Erschütternd: Gerhart Hauptmanns Nachruf auf das bombardierte Dresden

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„Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens“, schrieb der große Dramatiker Gerhart Hauptmann, nachdem er selbst die alliierten Bombenangriffe erlebt und nur durch Glück überlebt hatte. COMPACT hat in diesen Tagen ein Sonderheft zu den „Verbrechen an Deutschen. Vertreibung, Bombenterror, Massenvergewaltigungen“ veröffentlicht. Auch den fürchterlichen und sinnlosen Angriffen auf Dresden 1945 ist ein Kapitel gewidmet. Hier bestellen.

Gerhart Hauptmann (1862-46) war einer der wichtigsten Dramatiker des Naturalismus. Bis heute gehört sein Drama „Die Weber“ zu den erschütterndsten Schilderungen menschlichen Elends, Ausbeutung und verzweifelter Revolte. Die Uraufführung 1893 glich einem Erdbeben. Das Drama „Vor Sonnenuntergang“ (1932) galt Einar Schleef als perfekte Darstellung jener Untergangsstimmung, die den Aufstieg des Nationalsozialismus ermöglichte. Hauptmann verstand sich selbst als überparteilichen Dichter, bis er 1934 mit der Novelle „Das Meerwunder“ (1934) eine kaum verkappte Absage an die braune Diktatur publizierte.

Wir haben es bei Gerhart Hauptmann also keineswegs mit einem Nazi-Sympathisanten zu tun. Deshalb ist sein Artikel über die Bombardierung Dresdens auch frei von Regimepropaganda, Durchhalte-, Revanche- oder Hassparolen. Er ist pure Schreckensbekundung eines alten Mannes, der sich während des Angriffs in einem Gartenhaus im Stadtteil Wachwitz aufhielt. Dieser kurze Text, wenige Tage später unter dem Titel “Die Untat von Dresden” in Rundfunk und Print verbreitet, wurde von Hauptmann selbst “Wer das Weinen verlernt hat…” betitelt.

„Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens. Dieser heitere Morgenstern der Jugend hat bisher der Welt geleuchtet. Ich weiß, daß in England und Amerika gute Geister genug vorhanden sind, denen das göttliche Licht der Sixtinischen Madonna nicht fremd war und die von dem Erlöschen dieses Sternes allertiefst getroffen weinen. Und ich habe den Untergang Dresdens unter den
Sodom- und Gomorrha-Höllen der englischen und amerikanischen Flugzeuge persönlich erlebt.

Wenn ich das Wort ,erlebt‘ einfüge, so ist mir das noch wie ein Wunder. Ich nehme mich nicht wichtig genug, um zu glauben, das Fatum habe mir dieses Entsetzen gerade an dieser Stelle in dem fast liebsten Teil meiner Welt ausdrücklich vorbehalten. Ich stehe an Ausgangstor meines Lebens und beneide alle meine toten Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist.

Ich weine. Man stoße sich nicht an das Wort “Weinen”: die größten Helden des Altertums, darunter Perikles und andere haben sich seiner nicht geschämt. Von Dresden aus, von seiner köstlich-gleichmäßigen Kunstpflege sind herrliche Ströme durch die Welt geflossen, und auch England und Amerika haben durstig davon getrunken. Haben Sie das vergessen?

Ich bin nahezu dreiundachzig Jahre alt und stehe mit meinem Vermächtnis vor Gott, das leider machtlos ist und nur aus dem Herzen kommt: es ist die Bitte, Gott möge die Menschen mehr lieben, läutern und klären zu ihrem Heil als bisher.”

COMPACT hat in diesen Tagen ein Sonderheft zu den „Verbrechen an Deutschen“ veröffentlicht. Auch den fürchterlichen und sinnlosen Angriffen auf Dresden 1945 ist ein Kapitel gewidmet. Für Infos und Bestellung auf das untere Banner klicken:

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17 Kommentare

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    Heinrich Wilhelm am

    Z.B. wurde die deutsche Beteiligung in Afghanistan in zwei Abstimmungen
    am 16. November und 22. Dezember 2001 auf Antrag der von Bundeskanzler
    Gerhard Schröder (SPD) geführten ROT-GRÜNEN Bundesregierung beschlossen.
    Kann man allenthalben nachlesen…
    DIE haben solche Scheißideen!

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    Gerade die Generation des ausgehenden 19.Jhs. konnten von der Tech nicht lassen! Die Nazis auch nicht, die konnten von Tech nicht genug bekommen! Und sie bekamen von ihren Gegnern mittels Tech die Niederlage serviert. Hauptmann selber gehörte wohl zu den Kritikern dieser Entwicklung, hat sie aber nicht konsequent in der Einführung von zu viel Tech gesehen!
    Die Hochkulturen der Antike haben Tech nur da eingesetzt, wo durch sie keine Arbeitskräfte "freigestellt" wurden. Die Zivilisation des Mittelalters haben jeden, der etwas Neues erfunden hat erst mal aus dem Verkehr gezogen und diese Neuerung gründlich geprüft, ehe man sie zugelassen hat.
    Der große GAU kam mit den reformierten Kirchen, die sagten, daß der (wirtschaftlich!) Erfolgreichste den maximalen Segen Gottes habe! Gleichzeitig schaffte man das Zinsverbot ab, ermöglichte so den (Manchester-) Kapitalismus!
    Die Naturalisten haben damals genausowenig erkannt, daß man die Tech zuerst bekämpfen muß, wie heute die Greta-Jugend! Die fangen auch nicht damit an, die mobile Kommunikation für sich abzuschaffen! Dabei verbraucht gerade die gut ein Drittel aller Elektrizität und macht die Menschen unfrei!
    Naturalismus ohne praktizierte Ablehnung von Tech führte zur NS, heutiger Umweltfanatismus ohne praktizierte Ablehnung von Tech …. ?

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    Sehr gut, daß das Thema Dresden und allierte Kriegsverbrechen an Deutschen von COMPACT aufgegriffen wird.

    Zu den Kommentatoren hier, die Herrn Hauptmann zu wenig Mitgefühl mit den Opfern der Terrorbomber ankreiden, möchte ich bemerken, daß da ein Mensch im Schock spricht, noch fassungslos, daß er sich nach tagelangem Schrecken und Todesgefahr dennoch am Leben findet. Zudem richtete sich dieser Text an Menschen, die jahrelange Bombardierungen, Zerstörung und Tod überlebt hatten. Diese Menschen wußten bescheid; und sie waren, einfach um überleben zu können in Elend, Verlust und ständiger Todesgefahr, innerlich verhärtet und abgestumpft, wie es immer ist in solchen Zeiten. Da bildet die mutwillig zerstörte Kulturstadt Dresden für die Zeitgenossen ihre eigenen erlittenen Zerstörungen wahrscheinlich am eindringlichsten ab.
    Für uns Wohlstandsweicheier hätte der Herr Hauptmann sicher anders schreiben müssen.

    Augenzeugenberichte zur Zerstörung Dresdens finden sich in: "Höllensturm – Die Vernichtung Deutschlands, 1944-1947. Von Thomas Goodrich. 2015. (Hellstorm – The Death of Nazi Germany, 1944-1947. By Thomas Goodrich. 2010). Umfangreiche Darstellung mit zahlreichen Augenzeugenberichten, alles mit Quellen belegt.

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      Meine Mutter erlebte als Funkerin für die Flugabwehr die Zerstörung Dresdens per Funk mit. Sie berichtete, daß die Angriffswellen der alliierten Bomber so getaktet waren, daß sie genau dann kamen, wenn Feuerwehren und Rettungskräfte aus immer weiteren Entfernungen in Dresden eintrafen. Da steckte System hinter.

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      Nachtrag:
      Das Buch von Thomas Goodrich (dt. und engl.) gibt es nur bei Amazon. Der deutsche Buchhandel kennt es nicht.

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    Gernulf Schalow am

    Die damaligen Finanzeliten in London waren die Voraussetzung für die Kriegserklärung an Deutschland. Das engl. Parlament und das englische Volk sollen davon erst apäter erfahren haben. Auch die Durchführung und die Kriegslänge waren wieder interessenbedingt von den Finanzeliten gesteuert.
    Erschütternd die erkennbare Unkenntnis bei den Schriftstellern.
    Mein Vater hatte in meinem Beisein dem Installateur 1940 für die zu gießende Betonbunkerdecke begründend mitgeteilt: "Ab 1942 sind die Bomber über Berlin." Mein Vater war 1937 aus der Partei hinausgeworfen worden ob seiner eigenen Schwerpunktbildung als Blockwart in der Hufeisensiedlung und erst zu Kriegsbeginn in der Pionierausbidung für den Pontonbrückenbau und mit der Planung eines Ausbildungsfliegerhorstes in einen kleinen Verdienst gekommen. Aber gewußt hatten die Akademiker die Gründe und den zu erwartenden Kriegsverlauf durchaus.
    Ich war während der Bauaufsichtstätigkeit zum Fliegerhorstbau Schönwalde in einem Generalsmantel zum Richtschützen ausgebildet worden und hatte, so hat mir das später die Industrie bestätigt, das Vermögen, so manche Fliegende Festung vor Berlin vom Himmel zu holen. – Meine Mutter war Schuld: Sie hatte mich zwei Jahre zu spät geboren. Wir durften erst ab acht Jahre nachts an die Kanone (Euklid, zwei Flakstellungen). Der Generalsmantel, weil in der Kleiderkammer 1940 kein feldgraues Tuch mehr vorrätig war.

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    Ich habe noch die Ruine der Frauenkirche gesehen, als ich in der Wendezeit zum ersten Mal nach Dresden gefahren bin. Der Anblick dieser Ruine und des schwarzen Haufens Schutt davor flößte mir eine beklemmende Ahnung von den Schrecken ein, die sich dort abgespielt hatten, und er ist mir unvergeßlich.

    Zwar hatte ich auch als Kind in den 1950er-Jahren etliche Kriegsruinen gesehen, aber in diesem Alter kann man die Zusammenhänge noch nicht ermessen.

    Heute kann ich nur erschaudern vor der unermeßlichen Dummheit, mit der manche Grünlinge sich über die Weltkriegs-Bombardierungen äußern.

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    Boah, sind Sie aber stark!
    Ich bin beeindruckt von Ihrem heroischen Mut und Ihren Muskeln.

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    Jürg Rückert am

    Die Worte Hauptmanns enden mit einem Vorwurf an Gott: Gott möge die Menschen in Zukunft mehr lieben als bisher.
    "Kann es nach Auschwitz noch einen Gott geben?", ein ähnlicher Vorwurf.
    Die "Generation Apokalypse" von heute stellt höchste Anforderungen an die göttliche Liebe! Wir werden dabei gewesen sein …

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      Zunächst der erste Aspekt:
      Hauptmann erbittet von Gott mehr Liebe.
      Hauptmann starb 1946. Also hat er nichts mit der neu angeführten "Generation Apokalypse" zu tun. Er hat mehr Apokalypse erlebt, als wir je werden.

      Dann zum zweiten:
      Die heutige Generation, die höchste Anforderungen an Gottes Liebe stellt.
      Verstehe ich nicht. Welche Anforderugen?

      Die Geschehnisse in dieser Welt kann man nur begreifen, wenn man Gott als nicht handelnd und eingreifend betrachtet. Seine "Liebe" hat diese Matrix mit ihren Gesetzen geschaffen und lässt uns hier Erfahrungen sammeln. Bis auf’s Blut. Sein Wille ist es, nicht einzugreifen. Erst wenn wir aus dieser Matrix befreit sind, werden wir den Überblick haben.

      Oder man macht Gott zu einem allwissenden, allmächtigen, der bis ins kleinste alles regelt, so dass alles, was schief läuft, nur unser eigener Fehler sein kann.

      Daran zu glauben erscheint mir recht einfältig und funktioniert nur, wenn ich meine kognitive Dissonanz pflege und mir das Nachdenken versage. Außerdem führt es zu ängstlichen Vermeiden, statt zu beherzter Tat.

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        Deutschösterreicher aus dem Wienerwald am

        @ Archangela 17:37 Wichtiger Hinweis, ich ärgere mich gerade über mich selbst, daß mir das jahrzehntelang nicht aufgefallen ist. Man nimmt den Text als typisch für einen Literaten hin, der eben über einen Nachrichtentext hinausgehen sollte, das empfindet man zunächst als poetische Leistung. Aber das ist keine Entschuldigung dafür, daß hier das Mitleid mit den Menschen komplett fehlt! Schade, daß Hauptmann, dessen Stücke ja wirklich beeindruckend sind, schon 1946 gestorben ist, aus späteren Werken hätte man vielleicht weitere Schlüsse ziehen können.
        @ 18:18 auch das stimmt. Die Antworten unserer Kirchen auf die Frage nach dem Leid sind komplette Ausreden. Umso mehr stören mich politisierende Pfaffen, von Herrn Bergoglio abwärts. Auf die wirklichen Probleme der Menschheit, der Frage nach Sinn, nach Leid und Gottes Rolle im diesseitigen Leben seit 2000 Jahren nur Ausreden, aber die Gesellschaft verändern wollen….

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    Die Logik der Sieger ist doch hinlänglich bekannt:
    ‚Die Verlierer haben es nicht anders verdient.
    Auch nicht die Frauen und Kinder.
    Außerdem wurde Hitler nur von Deutschen bezahlt, Thyssen und Krupp oder
    – wie ich einmal in einem Nachkriegspropagandawerk von Otto Wagener las –
    durch den Verkauf von Zigaretten !!
    Denn so lernt man es in der Schule und so sagt es der Fernseher.
    Und die Bank of England und Hjalmar Schacht
    und Ford und General Motors und General Electrics und International Telephone and Telegraph
    und Kurt von Schröder und die Bank für Internationeln Zahlungsausgleich in Basel und die Union Bank und Standard Oil (ESS O) und Shell und die American IG Chemical Company …
    die haben alle damit nichts zu tun
    und der spätere US-Präsident Truman hat auch nicht gesagt:
    "Lasst sie [die Russen und Deutschen] sich doch gegenseitig ausrotten",
    denn auf dem Boden kriechen und den Speichel der anderen lecken,
    das können doch jetzt die Deutschen nur zu gut.‘

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      Und jetzt?!…. Alles bekannt, ja schon fast Allgemeinplatz… Zynismus ist der Zorn der Schwachen! Bist du Deutscher oder Wurm?!
      Handel und hör auf zu jammern!

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        Es ist schon makaber, dass Hauptmann über zerstörte Kunst das Weinen befällt, er über die zahllosen sinnlosen Menschenopfer der amerikanischen und britischen Terrorkommandos aber kein Wort des Beileids verliert.

        Stattdessen möge doch "Gott" bitte die Menschen mehr lieben, läutern und klären, dass es nicht mehr notwendig ist, sich an der Kunst zu versündigen.

        Eine Schuldzuweisung an die Bewohner Dresdens und an Gott.

        Nur die alliierten Mörder werden als Gottes ungerechte Strafe angesehen, die die Kunst nicht verschonen konnten, um an Stelle Gottes zu läutern und zu klären, zum Heil der Menschen, weil zu wenig Liebe gewesen ist.

        Mich schaudert.

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      Exakt das gleiche Drama spielt sich augenblicklich im Jemen ab – Bombenkrieg, Hunger und Elend und keinerlei humanitäre Hilfe. Auch noch mit deutschen Waffen – wer hatte diese Scheißidee?
      Erlittene Kriegsverbrechen sind kein deutsches "Privileg" . Solange wir nicht beginnen, uns als eine globale Menschheitsfamilie zu sehen und als solche zu handeln, sehe ich wenig Chancen. Ich befürworte jede konstruktive und vor allem wahrheitsgetreue Aufarbeitung unserer eigenen Vergangenheit, aber sie sollte nicht in "Selbstbeweihräucherung" enden. Wir können die Zeit nicht zurück drehen. Aber die Zukunft gehört uns und unseren Kindern. Unsere Vergangenheit sollte uns ins gemeinsame Handeln führen.

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        Heinrich Wilhelm am

        .B. wurde die deutsche Beteiligung in Afghanistan in zwei Abstimmungen
        am 16. November und 22. Dezember 2001 auf Antrag der von Bundeskanzler
        Gerhard Schröder (SPD) geführten ROT-GRÜNEN Bundesregierung beschlossen.
        Kann man allenthalben nachlesen…
        DIE haben solche Scheißideen!

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