Heute vor 110 Jahren wurde Frankreichs langjähriger Präsident François Mitterrand geboren. Aus diesem Anlass erinnern wir heute an eine Begebenheit, die Armin-Paul Hampel, früher Parlamentskorrespondent des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin, für COMPACT zu Papier gebracht hat. Die neueste Kolumne aus seiner Feder finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe mit dem Titelthema „Gestohlene Wahl“, der Oktober-Ausgabe von COMPACT. Hier mehr erfahren.
_ von Armin-Paul Hampel
Zu den Tagen des Mauerfalls spielte Präsident François Mitterrand geradezu vierhändig auf dem politischen Klavier, um aus dem deutschen Einigungsprozess das Maximum für sein Land herauszuschlagen. Hellhörig machte mich schon im Frühjahr 1988 eine Äußerung seines Vertrauten und damaligen EG-Präsidenten Jacques Delors mir gegenüber in Brüssel. „Die Deutschen werden wieder ein Land werden wollen, und diesmal werden keine sowjetischen Panzer mehr rollen.“ Hui, ging es mir durch den Kopf, die „amis français“ sind aber fix im Vorausdenken.
Vergebliches Bemühen um Antideutsche Allianz
Dabei startete Frankreichs Abwehrschlacht gegen die Wiedervereinigung erst mal mit einer vehementen Fehleinschätzung. Mitterrand begab sich in jenen Tagen nach Moskau, Prag und Warschau, um die Möglichkeiten einer antideutschen Allianz zu sondieren. Höhepunkt seiner Reisen war dann sein Staatsbesuch in Ostberlin und Leipzig zu Jahresende 1989 – nicht abgesprochen mit Bonn. Helmut Kohl tobte.

Wohl auch deshalb ließ er später bei der Pressekonferenz nach seinem „Privattreffen“ mit Mitterrand im Freihaus Brenner über dem Tegernsee mehrfach meine Fragen zu. Ich nutzte die Chance und grillte den Präsidenten ob seiner anachronistischen Einkreisungsversuche, die meiner Meinung nach nur noch Vergangenheitspolitik waren. Mitterrand versuchte sich herauszureden.
Hinter mir in der Pressekonferenz saßen die französischen TV-Kollegen und amüsierten sich köstlich, dass ihr François so in die Mangel genommen wurde. „Encore une question“ – Los, noch eine Frage –, zischte es von hinten. In Mitterrands Antworten aber erkannte ich, dass der Sozialist längst einen Kurswechsel vollzogen hatte. Seiner Erkenntnis, dass er, selbst zusammen mit den Briten, die deutsche Einheit nicht aufhalten konnte, folgte der Wunsch, den Preis für das französische Oui möglichst hochzutreiben. Und das gelang ihm perfekt.
„Das ist wie Versailles ohne Krieg“
Deutschland, das zuvor noch nach einer gemeinsamen Atomwaffenpolitik gestrebt hatte, gab dieses Anliegen auf. Ebenso ließ man den Wunsch der Heimatvertriebenen fallen, die Frage der Ostgebiete offenzuhalten, und garantierte die Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze. Krönung des Ganzen war dann Kohls Zustimmung (von Außenminister Genscher geschickt vorbereitet) zur Schaffung der Währungsunion und der Einführung des Euro. Damit hatte Mitterrand Deutschland die europäischen Fesseln angelegt. In Paris kommentierte ein Blatt: „Das ist wie Versailles ohne Krieg – die Deutschen zahlen.“
In den Jahren danach ging der Raubzug weiter. Wer erinnert sich noch an den großen deutschen Pharma-Riesen, die Hoechst AG in Frankfurt? Heute ist der Laden Französisch und heißt Sanofi-Aventis. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie kam zeitweise mit ESA und Airbus vollständig unter französische Kontrolle. Bei einem Sommerempfang traf ich unlängst auf einen französischen Finanzinvestor und Fondsmanager. Wir tauschten Erinnerungen aus. „Mitterrand galt zwar als extrem korrupt“, sagte er, „aber was war das für ein Top-Player in der Politik.“ Alles für Frankreich eben!
Die neueste Kolumne aus der Feder von Armin-Paul Hampel finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe mit dem Titelthema „Gestohlene Wahl“, der Oktober-Ausgabe von COMPACT. Hier bestellen.




