen bereits in der Schublade. Israels Militärführung hat offenbar konkrete Pläne für ein erneutes Vorgehen im Gazastreifen ausgearbeitet, das im März beginnen könnte. Netanjahu wartet auf das OK von Trump. In unserer Ausgabe 7/25 mit dem Titelthema „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ finden Sie wichtige Hintergründe zu Israels desaströser Nahost-Politik, die der Mainstream bewusst verschweigt. Hier mehr erfahren.  

    Dem jüngsten Blutvergießen ging eine jahrelange Eskalationsspirale voraus. Der Gazastreifen gilt als weitgehend abgeriegelt. Aus diesem Gebiet heraus verübte die Hamas im Herbst 2022 einen koordinierten Überfall auf Israel, bei dem bewaffnete Kämpfer die Grenzanlagen durchbrachen, Militärposten angriffen und auch ein Musikfestival nahe der Grenze überfielen. Zahlreiche Zivilisten wurden getötet, zudem Hunderte als Geiseln nach Gaza verschleppt.

    Israel reagierte mit einem monatelangen Luft- und Bodenkrieg, der den Gazastreifen in weiten Teilen verwüstete. Internationale Hilfsorganisationen gehen von über 100.000 Opfern aus – die Mehrheit davon minderjährig.

    Im Oktober einigten sich Israel und die Hamas schließlich unter internationaler Vermittlung auf eine Waffenruhe, an der vor allem die USA, Ägypten und Katar beteiligt waren. Ziel war es, die Kampfhandlungen zu stoppen, Geiseln und Gefangene auszutauschen, humanitäre Hilfe in größerem Umfang zu ermöglichen und Zeit für weiterführende Gespräche zu gewinnen.

    Israel zog seine Truppen teilweise zurück, insbesondere entlang der sogenannten Yellow Line (gelben Linie), eine von Israel festgelegte militärische Kontrollzone innerhalb des Gazastreifens, auf die sich die IDF im Rahmen der Waffenruhe zurückgezogen hat und die faktisch die Grenze der israelischen Kontrolle markiert.

    Aber der Stillstand ist ein fragiles Arrangement. Die Entwaffnung der Hamas blieb ungeklärt, ebenso die politische Zukunft Gazas. Die israelische Führung versteht die Waffenruhe vor allem als temporäre Maßnahme.

    Trump soll grünes Licht geben

    Als strategische Varianten für die Märzoffensive werden entweder ein direkter Zugriff auf Gaza-Stadt, um die Hamas rasch zur Kapitulation zu zwingen, oder eine schrittweise vollständige Kontrolle des gesamten Gazastreifens diskutiert. Nähere militärische Details und Ziele sind bislang noch unklar.

    Ein israelischer Regierungsvertreter und ein arabischer Diplomat (beide anonym) erklärten allerdings gegenüber der Times of Israel, dass die geplanten Schritte ohne Unterstützung der USA nicht umgesetzt werden könnten.

    Der arabische Diplomat machte dabei deutlich, dass ein militärisches Vorgehen ohne grünes Licht aus Washington nicht realistisch sei. Wörtlich sagte er:

    „Diese Pläne können nicht umgesetzt werden, wenn die Vereinigten Staaten sie nicht unterstützen.“

    Zur Begründung verwies er auf die laufenden amerikanischen Bemühungen, den Waffenstillstand vom Oktober in eine zweite Phase zu überführen. Diese sieht unter anderem die Entwaffnung der Hamas vor. Solange die USA an diesem diplomatischen Kurs festhalten, könne Israel nicht eigenständig eskalieren, ohne einen offenen Bruch mit seinem wichtigsten Verbündeten zu riskieren.

    Der Diplomat fügte hinzu, dass Netanjahu intern nicht daran glaube, dass dieser Ansatz Erfolg haben werde. Seine Einschätzung sei klar:

    „Der Premierminister geht davon aus, dass die Hamas auf diesem Weg nicht entwaffnet wird.“

    Netanjahu hatte bei einem Treffen mit Trump im vergangenen Monat zugesagt, die amerikanischen Bemühungen um eine Stabilisierung der Waffenruhe zunächst mitzutragen. Gleichzeitig habe er jedoch das Militär angewiesen, für den Fall eines Scheiterns der Diplomatie vorbereitet zu sein. Der Diplomat stellte klar: „Nach außen unterstützt Netanjahu den amerikanischen Kurs. Intern bereitet er sich auf das Gegenteil vor.“

    Donald Trump bei einem Telefonat in Mar-a-Lago, Florida. The White House Gallery.

    Der israelische Regierungsvertreter bestätigte ebenfalls, dass die Planungen politisch von den USA abhängen: „Israel kann keinen umfassenden militärischen Schritt in Gaza unternehmen, wenn Washington nicht dahintersteht.“

    „Schneller und einfacher“

    Wie offen diese Überlegungen inzwischen formuliert werden, zeigt Erez Winner, Forschungsstipendiat am Israel Center for Grand Strategy (Israelisches Zentrum für Strategie) ungewöhnlich deutlich. Winner sagte:

    „Eine neue Runde der Kämpfe in Gaza wird viel schneller und einfacher verlaufen, als viele glauben wollen.“

    Zur Begründung führte er aus, dass Israel keine Rücksicht mehr auf lebende Geiseln nehmen müsse. Weiter erklärte er: „Es geht im Grunde darum, bestehende Pläne an die aktuelle Lage anzupassen.“

    Besonders brisant sind seine Aussagen zur palästinensischen Zivilbevölkerung. Winner sagte, eine Evakuierung sei aus militärischer Sicht einfacher geworden, da viele Menschen inzwischen in Zeltlagern lebten. Als mögliche Option nannte er, sie in von Israel kontrollierte Teile des Gazastreifens zu bringen, ein Vorschlag, der völkerrechtlich hoch umstritten ist und bei Hilfsorganisationen auf scharfe Kritik stößt.

    Tödliche Einsätze trotz Waffenruhe

    Parallel zu diesen Planungen kommt es trotz Waffenruhe zu regelmäßigen Schusswechseln. Die IDF teilte mit, sie habe drei Palästinenser getötet, nachdem diese die Yellow Line überschritten und sich israelischen Stellungen genähert hätten.

    Nach Angaben des Militärs identifizierten Einheiten der 188. Panzerbrigade im Süden des Gazastreifens mehrere Personen. Einer von ihnen habe versucht, Ausrüstung der IDF zu entwenden, sei geflohen und später durch einen Luftangriff auf der Hamas-kontrollierten Seite der Linie getötet worden.

    Erschütternde Szenen in Gaza: Palästinensische Zivilschützer bergen Leichen nach einem israelischen Luftangriff in Khan Yunis am 23. März 2025. Foto: Anas-Mohammed / Shutterstock

    In zwei weiteren Vorfällen im Norden des Gazastreifens eröffneten Soldaten der Nordbrigade der Gaza-Division sowie der Jerusalem-Brigade das Feuer auf Personen, die sich ihren Positionen näherten. Zwei weitere Menschen kamen dabei ums Leben, so das Militär.

    In unserer Ausgabe „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ finden Sie alle wichtigen Hintergründe zum Konflikt, die der Mainstream bewusst verschweigt. Hier mehr erfahren.

     

     

     

     

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