Es ist einer der größten Daten-Skandale der deutschen Geschichte: Statt in die IT-Sicherheit zu investieren, lagen vertraulichste Dateien der Hauptstadt-Verwaltung fast ungesichert auf den Servern. Jetzt wurden sie entwendet und im Darknet veröffentlicht. Mit verheerenden Folgen für die Bürger. Doch wer übernimmt dafür die politische Verantwortung? Auch in Berlin wird im September gewählt – alle Hintergründe zu den Landtagswahlen liefert unsere aktuelle COMPACT-Ausgabe 9/2026 mit der Titelgeschichte „Die Entscheidung“. Erfahren Sie hier mehr.

    „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“ – an diese Devise Helmut Schmidts fühlte sich der Berliner Senat wohl erinnert, als er eine (bis zum gestrigen Freitag) gesetzte Frist der internationalen Hackergruppe Rhysida verstreichen ließ, 2 Millionen Euro Lösegeld zu zahlen, um die Veröffentlichung von insgesamt 1.439.893 Millionen Dateien zu verhindern. Darunter Lagepläne zu Infrastruktur, geheime Berichte des Landeskriminalamts, aber auch mehr als zehntausend vollständige Datenprofile eigener Beamte, von Lohnabrechnungen bis zur Personalakte. Eine transparente Verwaltung der anderen Art.

    Nun kann freilich darüber gestritten werden, ob einem anonymen Erpresser ein Lösegeld gezahlt werden sollte, zumal dadurch nicht garantiert gewesen wäre, dass eine Veröffentlichung der Daten tatsächlich unterbunden wird. Aber: Dieser Streit blieb weitgehend aus, die Debatte wurde, trotz Abgeordnetenhauswahlkampf, auf Sparflamme geführt. Jetzt hat der Senat sein Erpressungs-Problem auf den Rücken zigtausender Berliner ausgelagert, die nun den Missbrauch ihrer höchstpersönlichen Daten fürchten müssen. Die Auswertung der seit Freitagmittag im Darknet veröffentlichten Dateien hat längst begonnen. Folgen könnten noch Jahre später zu spüren sein.

    Datensicherheit faktisch nicht vorhanden

    Doch wie konnte dieser gigantische Datenraub gelingen? Das Land Berlin hält sich, obwohl der Hackerangriff seit Tagen bekannt ist, erstaunlich bedeckt. Veröffentlichung der Angreifer zeigen jedoch, dass Datenschutzstandards quasi nicht vorhanden waren – dutzende Passwörter wurden beispielsweise in einfachen Word-Dokumenten, ohne jeden Schutz, auf dem Server gespeichert. Passwortmanager oder ähnliche Software wurde nicht genutzt. Ein Verhalten, was nicht nur unter ITlern für Fassungslosigkeit sorgt.

    Während Berlin jährlich Unsummen in Gender-Projekte, Migrationspropaganda und allerhand linken Irrsinn investiert, wird bei zentraler Infrastruktur (und dazu gehört auch der Schutz der Daten von Mitarbeitern und Bürgern) gespart. Mutmaßlich, weil dieser Bereich von außen ohnehin schwer zu überblicken ist. Dieses Verhalten ist jedoch im höchsten Maße fahrlässig. Während Sicherheitsbehörden in den letzten Jahren angesichts angeblicher oder tatsächlicher Bedrohungen durch ausländische Geheimdienste in den dauerhaften Panikmodus verfallen, werden geheime Lagepläne und Analysen, die als Verschlusssache aufgeführt sind, nun für jedermann sichtbar im Internet präsentiert. Alleine dafür müssten die Verantwortlichen zurücktreten bzw. im Falle ihrer Wahl den Amtsverzicht erklären. Doch das wird nicht passieren, einmal mehr will niemand Konsequenzen tragen.

    Angesichts der drohenden Vorratsdatenspeicherung und der jüngst verschärften Chatkontrolle dürften indes bei vielen Bürgern die Sorgenfalten noch größer werden: Findet sich bald die gesamte Kommunikation jedes einzelnen Menschen ebenfalls im Darknet? Ausgeschlossen ist das nicht.

    Geld für Fahrradwege in Peru, aber nicht für den Schutz der eigenen Server? Dieses Land braucht grundlegende Reformen. Auch in Berlin wird im September gewählt – alle Hintergründe zu den Landtagswahlen liefert unsere aktuelle COMPACT-Ausgabe 9/2026 mit der Titelgeschichte „Die Entscheidung“. Erfahren Sie mehr und bestellen Sie jetzt!

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