Heute vor 79 Jahren löschten die Alliierten per Verfügung Preußen aus. Sie sahen hier nämlich den Kern deutschen Wesens. Damit befassen wir uns ausführlich in unserer neuen Geschichtsausgabe „Preußens Glanz“. Hier mehr erfahren.

    „Das Herz Deutschlands schlägt in Preußen. Hier liegt der Ursprung der Krankheit, die stets neu ausbricht“, erklärte Winston Churchill am 21. September 1943 im britischen Unterhaus. So schien es denn aus Sicht der Alliierten nur konsequent, dass sie diesen „Krankheitsherd“ am 25. Februar 1947 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 auslöschten.

    Der Wortlaut

    Damit setzte der Alliierte Kontrollrat den Schlusspunkt unter eine Reihe von Maßnahmen zur Entmachtung Preußens, die mit Reichskanzler von Papens Preußenschlag vom 20. Juli 1932 begonnen hatte und durch das auf Hitlers Geheiß erlassene „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ vom 30. Januar 1934 fortgeführt worden war. Lesen Sie dazu spannende Details in der COMPACT-Geschichtsausgabe „Preußens Glanz“. Hier der Wortlaut des berüchtigten Kontrollratsgesetzes Nr. 46:

    „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz: Artikel 1: Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst. (…)“

    In Artikel 2 wurde angeordnet, dass die Teile Preußens, die „der Oberhoheit des Kontrollrats unterstehen“, die Rechtsstellung von Ländern erhalten oder Ländern hinzugefügt werden sollen. Diesen Ländern mögen gemäß Artikel 3 Funktionen, Vermögen und Verbindlichkeiten Preußens übertragen werden, vorbehaltlich von der Alliierten Kontrollbehörde getroffener Abkommen.

    Doch war Preußen wirklich „Träger des Militarismus“ – und sogar Transmissionsriemen für Hitlers Politik? Oder gab es für die Besatzer vielleicht ganz andere Gründe, weshalb sie Preußen von der Landkarte und aus dem Bewusstsein der Deutschen tilgen wollten?

    Exakt hier wird es spannend. Lesen Sie weiter in unserem ganz neuen Sonderheft „Preußens Glanz. Tugend, Schwert und Krone“. Nachfolgend ein paar Stimmen zum Thema.

    Der wohl profundeste Preußen-Kenner außerhalb Deutschlands, der Historiker Christopher Clark, meinte 2007 in einem Interview: „Preußen und der Nationalsozialismus standen in einem absoluten Gegensatz. Preußen steht für die Hoheit des Staates, für die Idee, dass der Staat die gesamten Interessen der Zivilgesellschaft in sich aufnimmt. Für die Nazis war das unvorstellbar, sie wollten ein völkisches Gebilde an die Stelle des Staates setzen.“

    Annäherungen an Preußen

    Der konservative Publizist Reinhold Wulle, der von den Nationalsozialisten ins KZ Sachsenhausen gesteckt und von den Alliierten nach dem Krieg mit einem politischen Betätigungsverbot belegt wurde, fasste seine Vorstellung von Preußentum 1935 in die Worte: „Preußentum ist eine Haltung geworden, ein Lebensstil, eine Ausdrucksform des Deutschtums, ist ein ewiges Bereitsein, ein ewiges Gefährdetleben.“

    Und weiter: „Es ist ein Auftrag, der nie zu Ende geht, der jeden Tag neu geboren wird. Nicht der Erfolg der Arbeit als Ruhm oder Genuss bestimmen das Leben, sondern der Rang. Der Lohn für Pflichterfüllung ist die Rangerhöhung, die Erhöhung der Verantwortung. Der Preuße nimmt die Arbeit als Auftrag und nicht als Last. Die Preußen tragen des Königs Rock. Welch eine Staatsauffassung liegt in diesem Wort. Diener des Staates sind alle, und der König ist der erste. Es ist eine Gemeinschaft, dieses Volk, ein ‚Wir‘.“

    Ähnlich schrieb bereits 1919 der berühmte Kulturphilosoph Oswald Spengler in seinem Werk Preußentum und Sozialismus: „Hier steht nicht jeder für sich, sondern alle für alle. Maximum und Minimum des überpersönlichen sozialistischen Staatsgedankens, Staat und Nichtstaat, das sind England und Preußen als politische Wirklichkeiten. Jeder für sich: das ist englisch; alle für alle: das ist preußisch.“

    Ernst von Salomon in seinem berühmten Fragebogen: „Es gibt keinen Augenblick preußischer Geschichte, in welchem sich nicht, wer immer für Preußen verantwortlich war, mit dem Staate, mit der Idee des Staates befassen musste. Preußen hat jeden Tag vor harten Wirklichkeiten gestanden. Die Gefährdung war ebenso ungeheuer wie die Aufgabe. Da war ein Geheimnis um Preußen, welches eine so große Reihe von Dokumenten entstehen ließ, zu denen es sich wohl bekennen lässt, und die alle von dem eigentümlichen Bewusstsein der Pflichten handeln, durch die allein die innere, auf sich selber ruhende Ordnung zu gründen ist. Preußen hat den Staat gelebt.“

    Und dann: „Dies ist das Erstaunliche: Das preußische Staatsgefühl hatte dem Einzelnen nichts zu bieten als strenge Forderungen. Es verlangte vom Könige, der erste Diener des Staates zu sein, es wertete niemals Absichten, immer nur Leistungen, es wahrte nicht Interessen und Vorteile, sondern Ideen und Formen, es achtete nicht auf den Erfolg, sondern auf die Erfüllung.“

    Theodor Heuss: „Ein schwerer Schlag“

    Theodor Heuss, der erste Bundespräsident der BRD, schrieb 1947 in einem Brief an den preußischen Kronprinzen Wilhelm: „Die Auflösung Preußens ist ein schwerer Schlag für die deutsche Geschichte und Kultur. Es ist ein Stück unserer Vergangenheit, das unwiederbringlich verloren ist. Ich denke an die großen Zeiten Preußens, an die Zeiten Friedrichs des Großen, an die Befreiungskriege, an Bismarck und die Einigung Deutschlands. Es ist ein Stück unserer Seele, das mit Preußen stirbt.“

    Im COMPACT-Sonderheft „Preußens Glanz“ wird auf spannende Art und Weise dokumentiert, warum die Alliierten am Ende nicht siegten und wie sich der preußische Funke bis heute halten konnte. Hier bestellen.

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