Überfüllte Klassen, fehlende Lehrer und heruntergekommene Schulgebäude: Frankreichs Schüler gehen auf die Straße. Vielerorts blockieren sie ihre Schulen, teilweise eskalierte die Lage gewaltsam. Die gemeldeten Festnahmen summieren sich von Montag bis Donnerstag auf mehr als 3.000.
_ von Clara Morgenroth
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COMPACT unterstützenBrennende Mülltonnen, beschädigte Schulgebäude und Zusammenstöße mit der Polizei: Die Schülerproteste in Frankreich haben sich innerhalb weniger Tage zu einer landesweiten Protestwelle ausgeweitet. In Nantes brannte die Eingangshalle einer Schule, in Marseille wurde ein Feuerwehrfahrzeug angezündet. Einsatzkräfte wurden angegriffen, die Polizei setzte Tränengas ein. Neben den Ausschreitungen finden zahlreiche friedliche Protestaktionen statt. Im Zentrum der Bewegung stehen Schüler der französischen Lycées, der weiterführenden Schulen der Oberstufe. Die Schülerorganisation Union syndicale lycéenne (USL) unterstützt die Mobilisierung und rief zu landesweiten Blockaden auf. Auch Studenten haben sich angeschlossen.
Am vergangenen Dienstag trafen die Bildungsproteste mit einem Streik im öffentlichen Dienst zusammen, an dem unter anderem Lehrer und Feuerwehrleute teilnahmen. Die Beschäftigten protestierten gegen die Sparpläne der Regierung. Besonders umstritten ist das geplante Einfrieren des sogenannten Indexpunkts für 2027, auf dessen Grundlage ihre Grundgehälter berechnet werden. Damit bliebe eine allgemeine Anhebung über diesen Wert aus – bei steigenden Preisen droht weiterer Kaufkraftverlust.
Wut über den Schulalltag
Die Beschwerden betreffen grundlegende Bedingungen des Unterrichts: Lehrer fehlen, Stunden fallen aus und die Klassen sind überfüllt. Hinzu kommen marode Gebäude, mangelnde Ausstattung und überladene Stundenpläne. Die Schüler beklagen lange Schultage, Leistungsdruck und psychische Belastungen. Die Forderungen der Demonstranten: mehr Personal, bessere Ausstattung und bessere Lernbedingungen.
Von Paris bis Marseille
Ihren Ausgang nahm die Bewegung im September im Großraum Paris. Bereits in der Woche vor dem 28. September fanden dort Aktionen statt. Ab Montag griffen die Proteste verstärkt auf weitere Städte über. Am Dienstag folgte ein landesweiter Mobilisierungstag, am Donnerstag verschärfte sich die Lage erheblich.
Zu den Schauplätzen der Proteste zählen neben Paris und seinen Vororten auch Marseille, Lyon, Lille, Bordeaux, Nantes, Rennes und Straßburg. Auch an Universitäten in Toulouse, Lyon und Poitiers gab es Blockaden. Auch heute, Freitag, den 2. Oktober, dauern die Proteste in Frankreich an. Rund 400 Schulen bleiben geschlossen.
Vielerorts gab es Blockaden und Brandstiftungen. Die Masse der Demonstranten ist aber friedlich. Amnesty beklagt das Ausmaß der Polizeigewalt, die auch Minderjährige nicht verschont. Zu den empörendsten Clips gehört die Verfolgung eines Polizisten durch einen Mob, er landete schwer verletzt im Krankenhaus. Auf der anderen Seite wurde ein kommunistischer Abgeordneter, als solcher zu erkennen, von der Polizei verprügelt. Viel geteilt wurde der schwarze Bürgermeister von Saint-Denis, der angeblich nach einer Brandstiftung mit den Krawallmachern feierte. Doch der Clip ist geschnitten: Der Bürgermeister hatte eine brennende Mülltonne weggezogen und der Feuerwehr beim Löschen geholfen. Dafür wurde er gefeiert.

Mehr als 3.000 Festnahmen in vier Tagen
Am Montag wurden 164 Festnahmen gemeldet, am Dienstag 440, am Mittwoch 625 und am Donnerstag allein 1.949 – insgesamt also 3.178 Festnahmen innerhalb von vier Tagen. Nach Angaben des Bildungsministers wurden seit Beginn der Proteste 170 Schüler und 65 Angehörige des öffentlichen Dienstes verletzt.
Regierung zwischen Krisensitzung und Gesprächsangebot
Die Protestwelle setzt auch die Regierung unter Druck. Premierminister Sébastien Lecornu berief eine Krisensitzung ein. Bildungsminister Édouard Geffray kündigte Gespräche mit Schülervertretern an. Justizminister Gérald Darmanin fordert unterdessen, Eltern für Schäden ihrer Kinder finanziell heranzuziehen. Gleichzeitig laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Polizeigewalt.
Politischer Schlagabtausch um die Proteste
Über die Verantwortung für die Eskalation ist ein politischer Streit entbrannt. Regierungsvertreter werfen der Linkspartei La France insoumise (LFI) vor, die Proteste anzuheizen. Die Partei unterstützt die Bewegung, weist den Vorwurf der Aufstachelung jedoch zurück.
Am Dienstag wird sich die Lage verschärfen: Die Gewerkschft CGT ruft landesweit zur Unterstützung der Schülerproteste auf.
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