Der Woke-Wahn kennt keine Grenzen: Jedes Jahr gibt es Diskussionen um Lumumba – den heißen Kakao mit Rum auf unseren Weihnachtsmärkten. Als angeblich rassistisch verbannte ihn 2024 Frankfurt am Main, nun hat Mainz nachgezogen. Offenbar kennt man die Hintergründe nicht. Mit unserer Spezial-Ausgabe „Attentate des Tiefen Staates“ bieten wir Nachhilfe an. Hier mehr erfahren.
Im vergangenen Jahr teilte die Tourismus-Abteilung von Frankfurt am Main allen Standbetreibern des berühmten Weihnachtsmarktes auf dem Römerberg per „dringender Empfehlung“ schriftlich mit:
„Sollten Sie ein Getränk im Angebot haben, welches Sie als ‚Lumumba‘ bezeichnen, möchten wir Sie eindringlich bitten, den Namen zu ändern und es auf Menükarten/Getränkekarten/Schildern unkenntlich zu machen.“
Man möge das Getränk doch bitte „Kakao mit Rum/Schuss“ bzw. „(Heiße) Schokolade mit Rum/Schuss“ nennen. Denn der Begriff „Lumumba“ sei angeblich rassistisch konnotiert…
Diesem Unsinn ist jetzt auch der Mainzer Weihnachtsmarkt gefolgt. Wie der Vorsitzende der örtlichen Schausteller, Marco Sottile, gegenüber dem Lokalmagazin Merkurist erklärte, hätten sich die Standbetreiber und die Stadt Mainz in konstruktiven und einvernehmlichen Gesprächen“ darauf geeinigt.
Dabei sei die Umbenennung laut Sotille noch nicht einmal von der Stadt vorgeschrieben worden. Vielmehr stehe man im guten Austausch mit der Verwaltung und Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU). Man habe sich gemeinsam dafür entschieden, den Begriff zu streichen und das Getränk anders zu nennen, so der Vertreter der Schausteller und Marktbeschicker. Wie in Frankfurt solle nun „Kakao mit Schuss/Rum“ oder „(Heiße) Schokolade mit Rum/Schuss“ auf den Getränkeschildern stehen.
Was wirklich stimmt
Man kann sich nur an den Kopf fassen: Was bitte soll an „Lumumba“ rassistisch sein? Die Bezeichnung geht auf Patrice Lumumba zurück, den ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongos – eine Symbolfigur des antikolonialen Widerstandes, der ermordet wurde. Die Benennung des alkoholhaltigen Kakaogetränks nach seinem Namen dürfte eher als Hommage denn als Verunglimpfung gemeint sein.
Zum historischen Hintergrund: Im Jahr 2008 erschienen die Memoiren des Leiters der CIA-Mission im Kongo, Larry Devlin. Darin gibt er zu, dass er von seinem Chef, CIA-Direktor Allen Dulles, 1960 einen klaren Auftrag bekommen hatte: Ministerpräsident Patrice Lumumba müsse so schnell wie möglich beseitigt werden.

In Washington befürchtete man, der charismatische Rebell könnte sich, wie Castro in Kuba, mit den Sowjets verbünden und den Schwarzen Kontinent mit dem sozialistischen Virus infizieren. Außerdem wollten die USA nicht zulassen, dass die kongolesischen Kobaltvorkommen, die größten der Welt, nationalisiert werden – das Metall ist unter anderem in der Raketentechnologie unverzichtbar.
Devlin hatte 100.000 US-Dollar zur freien Verfügung, die er für den Aufbau eines Untergrundnetzwerkes gegen Lumumba einsetzte: negative Presseartikel lancieren, Politiker schmieren, Straßenkämpfe fördern. Als der Ministerpräsident auf einer Konferenz in der Hauptstadt Léopoldville vor afrikanischen Außenministern eine Rede hielt, initiierte der CIA-Mann Straßenrandale. Noch wichtiger: Dem Militärbefehlshaber Joseph-Désiré Mobutu gab er grünes Licht für einen Putsch gegen die Regierung – und gleich noch 5.000 US-Dollar, damit sich dieser die Unterstützung weiterer Offiziere kaufen konnte.

Zwischenüberschrift
Der Mann, den die USA zu ihrem Feind erklärt hatten, war 1925 als Élias Okit’Asombo geboren worden. Erst später nannten ihn seine Anhänger Lumumba, was „aufrührerische Massen“ bedeutet. 1958 gründete er die Unabhängigkeitsbewegung Mouvement National Congolais-Lumumba. Aus den ersten Parlamentswahlen vom 25. Mai 1960 ging die Partei als stärkste politische Kraft hervor. Als Belgien seine Kolonie am 30. Juni 1960 in die Unabhängigkeit entließ, wurde der Wahlsieger – trotz großen Widerstandes der weißen Siedler und der führenden Oberschicht des Landes – erster Ministerpräsident des nun souveränen Kongos.
Begleitend fand eine Säuberung der Armee von belgischen Offizieren statt, die einer Afrikanisierung des Militärs im Weg standen. In Massen flohen die Europäer aus dem Land, Verwaltung und Wirtschaft standen vor dem Kollaps. In der Provinz Kasai tobten Stammeskämpfe. Die ressourcenreiche Provinz Katanga erklärte unter Moïse Tschombé, unterstützt vom Bergbaukonzern Union Minière und belgischen Truppen, ihre Unabhängigkeit. Lumumbas Regierung brach die Beziehungen zu Belgien aufgrund der Hilfe für die Sezessionisten ab und bat die UN um militärischen Beistand.
Die Organisation der Vereinten Nationen im Kongo wurde ins Leben gerufen, doch zu deren Befugnis gehörten weder die Überwachung eines belgischen Abzugs noch die Rückkehr der abtrünnigen Provinz. Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten war tabu. Lumumba griff daraufhin die UN und ihren Generalsekretär Dag Hammarskjöld scharf an und ersuchte die Sowjetunion um Unterstützung, wodurch die Situation inmitten des Kalten Krieges erheblich an Brisanz gewann.
Besonders engagiert griff Moskau nicht ein, schlachtete aber den Konflikt propagandistisch aus. Lumumba weigerte sich, mit Hammarskjöld zu verhandeln, nachdem sich der UN-Generalsekretär zuvor zwar mit Tschombé, nicht aber mit ihm getroffen hatte.
Verschleppt, gefoltert, ermordet
Dann überschlugen sich die Ereignisse: Kongos Staatspräsident Joseph Kasavubu setzte am 5. September 1960 Premier Lumumba ab; der wiederum erklärte Kasavubus Amtsenthebung. Armeechef Joseph Mobutu, auf dessen Seite Kasavubu sich schlug, erklärte am 14. September Staatschef und Parlament für „neutralisiert“.
Lumumba erhielt – unter UN-Bewachung – Hausarrest. Doch in den USA wollte man ihn tot sehen, denn der charismatische Redner war lebend weiterhin eine Gefahr. So bekam Devlin aus Washington den Mordauftrag, offenbar von Präsident Dwight D. Eisenhower persönlich. Ein CIA-Agent unter dem Decknamen „Joe aus Paris“ brachte Devlin eine vergiftete Tube Zahnpasta, die er Lumumba unterschieben sollte. Doch es kam anders: Lumumba wurde nach zwei Fluchtversuchen von einem belgisch-kongolesischen Kommando nach Katanga verschleppt, gefoltert und am 17. Januar 1961 schließlich ermordet.
Und noch ein Todesfall…
Der belgische Sozialist Ludo de Witte resümiert in einer Analyse aus dem Jahr 2001, der Mord gehe auf das Konto einer von USA und UN geduldeten Allianz aus belgischer Regierung und kongolesischen Handlangern. Das trifft auf die Vereinigten Staaten sicher zu, aber in Bezug auf die UN ist es zweifelhaft. Jedenfalls wurde deren Generalsekretär Dag Hammarskjöld einige Monate nach Lumumba ebenfalls beseitigt. Er starb bei einem Flugzeugabsturz am 18. September 1961, vermutlich war die Maschine beschossen worden.
Er befand sich auf dem Weg nach Ndola im damals noch weiß regierten Rhodesien, um mit den Anführern der Katanga-Abspaltung zu verhandeln. Der UN-Generalsekretär kabelte am 15. September 1961 seinem Bevollmächtigten Ralph Bunche: „Es ist besser für die UN, zu Gesetz und Prinzipien zu stehen und darum die Unterstützung der USA zu verlieren, als als bloßer Agent zu überleben (…).“ Drei Tage später war er tot.
Rätsel um weiteren Putsch
Nach dem Putsch gegen Lumumba hielt sich Mobutu nur einige Monate an der Macht, dann setzt der immer noch amtierende kongolesische Staatspräsident Joseph Kasavubu einen neuen Ministerpräsidenten ein. Allerdings blieb Mobutu als Armeechef weiterhin der starke Mann im Kongo. Als die zweiten freien Wahlen 1965 für ihn nicht befriedigend endeten, putschte er am 24. November erneut.

Devlin behauptet, nicht einbezogen gewesen zu sein. Allerdings besprach er nur Stunden nach der erfolgreichen Machtübernahme mit Mobutu die Verteilung der Regierungsaufgaben im künftigen Kabinett und setzte zudem eine Änderung durch. Als der CIA-Mann von einem Gegenputsch erfuhr, warnte er Mobutu, woraufhin dieser die Komplottisten öffentlich aufhängen ließ.
Mobutu taufte das Land in Zaire um und blieb mit Unterstützung der USA über 30 Jahre an der Macht. Er plünderte sein Volk schamlos aus und häufte ein Vermögen von vier Milliarden US-Dollar an. Devlin machte weiter Karriere und wurde schließlich Leiter der Afrika-Abteilung der CIA. Als er 1974 den Dienst quittierte, ließ er sich in Zaire nieder und verteidigte den Autokraten bis zuletzt. In seinen Memoiren schrieb er: „Realistischerweise“ sei Mobutu „der richtige Mann zur richtigen Zeit“ gewesen.
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