Die Feuerpause, die Russland und die Ukraine jetzt für die Frontstadt Aljoschki vereinbart hatten, war ein gutes Zeichen, das aber von westlichen Medien verzerrt dargestellt wurde. Nachfolgende eine Richtigstellung zu den Hintergründen von Thomas Röper. Setzen Sie ein Zeichen mit unserer Druschba-Silbermedaille für Frieden und Freundschaft. Hier mehr erfahren.
_ von Thomas Röper
In dem Städtchen Aljoschki im Gebiet Cherson spielt sich seit Monaten eine Tragödie ab, über die westliche Medien mit einem Zynismus berichten, der selbst für deren Maßstäbe gewaltig ist.
Ich war 2022 mehrmals in Aljoschki und habe es als schönes und verträumtes Städtchen nahe dem Dnjeprufer mit wirklich sehr netten und offenen Menschen in Erinnerung. Aber das war bevor Russland im Herbst 2022 die Stadt Cherson räumen musste, seitdem liegt Aljoschki direkt an der Frontlinie, die dort seitdem der mächtige Fluss Dnjepr bildet. Und natürlich haben die meisten Einwohner das Städtchen daher längst verlassen.
Neuerliche Tragödie
Aljoschki hat 2023 schon mal Schlagzeilen gemacht, denn als die Ukraine den Kachowka-Staudamm gesprengt hat, wurde Aljoschki komplett überflutet. Schon damals haben westliche Medien das Leid der Menschen dort für sehr zynische Propaganda missbraucht. Und nun musste das Städtchen und die dort verbliebenen Menschen wieder für Propaganda herhalten.
In Aljoschki hat sich in den letzten Monaten eine Tragödie abgespielt, denn aus irgendeinem Grund hat die Ukraine beschlossen, diesem Städtchen besonders übel mitzuspielen. Seit Monaten wird die Stadt beschossen, es gibt dort schon lange keinen Strom, kein fließendes Wasser und keine Heizung mehr. Die dort verbliebenen, je nach Quelle 2.000 bis 6.000 Menschen, mussten in Kellern hausen, um sich vor dem Beschuss zu verstecken. Als ich Aljoschki 2022 besucht habe, lebten dort noch etwa 20.000 Menschen.

Eine Evakuierung der Stadt wurde unmöglich, weil ukrainische Drohnen dort verschiedenste Arten von Minen abgeworfen haben und weil ukrainische Drohnen auf alle Fahrzeuge geschossen haben, die versuchten, sich der Stadt zu nähern. Aus diesem Grund war die Stadt sogar von Lieferungen von Lebensmitteln und Wasser abgeschnitten. Die Lage für die verbliebenen Menschen wurde immer dramatischer.
Verdrehte Wahrheit
Die Ukraine hat die Lage in Aljoschki für ihre Kriegspropaganda benutzt. Bei der UN-Generalversammlung Ende September sprach der ukrainische Außenminister von einer „Katastrophe“ und forderte die Anwesenden auf, Druck auf Russland auszuüben, um einen humanitären Korridor zu eröffnen und die Einwohner zu evakuieren. Dabei war das Land, das nicht nur eine Evakuierung, sondern sogar die Versorgung der Menschen mit dem Lebensnotwendigen verhindert hat, die Ukraine – und nicht Russland.
Der Spiegel griff die Aussage des Außenministers in einem Artikel auf, in dem ebenfalls Russland für die Lage verantwortlich gemacht wurde, obwohl man in dem Beitrag, wenn man ihn aufmerksam gelesen hat, erfahren konnte, wer tatsächlich die Verantwortung trägt. Der Spiegel zitierte nämlich Zeugen der Vorfälle, und schrieb:
„‘Die ukrainische Seite vermint die Straßen und unterbricht die Versorgungswege der Russen‘, lautet Melnyks Antwort auf die Frage, wer die Gewalt verantworte.“
Aber in dem langen, mit viel emotionaler anti-russischer Hetze gespickten Artikel gingen diese kurzen Passagen, in denen der Spiegel die Wahrheit schrieb, unter. Eine weitere solche Passage in dem Artikel lautete:
„Vor zwei Wochen sei ihm und seiner Familie die Flucht dennoch gelungen – sie gingen 25 Kilometer zu Fuß, bei Tageslicht. ‚Nachts geht es nicht, weil man uns für vorrückende russische Soldaten hätte halten können. Tagsüber erkennen die ukrainischen Drohnen, wer sich da bewegt.’“
Auch hier schrieb der Spiegel vollkommen offen, dass die Menschen sich vor ukrainischen – und nicht etwa vor russischen – Drohnen verstecken mussten. Es waren nicht die Russen, die die Menschen daran gehindert haben, Aljoschki zu verlassen, sondern ukrainische Drohnen.

Sogar Melania Trump, die Frau des US-Präsidenten, hat sich für einen Waffenstillstand in Aljoschki stark gemacht, weshalb die Lage in Aljoschki zu einem Thema bei den russisch-amerikanischen Verhandlungen der letzten Wochen wurde. Aus der Pressemeldung des Kreml über das Telefonat zwischen Putin und Trump von Anfang Oktober konnte man erfahren, dass die Präsidenten vereinbart haben, dass die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa in ständigem Kontakt mit dem Stab von Melania Trump stehen werde.
Damit wurde der Druck auf Kiew so groß, dass die Ukraine nachgeben musste, und in der Erklärung des Kreml über den Besuch von Trumps Sondergesandten Witkoff bei Putin am 21. Oktober hieß es, dass in Aljoschki eine Feuerpause vereinbart wurde, wofür Putin seinen Dank aussprach, wie Putins Berater in seiner Erklärung zu dem Treffen vor Journalisten ausdrücklich betonte:
„Ich möchte darauf hinweisen, dass Wladimir Putin Steve Witkoff gebeten hat, der First Lady der USA, Melania Trump, seine Dankbarkeit für ihren Einsatz im humanitären Bereich auszusprechen, insbesondere für ihr Engagement bei der Zusammenführung von Kindern mit ihren Familien sowie für ihre Vermittlung bei der Bewältigung einer kritischen Lage in der russischen Stadt Aljoschki in der Region Cherson.“
Seitdem konnte die Minenräumung laufen. Jeder Einwohner hat die Möglichkeit bekommen, evakuiert zu werden, wenn er es möchte, wobei es den Leuten natürlich freisteht, zu entscheiden, ob sie in die Ukraine oder nach Russland gehen wollen. Und auch wenn es für uns unverständlich ist, aber es gibt auch Menschen, die trotz allem dort bleiben wollen, weil sie ihre Heimat nicht verlassen wollen. In den vergangenen Tagen ist die Evakuierung nunmehr erfolgreich verlaufen.
Was der Spiegel suggeriert
Der Spiegel hat in den letzten Tagen in mehreren Artikeln über Aljoschki berichtet, wobei das Blatt für das Städtchen die ukrainische Bezeichnung „Oleschky“ benutzt. Ein Absatz, den man in jedem Spiegel-Artikel praktisch wortgleich findet, lautet:
„Weil die an der Frontlinie gelegene Kleinstadt Oleschky vollständig vermint ist, setzten die ukrainischen Streitkräfte zeitweise Drohnen ein, um Hilfsgüter dorthin zu schaffen. Viele der unbemannten Fluggeräte wurden jedoch von russischen Truppen abgeschossen. Nach der Vereinbarung sollen nun Minen geräumt werden. In Oleschky leben nach Schätzungen noch etwa 1.500 Menschen bis 2.000 Menschen, darunter Dutzende Kinder. Die Evakuierung soll erst in den kommenden Tagen beginnen.“
Auch weiterhin suggeriert der Spiegel, Russland trage die Verantwortung für die Tragödie und die Ukraine habe versucht, mit Drohnen Hilfsgüter in der Stadt abzuwerfen, aber die bösen Russen hätten auf die humanitäre Hilfe geschossen. Die Ukraine hat dort tatsächlich etwas mit Drohnen abgeworfen, und zwar die Minen, die die Stadt von jeder Versorgung abgeschnitten haben – und die Russland nun räumen muss.
Aber so, wie der Spiegel es formuliert, muss der Leser denken, dass die Ukraine die Minen räumt, dabei liegt Aljoschki ja auf russischem Gebiet. Dass Aljoschki eine Herzensangelegenheit von Melania Trump ist, gibt grundsätzlich Hoffnung.
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