Frauen-Demo in Kandel Riesenerfolg – ein Weckruf für den Westen?

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Erreicht der im Osten des Landes entstandene Impuls des Widerstands nun endlich auch Westdeutschland? Knapp 2.000 Menschen zogen am Sonntag friedlich durch die rheinland-pfälzische Stadt, in der vor einem Monat ein abgelehnter Asylbewerber ein 15-jähriges Mädchen in einer dm-Filiale erstochen hatte. Selbst eine parallel stattfindende NPD-Demo konnte den Trauermarsch nicht kontaminieren.

Unter dem Motto „Sicherheit für uns und unsere Kinder“ hatte das „Frauenbündnis Kandel“ am Sonntag einen Trauermarsch für die 15-jährige Mia veranstaltet. Sie wurde vor einigen Wochen von einem afghanischen Asylbewerber (angeblich 15 Jahre alt) brutal ermordet. Laut Polizei nahmen an der friedlich verlaufenen Veranstaltung, die auf dem Marktplatz gipfelte, wo Redebeiträge folgten, rund 1.000 Menschen teil (Medien sprechen teils nur von „Hunderten“). Laut Veranstaltern sollen es jedoch „knapp 2000 Demonstranten“ gewesen sein – eine fast schon phänomenale Summe für ein kleines Städtchen im mehrheitlich politisch sedierten Westen.

Landes-AfD warnte vor Teilnahme

Bemerkenswert: Negative Schlagzeilen im Vorfeld des Trauermarsches hatten offenbar keinen größeren Effekt. Vor der Demonstration hatte ausgerechnet AfD-Landesfraktionschef Uwe Junge Parteimitgliedern empfohlen, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. Grund dafür war eine zeitgleiche Demo der NPD.

Die Polizeimeldung über „ca. 100 Personen [aus]dem rechten Spektrum“, die sich unter den Demonstranten befanden, kolportierten die Medien fleißig. „Wie soll denn so breiter Protest in diesem Land möglich werden, wenn man immer riskiert, plötzlich neben einem NPDler fotografiert zu werden?“ fragt die freie Journalistin Anabel Schunke auf Facebook.

Eine Antwort hatte Veranstalter Marco Kurz von #Kandel ist überall schon im Vorfeld geliefert. In einer E-Mail an den AfD-Fraktionschef Junge weißt er darauf hin, dass um „Überparteilichkeit zu wahren“, das Mitbringen „von Fahnen, Parteiwerbung, Flyern u.ä. allgemein untersagt“ worden sei.

Weiter heißt es:

„Die Zustände in Deutschland zeigen, dass es wichtig ist, auch ein Zeichen hinsichtlich Demokratie, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung zu setzen, und nicht der systemtypischen Distanzierung von Menschen, die einem nicht gefallen, zu folgen. D. h. wir können weder Aufrufe zur Teilnahme, noch die Teilnahme von Mitgliedern egal welcher Parteien verhindern, wollen dies auch nicht.“

Man könnte es auch mit den Worten des neuen Grünen Parteivorsitzenden Robert Habeck sagen: Weil „die Zukunftsfragen so radikal sind“, müssen wir „eher noch radikaler werden“. Oder: Für eitles Rosinenpicken, mit wem genau man wo gesehen werden könnte, ist keine Zeit mehr.

DDR 2.0

„Ich bin ein Demokrat, und ich bin heute unter Demokraten“, stellte der seit 40 Jahren in Deutschland lebende Libanese Imad Karim zu Beginn seines Redebeitrags von der NPD-Debatte unbeeindruckt  fest. „Dieses Land ist die Heimat Eurer Vorväter“, so Karim, den COMPACT im Mai 2016 interviewt hatte, „aber dieses Land ist ist die Heimat meiner Werte.“ So wird ein Schuh draus: Neo-Linke und Islamisten teilen das Ziel, diese Werte zu vernichten.

Die Polizei schirmte circa 120 Teilnehmer des Antifabündnisses Aufstehen gegen Rassismus ab. Karim fand für diese vorwiegend jungen Leute deutliche Worte:

„Diese Menschen draußen, mit deren Eltern ich zusammen studiert habe, wissen nicht was sie tun. Sie lernten leider jeden zu diffamieren, der mit ihnen nicht gleicher Meinung ist. Schade, aber sie werden bald selber feststellen, dass sie sich geirrt haben, und leider blutig geirrt haben.“

Auf Seite der Antifanten stand auch der SPD-Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel, Volker Poß. Stadtbürgermeister Günther Tielebörger (SPD), kündigte inzwischen seinerseits in bester sozialdemokratischer Kopf-im-Hintern-Manier für das Frühjahr ein internationales Begegnungsfest an! Man wolle zeigen, „dass wir kein braunes Loch sind, demokratisch sind, keine Probleme haben, uns mit Ausländern zu beschäftigen“, zitiert die Rhein-Neckar-Zeitung Tielebörger am Montag.

Imad Karim taucht im Beitrag der Regionalzeitung aus gutem Grund nicht auf. Er führte das Merkel-Regime wie folgt vor:

„Wer von Ihnen die Epoche der DDR kennt“, fuhr er seine Rede fort, „weiß, es hieß damals da drüben, wer nicht für uns ist, ist gegen den Weltfrieden und die Völkerbruderschaft. Heute heißt es, wer Positionen zum Beispiel der AfD gut findet, ist ein Nazi.“


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Karim weiter: „Bei dieser sehr hässlichen Diffamierung werden die Opfer der NS-Herrschaft posthum nach 70 Jahren noch einmal diffamiert.“

Der vor Jahren für seine dokumentarischen Plädoyers für das Recht auf rechtmäßiges Asyl preisgekrönte Regisseur erzählte von seinen Erfahrungen mit tatsächlich Asylsuchenden, die in schierer Angst vor den Massen an islamistisch geprägten Wirtschaftsmigranten leben, jene messernden Goldstücke also, die Tielebörger und seine Genossen aus dem Altparteienkartell zu Hunderdtausenden ins Land schleusen.

„Als Ex-Moslem und Agnostiker kenne ich den religiösen Faschismus und als jemand der jeglichen Faschismus verachtet, stehe ich heute hier.“ Karims Rede finden Sie im Fenster oben.

Erreicht der Impuls aus dem Osten endlich den Westen?

„Wenn wir ehrlich sind“, so Karim, „wenn jemand anderes als Mia getötet worden wäre, würde sie da drüben stehen [bei den Gegendemonstranten]. Aber wenn sie aus dem Reich der Toten kommen könnte, dann würde sie heute hier stehen.“

Braucht es erst das Messer im Hals, damit der Einzelne im Westen Widerstand leistet? Der Erfolg vom Sonntag lässt Gegenteiliges hoffen…

„Kandel, das ist der tiefste Westen“, sagte Björn Höcke auf einer Veranstaltung in Eisleben am 20. Januar. „Das ist der Teil dieses Landes, in dem die Umerziehung und die Materialisation, der Konsum, unsere Landsleute 75 Jahre lang breiig im Gehirn gemacht hat.“

Anfang Januar zogen schon einmal 600 Menschen durch Kandel, um Gesicht zu zeigen. „Das ist ein Zeichen, das mir und das uns allen Mut machen sollte“, kommentierte der aus Lünen in NRW stammende Landeschef der AfD-Thüringen daraufhin. Höcke weiter: „Der Ort Kandel könnte auch für einen Wechsel, für eine Wende stehen.“

Weiterlesen: „Es ist notwendig, seine Stimme zu erheben.“ Prominente gegen Gleichschaltung in COMPACT 02/18 Stasi 2.0 – Die große Säuberung

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Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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