WikiLeaks-Gründer Assange: Er leidet – obwohl Schweden nicht mehr wegen Vergewaltigung ermittelt

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Die Lage für den in britischer Haft befindlichen Whistleblower und Wikileaks-Gründer Julian Assange bleibt weiter äußerst schwierig. Er sitzt nach wie vor in einer Zelle im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh bei London und muss fürchten, in die Vereinigten Staaten ausgeliefert zu werden, wo ihm schlimmstenfalls die Todesstrafe droht.

Am 11. April 2019 war Assange von britischen Sicherheitskräften in der Botschaft Ecuadors festgenommen und aus dem Gebäude getragen worden. Damals waren Kamerateams zur Stelle. Mitarbeiter der Enthüllungsplattform WikiLeaks hatten aus dem südamerikanischen Land Hinweise über eine bevorstehende Verhaftung bekommen, und so wurde der Abtransport von Assange zum Medienereignis.

Assange in sehr schlechter körperlicher Verfassung

Viele Fernsehzuschauer dürften sich erschrocken haben, als sie sahen, in welcher Verfassung sich die Gallionsfigur von WikiLeaks befindet – und sich vermutlich auch die Frage gestellt haben, ob das nun wirklich der „Staatsfeind Nummer Eins“ der Weltmacht USA sein kann. Schon in jungen Jahren hatte Assange schlohweißes Haar, doch nun wirkte er auch insgesamt körperlich stark angegriffen und gealtert.

Ein US-amerikanischer Mediziner hatte schon im vergangenen Jahr bei einer Untersuchung in London „irreparable“ gesundheitliche Schäden diagnostiziert, die durch das jahrelange Leben auf engstem Raum zurückzuführen sind. Im Frühsommer vor sieben Jahren hatte Assange in der Londoner Botschaft Ecuadors Asyl erhalten, nachdem er sich in Großbritannien zwischenzeitlich in Untersuchungshaft befunden hatte.

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Der Australier war innerhalb weniger Jahre von einem Star der internationalen Medienszene zu einem Gejagten geworden, nachdem er brisante Dokumente verschiedener US-Behörden veröffentlicht hatte. 2010 war Assange von der französischen Tageszeitung Le Monde zum „Mann des Jahres“ gekürt worden und hatte ein Jahr später die Goldmedaille der Sidney Friedensstiftung erhalten.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks, hinter der Assange für lange Zeit als treibende Kraft stand, hatte den „New Media Award“ der renommierten britischen Wirtschaftszeitung Economist sowie den Internationalen Medienpreis von Amnesty International gewonnen.

Vielleicht wäre der Australier bis heute ein begehrter und mit Preisen überhäufter Medienstar geblieben, wenn WikiLeaks nicht im April 2010 die Aufnahmen einer Bordkamera eines US-Kampfhubschraubers veröffentlicht hätte. Sie zeigen, wie am 12. Juli 2007 US-Soldaten in Bagdad von ihrem „Apache“-Helikopter aus ohne jeden Anlass eine Gruppe Zivilisten mit ihrer 30-Millimeter-Bordkanone niedermähten und kaltblütig ermordeten.

US-Kriegsverbrechen wurden öffentlich gemacht

Doch damit war dieses Kriegsverbrechen noch nicht beendet, denn später eröffnete der Hubschrauber auch noch das Feuer auf eine Gruppe von Männern, die einem Verletzten zu Hilfe kommen wollten, und die ebenfalls getötet wurden. Zwei kleine Mädchen, die sich in dem Jeep der Helfer befunden hatten, wurden bei diesem Massaker schwer verletzt.

Unter den insgesamt zwölf Toten befand sich auch der damals gerade 22-jährige Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters, Namir Noor Eldeen, sowie dessen Fahrer Said Chmagh. Reuters hatte jahrelang erfolglos versucht, die Überwachungsvideos des Helikopters zu erhalten, war dabei jedoch immer abgewimmelt worden.

Assange verglich die Publikation der Dokumente mit der Öffnung der Stasi-Archive der ehemaligen DDR und legte weitere drei Monate später mit den Iraq War Logs nach. Diese Veröffentlichung über den US-Krieg im Irak in den Jahren 2004 bis 2009 umfasste beinahe 400.000 Dokumente. Sie legte unter anderem Folterungen durch mit den USA verbündete irakische Sicherheitskräfte offen und thematisierte die hohe Zahl ziviler Opfer an vom US-Militär kontrollierten Straßensperren.

Von Schweden nach London

Die Süddeutsche Zeitung bemerkte mit Blick auf die Irak- wie auf die Afghanistan-Papiere: „In beiden Fällen handelt es sich um authentische Berichte von der Front, um extreme Nahaufnahmen des Krieges, bei der keine einzelne Information völlig neue Erkenntnisse bietet, aber ein Mosaik des Konflikts von hoher Detailschärfe entsteht.“

Noch immer agieren die USA in Deutschland häufig wie eine Besatzungsmacht. Als vor einigen Jahren der NSA-Skandal aufflog, da wurde deutlich, dass potentiell alle Deutschen inklusive der Kanzlerin und der Bundesregierung zu den bevorzugten Abhörobjekten US-amerikanischer Geheimdienste zählen. Lesen Sie mehr zu diesem Thema in Compact-Spezial 6 „Ami go home! – Wie uns NSA, CIA und Army besetzt halten“.

Assange ging es erklärtermaßen um eine Änderung der öffentlichen Meinung zu den Kriegen in Zentralasien und im Mittleren Osten, die er mit seinen Veröffentlichungen wohl auch tatsächlich bewirkte.

Der Australier lebte zu dieser Zeit schon in ständiger Angst vor diversen Geheimdiensten und hielt sich in Schweden auf, weil er der Auffassung war, dass in dem skandinavischen Land die Pressefreiheit besonders gut geschützt werde. Im August 2010 erließ eine schwedische Staatsanwaltschaft aber Haftbefehl gegen Assange wegen sexueller Nötigung, der wenig später aufgehoben, im Dezember 2010 aber erneuert wurde.

Da hielt der Whistleblower sich schon in Großbritannien auf. Er war nun ständig mit juristischen Auseinandersetzungen beschäftigt, und auch frühere Mitarbeiter setzen sich von ihm ab und warfen ihm Größenwahn sowie einen autoritären Führungsstil vor. Als im Juni 2012 sein Einspruch gegen die vom britischen High Court angeordnete Abschiebung nach Schweden abgewiesen wurde, flüchtete er sich in die Londoner Botschaft des südamerikanischen Staates Ecuador – und saß hier nun wie in einer Mausefalle für knapp sieben Jahre fest.

Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens wegen Vergewaltigung durch die schwedische Staatsanwaltschaft klingt wie eine gute Nachricht für den leidgeprüften Whistleblower, hilft diesem aber auch nicht gerade viel. Sein Hauptproblem bleibt, dass die Supermacht USA ein Exempel an ihm statuieren will – koste es was es wolle.

Erst jüngst äußerte Nils Melzer, der UN-Sonderberichterstatter für Folter, nach einem Besuch bei Assange, dass dessen Haftbedingungen „fundamental inhuman“ sind und der Whistleblower „alle Symptome eines Menschen“ zeige, der „länger psychischer Folter“ ausgesetzt gewesen sei.

Der Gefangene von Belmarsh kann nur darauf hoffen, dass die Weltöffentlichkeit ihn nicht vergisst, denn deren Aufmerksamkeit ist wohl der einzige Trumpf, den er noch im Ärmel hat.

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18 Kommentare

  1. Avatar

    Das Imperium agiert immer wie ein Imperium…die USA sind keine grossartige Demokratie sondern ein Regime was um seine Vorherrschaft kämpft. Nicht alles was aus den USA gekommen ist ist schlecht gewesen, aber als Vorbild für eine Weltordnung haben sie völlig versagt sie haben kaputte Gesellschaften und eine widerliche egoistische Giergesellschaft geschaffen, die leider auch China und Russland infiziert haben…….deren Eliten sind nämlich leider genauso kaputt und Selbstbereichernd…von daher teile ich auch keine schwarzweiss Spaltungsmuster….die alle bedienen. Links und Rechts ist nicht meine Kategorie. Wir 99,9% müssen die oberen 10.000 in den Arsch treten….und zuminestens die klassenlose Gesellschaft wieder ins Gespräch bringen….gewisse Unterschiede sind okay…aber nicht die der Neoliberalismus die letzten 35 Jahre geschaffen hat.

    Assange ist in Großbritanien und damit am Arsch. Er hätte mehr Sicherheitsüberlegungen anstellen müssen……..und Finger weg von (linken) Weibern die NGO CIA Kontakte haben.

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    Die Trennlinie zwischen Pfeifenbläser und Verräter ist haarfein,hoffentlich hat er sich da nicht geirrt.

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    Was denn nun? Sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung? Ist doch nicht das Selbe! Schweden,lupenreine Gynokratie hat da groteske Gesetze,wahrscheinlich hatte er zu lange auf die unbedeckten Waden eines Weibes gestarrt.

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      heidi heidegger am

      ein uneinvernämlicher Zungenkuss kann juristisch bereits eine Penetracion bedeuten, ja?

      Da fällt mir der Schauspieler Klaus "Ihr Ostweiber braucht und wollt das so!" Löwitsch ein: mit fünf komma dings Promille grapschte der *bewiesenermassen* rum (2 Backpfeifen inkl.) und wurde wg. (fahr)lässigem Vollrausch verknackt und verzichtete ein Jahr vor seinem Tod 2002? auf Berufung, achach..Die Richterin und 2 Schöffinnen am Amtsgericht wollten es so nach fünf Stunden Beratung, und das Opfer war die frische Witwe eines bekannten DDR-Mimen (Arno Wyszniewski).

      — Der 65-jährige Löwitsch, der als Charakter für Macho-Typen bekannt wurde, zeigte sich mal genervt, mal locker plaudernd. "Ich bin ein kleiner Mann, sensibel und eitel", sagte er. Nicht besonders hübsch sei er, aber prominent. "Ich würde mich nie einer Frau nähern, wenn sie das nicht möchte", erklärte der Angeklagte und gab seiner rauen Stimme einen beschwörenden Unterton..– tagesspiegel

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        heidi heidegger am

        Soki, verdränge bitte nix, wannsd magst und beichte uns:

        [ Sokrates am 19. November 2019 23:41 Hm,statt Rap-Schund, egal von Rechts o. Links, würde Ich lieber ein ganz anderes Lied hören.Aber das kann man in diesem Land nur unter der Bettdecke hören. ]

        Handelt sich datt um die Giovinezza („Jugend“, eigentlich Inno Trionfale del Partito Nazionale Fascista) ..stammt von einem unpolitischen Lied aus der 1909 von Nino Oxilia oder um *hängt den äh dem aaadolf den Nobelpreis um und hisst die roohdé Fahne (hanseatisch prononciert) hisst die roohdé Fahne mit dem hknkrz* usw. usw., häh?

        Was glaubse watt ick und mein Nachbar&Saufkumpel (aus den Abruzzen) alles so rausschmettern, wenn wir angsoffen SPD-Redner im BT auf phoenix äh übertönen (müssen!), denn sonst wirste irre, hihi. Grüßle!

        Giovinezza, Giovinezza,
        Primavera di bellezza/*bell-ehe-he-zza* (Frühling der Schönheit)..pure Poesie! aber polit. missbraucht, achach..

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        Nee, Vergewaltigung ist Immissio Penis,alles andere nur sexuelle Nötigung (mit übertrieben hohem Strafrahmen,m.E.).

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        heidi heidegger am

        oh Herr, n o c h eine Witwe mit knusprigen Scheinchen versteckt (im Deckel) ihrer – lel- Zuckerdose? Nein, da sprach Robert "The Man" Mitchum aus mir/FilmZitat..ich wollte nur danksagen, Soki. weitermachäään! 🙂

  4. Avatar

    Gerüchte besagen, dass Trump E-Mails von Wilileaks nutzte, um im letzten Wahlkampf Clinton zu untergraben. Die dokumentierten Kriegsverbrechen belasten allesamt die Demokraten, die seinerzeit an der Regierung waren.

    Warum also sollte Assange in den USA mit dem Tode bestraft werden?

    Vielleicht sollte Trump Assange kontaktieren, um weiteres belastendes Material über die Machenschaften Obamas oder die Bidens zu erhalten. Vielleicht hat er es auch schon und wartet auf die passende Gelegenheit. Zuzutrauen wäre es ihm. Die Sicherheit, mit der er die aktuellen Vorwürfe kommentiert, lassen ein As im Ärmel vermuten.

    Für Assange könnte eine Auslieferung an die USA eine interessante Option darstellen, wenn Trump wiedergewählt würde. Vielleicht zögert Großbritannien deshalb noch.

    Nach den Neuwahlen im Dezember könnte allerdings auch dort ein anderer Wind wehen.

    Warten wir’s ab.

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      Kann es sein,daß jene Kandidaten hier,die gewohnheitsmäßig übermäßig viel Raum mit Leerzeilen, Absätzen oder Zeilenverkürzungen besetzen, die inhaltliche Dürftigkeit ihrer Beiträge kompensieren wollen?

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      heidi heidegger am

      Gerüchte besagen -rumour has it- wie der Franzmann sagt! *gackerschnatter*..warschonalles, aukidauki+Grüßle!

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    Liefert man Assange an die Amis aus wird die Todesstrafe wahrscheinlich sein kleinstes Problem sein.

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    Diese sogenannten ach so humanen Staaten und diese heuchlerischen verbrecherischen pseudodemokratischen Politiker, die sie repräsentieren haben den wahren und einzigen Sinn einer Gefängnisstrafe noch nie verstanden.

    In deren Augen geht es bei einer gerichtlich ermessenen Strafe wirklich um die die Bestrafung des Täters und bei nicht wenigen sogar um die Befriedigung von Rachegefühlen. Wobei das Erste noch knapp nachvollziehbar wäre, das Zweite allerdings so ein schäbiger Dreck ist, wie ihn nur kleingeistige Gutmenschen mit äußerst engen Horizont fordern können.

    In Wirklichkeit muß es bei der Bestrafung eines Täters einzig und allein darum gehen mit angemessenen Strafen einen Abschreckungseffekt zu erzielen, so daß die Gesellschaft in Zukunft vor Nachahmern geschützt wird. Mit dem -nicht erst seit 2015 ff.- deutschen Doppelstandart in der Deutschen Justiz wird genau das Gegenteil erreicht.

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      Gerüchte besagen, dass Trump E-Mails von Wilileaks nutzte, um im letzten Wahlkampf Clinton zu untergraben. Die dokumentierten Kriegsverbrechen belasten allesamt die Demokraten, die seinerzeit an der Regierung waren.

      Warum also sollte Assange in den USA mit dem Tode bestraft werden?

      Vielleicht sollte Trump Assange kontaktieren, um weiteres belastendes Material über die Machenschaften Obamas oder die Bidens zu erhalten. Vielleicht hat er es auch schon und wartet auf die passende Gelegenheit. Zuzutrauen wäre es ihm. Die Sicherheit, mit der er die aktuellen Vorwürfe kommentiert, lassen ein As im Ärmel vermuten.

      Für Assange könnte eine Auslieferung an die USA eine interessante Option darstellen, wenn Trump wiedergewählt würde. Vielleicht zögert Großbritannien deshalb noch.

      Nach den Neuwahlen im Dezember könnte allerdings auch dort ein anderer Wind wehen.

      Warten wir’s ab.

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