Gestern hatten die Medien endlich wieder einen Skandal: Heino hatte der NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) eine frühe Aufnahme von sich geschenkt. Aber auf dem Tonträger soll sich auch NS-Liedgut befinden. Sofort distanzierte sich die Ministerin von dem Geschenk. Jetzt verteidigt sich der Volkssänger. An mündige Leser:  Überprüfen Sie beide Argumentationen anhand des Originaltextes. Urteilen Sie selber!

    Armer Heino. Nachdem er vor fünf Jahren die Rock-Spießer der Nation gegen sich aufbrachte, weil er so dreist war, eine Cover-Version von deren Songs herauszubringen, hat er jetzt den gesamten politischen Hühnerstall der pseudo-roten Republik aufgewirbelt. Nur – diesmal hat er es unfreiwillig getan.

    Heino rockt gegen die 68er-Spießer. COMPACT-Cover März 2013

    Wie konnte der Volkssänger aber auch ahnen, dass Hitler für Linksliberale der größte Kulturkritiker aller Zeiten (GröKul) war und ist? Nichts von dem Kulturgut, was der braune Diktator einst für sich beansprucht hatte, wird ihm wieder weggenommen. Nein, man geht völlig selbstverständlich davon aus, dass der GröKul es sich zu Recht angeeignet habe. Egal, ob es sich um Richard Wagner, germanische Mythologie oder eben Volksmusik handelt.

    Anstatt ihm, wie es der linke Philosoph Ernst Bloch versucht hat, das beanspruchte Kulturgut wieder wegzunehmen, ihm die Legitimität der Vereinnahmung abzusprechen, schenkt man ihm das Geraubte, lange nach dessen Tod, ein zweites Mal. Selbst im Zweifelfalle gehört es ihm. Dem braunen Führer hätte soviel Devotheit, wie ihm Linksliberale und Antifanten heute entgegenbringen, bestimmt gefallen.

    Der neueste Knaller: Heino (79) sucht die nordrhein-westfälischen Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) auf und schenkt ihr eine seiner Uraltplatten, „Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder” (1981). Kurz darauf distanzierte sich die Ministerin von dem Geschenk. Begrüdung: Einige darin aufgenommene Lieder seien auch bei der SS beliebt gewesen.

    Die erste Frage hätte doch lauten müssen: Waren diese Songs zu Recht bei diesen Typen so beliebt? Spegeln sie wirklich eindeutig deren braune Gesinnung wider? Oder wurden die Songs zu Unrecht vereinnahmt? Eine solche Frage hätte natürlich ausgiebige Konsultierung von Fachleuten verlangt. Viel zu aufwändig! Hysterisches Geschrei ist doch viel leichter. Zumal eine „Heimatministerin“ ohnehin unter Dauerverdacht stehen dürfte, ein Herz für Braunes zu besitzen. Da ist lautstarkes Distanzieren bestimmt von Nutzen.

    Heute schoss Heino in der Bild-Zeitung zurück: „Wenn man danach sucht, findet man immer ein Lied, das missbraucht worden ist” Und: „Die Lieder können doch nichts dafür, wenn sie instrumentalisiert worden sind.” Besonders umstritten ist derzeit das „Treuelied“ von 1814 auf der Platte. Das wurde allerdings nicht nur von der SS, sondern auch vom Widerstand gesungen. Waren die Widerständler also ebenfalls Nazis, weil sie das “Treuelied” auch gesungen haben?

    Heino betont, vor der Aufnahme seien Historiker konsultiert worden, „die haben gesagt, das sei in Ordnung.” Der Text basiert auf einem Gedicht des Romantikers Novalis (Nein! Kein Vorläufer von Hitler!). Es sei an dieser Stelle vollständig zitiert. Wir apellieren an die mündigen Leser, unabhängig vom politischen Lager: Urteilen Sie slebst über dieses Studentlied: Wurde es zu Recht von den braunen Horden okkupiert oder nicht?

    Wenn alle untreu werden

    Max von Schenkendorf, 1814

    1. Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu,
    Daß immer noch auf Erden für euch ein Fähnlein sei.
    Gefährten unsrer Jugend, ihr Bilder beßrer Zeit,
    Die uns zu Männertugend und Liebestod geweiht.

    2. Wollt nimmer von uns weichen, uns immer nahe sein,
    Treu wie die deutschen Eichen, wie Mond und Sonnenschein!
    Einst wird es wieder helle in aller Brüder Sinn,
    Sie kehren zu der Quelle in Lieb und Reue hin.

    3. Es haben wohl gerungen die Helden dieser Frist,
    Und nun der Sieg gelungen, übt Satan neue List.
    Doch wie sich auch gestalten, im Leben mag die Zeit,
    Du sollst uns nicht veralten, o Traum der Herrlichkeit.

    4. Ihr Sterne seid uns Zeugen, die ruhig niederschaun,
    Wenn alle Brüder schweigen und falschen Götzen traun.
    Wir woll’n das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich,
    Woll’n predigen und sprechen vom heil’gen deutschen Reich!

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