Irrsinn: Die gerichtliche Belastung steigt weiter. Mittlerweile werden fast 90 Prozent der Asyl-Ablehnungen mit Ein- und Widersprüchen überzogen. Das lässt die Zahl unerledigter Verfahren weiter und weiter steigen. Dabei ist akuter Handlungsbedarf gegeben, den wir mit unserer Spezialausgabe „Mädchen. Messer. Morde“ belegen. Hier mehr erfahren.

    Trotz rückläufiger Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben sich die offenen Verfahren vor den Verwaltungsgerichten weiter erhöht. Die Zahlen gehen auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger an die Regierung zurück. Nach den entsprechenden Angabm lagen Mitte August 2026 insgesamt 196.315 Asylklagen vor – rund 4.700 mehr als noch im Januar.

    Zugleich hat sich die durchschnittliche Verfahrensdauer im ersten Halbjahr 2026 auf 15,3 Monate verlängert. Für die Monate Januar bis November 2025 hatte die Bundesregierung eine durchschnittliche Verfahrensdauer von 14,3 Monaten gemeldet. Der Dezember floss in diese Auswertung nicht ein.

    Hinzu kommt, dass im vergangenen Jahr gegen fast 90 Prozent aller abgelehnten Asylbescheide geklagt wurde. Von Januar bis November 2025 wurden 89,9 Prozent der ablehnenden Bescheide vor Gericht angefochten. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um klassische Fälle abgelehnter Asylbewerber. Auch Personen, die bereits subsidiären Schutz erhalten haben, klagen teilweise, um einen höheren Schutzstatus zu erlangen.

    Erschwerte Bedingungen

    In Sachsen und Niedersachsen dauern solche Klagen mit durchschnittlich 20,4 und 20 Monaten am längsten. Die Klagequote selbst lag 2025 zwischen Januar und November bei 52 Prozent. Die bereinigte Erfolgsquote der Klagen lag 2025 bei 14,8 Prozent.

    Selbst wenn das BAMF Anträge ablehnt, landet der Großteil der Fälle vor Gericht. Viele abgelehnte Asylbewerber nutzen die Klage, um ihren Aufenthalt zu verlängern und beschäftigen damit die ohnehin überlastete Justiz weiter. Andere Rechtsstreitigkeiten müssen zurückstehen, und die Akzeptanz des Asylsystems in der Bevölkerung sinkt weiter. Ohne deutlich niedrigere Klagequoten und konsequentere Abschiebungen nach rechtskräftigem Urteil droht die Justiz dauerhaft gelähmt zu bleiben.

    Schleppende Abschiebungen

    Insgesamt wurden 2025 22.787 Personen aus Deutschland abgeschoben. Etwa 60 Prozent der geplanten Abschiebungen schlugen fehl. In vielen Fällen sind die betroffenen Personen am Tag der Abschiebung einfach nicht mehr auffindbar. Häufig kommt es auch vor, dass Piloten die Mitnahme verweigern, vor allem dann, wenn die Abzuschiebenden heftigen Widerstand leisten und die Situation eskaliert. Bei Sammelabschiebungen lag die Ausfallquote nach Angaben eines Bundespolizeibeamten vor einiger Zeit nicht selten bei rund 60 Prozent.

    Er sprach dabei von Ausreisepflichtigen, die am Flugtag entweder abgetaucht waren oder schlicht nicht am vereinbarten Ort erschienen. Weitere häufige Hindernisse sind fehlende Reisedokumente sowie die Weigerung der Herkunftsstaaten, die abgelehnten Asylbewerber zurückzunehmen. Hinzu kommen gelegentlich ärztliche Atteste, die eine Abschiebung vorübergehend oder dauerhaft unmöglich machen.

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