Macron muss gehen – doch wer kommt nach ihm? Frankreich wählt 2027 einen neuen Präsidenten. Wer tritt an, wofür stehen die wichtigsten Kandidaten und wie groß sind ihre Chancen? Mehr über NATO, Aufrüstung und das Verhältnis der EU zu Russland erfahren Sie in COMPACT-Spezial «Krieg gegen Russland». Hier gehts zur Spezialausgabe!

    «Niemand darf mehr als zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten ausüben», heißt es im Artikel 6 der französischen Verfassung. Damit steht fest: Der amtierende Präsident Emmanuel Macron, der 2017 und 2022 gewählt wurde, darf 2027 nicht erneut antreten. Dabei geht es um ein Amt mit weitreichender Macht: Anders als der deutsche Bundespräsident prägt Frankreichs Staatsoberhaupt die Politik maßgeblich, insbesondere in Außen- und Verteidigungsfragen. Wie frei er innenpolitisch handeln kann, hängt allerdings von den Machtverhältnissen im Parlament ab.

    Doch wer übernimmt dieses mächtige Amt? Im Rennen um Macrons Nachfolge stehen sich Vertreter der nationalen Rechten, des bisherigen Regierungslagers und der Linken gegenüber. Die folgenden Umfragewerte stammen aus einer Befragung des Ifop-Fiducial vom 17. bis 19. Oktober, in der die hier vorgestellten Hauptbewerber zur Auswahl standen.

    Marine Le Pen, Rassemblement National, 2021. Foto: Rassemblement National

    Marine Le Pen: Gelingt diesmal der Durchbruch?

    Zweimal erreichte Le Pen die Stichwahl, zweimal unterlag sie Emmanuel Macron. Für die Politikerin des Rassemblement national eröffnet sich damit eine neue Chance auf den Einzug in den Èlysée. Politisch verbindet sie einen nationalen Kurs mit sozialen Schutzversprechen: Eine deutliche Begrenzung der Einwanderung, erleichterte Abschiebungen, nationale Souveränität gegen über der EU und niedrigere Energiesteuern. Außenpolitisch will Le Pen Frankreichs militärischen Handlungsspielraum gegenüber den USA vergrößern. Dafür fordert sie den Austritt aus der integrierten NATO-Kommandostruktur, hält aber an der Mitgliedschaft im Bündnis fest. Die weitere finanzielle Unterstützung der Ukraine lehnt sie ab, während sie Unterstützung etwa bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten nicht grundsätzlich ausschließt. In der Ifop-Umfrage liegt Le Pen mit 36 Prozent im ersten Wahlgang deutlich vorne. 

    Wir haben analysiert wie der Westen den Krieg gegen Russland vorbereitet hat Foto: COMPACT

    Phillippe und Attal: Wer beerbt Macron?

    Beide waren unter Macron Ministerpräsident, nun wollen sie selbst an die Macht: Edouard Philippe von der Partei Horizons steht für einen wirtschaftsliberalen Mitte-rechts-Kurs. Gabriel Attal gehört zu Macrons Partei Renaissance und vertritt das liberale pro EU Lager. Außenpolitisch setzen beide auf die weitere militärische Unterstützung der Ukraine. Philippe befürwortet deren NATO-Betritt und Attal möchte zusätzliche Luftabwehrhilfe und die Beschlagnahmung eingefrorener russischer Staatsvermögen. In der selben Ifop Befragung erreicht Philippe 12 Prozent, Attal lediglich 5 Prozent. Beide bleiben damit hinter Le Pen und Mélenchon zurück und konkurrieren um Wähler aus dem bisherigen Regierungslager.

    Jean-Luc Mélenchon, Parteivorsitzender von La France insoumise, mit seinen Anhängern bei einer Kundgebung 2023 in Paris. Foto: Obatala-photography | Shutterstock.com

    Jean-Luc Mélenchon: Kann die Linke die Stichwahl erreichen?

    Der linkspatriotische Mélenchon von La France insoumise steht für den Bruch mit Macrons politischem Kurs. Er fordert einen höheren Mindestlohn, Preisobergrenzen für lebensnotwendige Güter und die Rückkehr zur Rente mit 60 Jahren. Außenpolitisch setzt Mélenchon auf ein unabhängiges und blockfreies Frankreich. Seine Partei fordert einen schrittweisen Austritt aus der NATO und lehnt einen NATO-Beitritt der Ukraine ab.  Mit 16,5 Prozent liegt Mélenchon in der Befragung auf Platz 2 hinter Le Pen und würde damit die Stichwahl erreichen. Dort wäre seine Ausgangslage allerdings deutlich schwieriger: In einer gesonderten Umfrage zum direkten Duell erhält er 32 Prozent, Le Pen dagegen 68 Prozent.

    Kämpferisch: Der Protest in Frankreich schmückt sich mit nationalen Symbolen. Foto: Paul Klemm / COMPACT

    Raphaël Glucksmann: Vertieft er die Spaltung der Linken?

    Der sozialdemokratische Glucksmann von Place publique, der von den französischen Sozialisten unterstützt wird, positioniert sich eindeutig als Gegenkandidat zu Mélenchon. Besonders in der Außenpolitik haben beide deutliche Unterschiede: Glucksmann fordert mehr Waffen für die Ukraine und eine militärisch stärkere europäische Verteidigung. Damit steht er den Positionen des Macron Lagers näher als der NATO-kritischen Linie seines linken Konkurrenten. Diese Abgrenzung könnte das linke Lager im entscheidenden Moment der Wahl schwächen. In der bereits genannten Umfrage liegt Glucksmann aktuell mit 13,5 Prozent hinter Mélenchon. 

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