Vor 150 Jahren – am 5. Januar 1876 – wurde Konrad Adenauer in Köln geboren. Der erste Kanzler der Bundesrepublik stabilisierte zwar den westdeutschen Teilstaat, verhinderte aber eine frühe Wiedervereinigung Deutschlands. Unsere Spezial-Ausgabe „Die Altparteien“, aus der der folgende Auszug stammt, informiert Sie umfassend über die Politik der Etablierten in Geschichte und Gegenwart. Hier mehr erfahren.

    Antipreußisch, frankophil und in der Tradition der katholischen Zentrumspartei stehend – Konrad Adenauer war die Schlüsselfigur bei der Gründung der CDU. Diese Einstellungen sollten die Politik Adenauers, der schon von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister von Köln gewesen war, zeitlebens prägen. Mit den Menschen östlich der Elbe fand Adenauer dagegen nicht zusammen. Nach einer Anekdote hat Adenauer auf seinen Reisen durch den Osten immer die Rollos nach unten gezogen und geschimpft: „Da draußen ist Sibirien.“

    Sein rheinisches Naturell und die „kölnische Umgänglichkeit“ machten ihn dagegen zum idealen Verhandlungsführer bei den schwierigen Gesprächen mit den Siegermächten und mit Israel. Durch seine Ernsthaftigkeit und Frömmigkeit wurde Adenauer gleichzeitig für viele Deutsche zur charakterlichen Identifikationsfigur.

    Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Gemocht hat der erste Kanzler seinen Wirtschaftsminister und Amtsnachfolger nicht. Foto: CDU, Paul Bouserath, KAS, CC-BY-SA 3.0 DE

    Ein Schuss Machiavellismus war freilich unverkennbar, die Wahl zum Bundeskanzler am 15. September 1949 sicherte er sich mit einer einzigen Stimme Vorsprung – seiner eigenen. Und in den Verhandlungen mit Moskau und Ostberlin folgte er der Devise: Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb. Das machte den „Kanzler der Alliierten“ – so die Schmähung des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher – für die amerikanische Besatzungsmacht zum idealen Statthalter in der Zeit des Kalten Krieges: Der Alte war, schon aus Eigeninteresse am Machterhalt, völlig unempfänglich für alle Avancen aus dem Osten. Den von Washington geforderten Aufbau der Bundeswehr und den Eintritt in die NATO (1955) setzte Adenauer zuverlässig gegen die sozialdemokratische Opposition durch, die Kommunistische Partei ließ er 1956 gleich ganz verbieten.

    Entschieden für die Westbindung

    Diese Haltung stabilisierte zwar den Teilstaat, verhinderte aber die Einheit Deutschlands. Den Wiedervereinigungs-Vorschlag von DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl 1951 lehnte Adenauer unter vorgeschobenen Gründen ebenso ab wie den zweiten Vorstoß, die berühmte „Stalin-Note“, der im März 1953 direkt aus Moskau kam.

    Der sowjetische Diktator Josef Stalin bot Adenauer ein neutrales Deutschland an, alle fremden Truppen sollten abgezogen werden und dann freie Wahlen stattfinden. Doch als Geschenk Moskaus wollte Adenauer 1952 die Wiedervereinigung nicht akzeptieren, stattdessen setzte er auf eine Politik der Stärke an der Seite der NATO, die Bereitschaft zur militärischen Konfrontation eingeschlossen.

    Sogar das Saarland hätte Adenauer 1954/55 für eine Wirtschafts- und Währungsunion mit Frankreich geopfert, das Vorhaben scheiterte nur an der Hybris in Paris, die sich bei der anberaumten Volksabstimmung (zwei Drittel der Saarländer stimmten für die Zugehörigkeit zur Bundesrepublik) gehörig verschätzten. Trotz aller Westverbundenheit streckte Adenauer seine Fühler aber auch weiter nach Osten aus, konnte bei seinem Moskau-Besuch im Jahr 1955 sogar die Freilassung der verbliebenen deutschen Kriegsgefangenen aushandeln.

    Die verhängnisvollste Entscheidung

    Die verhängnisvollste Entscheidung der Ära Adenauer war der Beginn des Gastarbeiter-Imports. Verantwortlich dafür war Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, der zwar für seine Verdienste beim Wiederaufbau großes Ansehen im Volk genoss, jedoch vor allem die Interessen der Großkonzerne vertrat. Dies stand am Beginn der Öffnung des Arbeitsmarktes für Ausländer ab Mitte der 1950er Jahre. Betrug deren Zahl 1961 etwa 700.000, waren es 1971 schon drei Millionen. Adenauer selbst erlebte diesen enormen Zustrom an ausländischen Arbeitskräften nicht mehr mit, er starb am 19. April 1967 im Alter von 91 Jahren in Rhöndorf.

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