Zum Aufstieg des Iran im deformierten Nahen Osten

14

Die Bekämpfung der von den Globalisten sogenannten Schurkenstaaten wird nur den Import der ethnischen Konflikte vom Nahen Osten auf den Boden Deutschlands und die Erosion des deutschen Sozialsystems zur Folge haben.

_von Dr. Alireza Mousavi

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches folgte im Nahen Osten die von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges betriebene Entstehung neuer Staaten in erster Linie im Eigeninteresse der westeuropäischen
Mächte, die weder über Jahrhunderte gewachsene regionale und kulturelle Zusammenhänge noch die Interessen der arabischen Verbündeten der Entente berücksichtigten.

Dies hat derartig die politisch-kulturelle Wahrnehmung der Einheimischen beeinflusst, dass die arabischen Muslime sich nicht mit den zum Teil von außen importierten Grenzen und daraus entstandenen Staaten identifiziert haben, sondern mit der Religiosität und Ethnizität. Natürlich hat es im 20. Jahrhundert zahlreiche Staaten mit islamischer Bevölkerung gegeben, und es gibt sie nach wie vor. Die Frage bleibt aber, ob diese Staaten im modernen Sinn eine Rechtsordnung sind, wonach die Bürger unabhängig von ihren jeweiligen Religionen und ethnischen Zugehörigkeiten dem Staat untergeordnet sind. Historisch gesehen haben die meisten islamischen Länder keinen nationalen Gedanken entwickeln können, und damit auch keinen Nationalstaat – anders als in Europa, wo seit der Reformation Religion und Nationalstaat einander gestärkt haben, indem die Reformation zwar zur Trennung von Politik und Religion im Reich geführt hat, aber die Religion sich dabei zugunsten der nationalen Politik zurückgezogen hat.

Weihnachtsabo_2017

Verschenken Sie geballtes COMPACT-Wissen zum Weihnachtsfest. Einfach auf’s Bild klicken.

Eigentlich sind viele arabische Staaten im Nahen Osten, wie Syrien, der Libanon und der Irak ein fremder Import, der durch die permanenten Interventionen der großen Mächte zustandegekommen ist. Dem Zerfall der Osmanen folgte insofern keine politische Einheit im arabischen Raum, wobei der spätere arabische Nationalismus im Nahen Osten von Anfang an ein gescheitertes Projekt war und durch den Sechstagekrieg mit Israel besiegt wurde. Eine Niederlage, von der sich die Araber noch nicht erholen konnten.

Seit dem Bürgerkrieg in Syrien 2011 sind die sunnitischen Länder in der tiefsten Krise ihrer Geschichte: Die Menschen in diesen Ländern haben, wie in Ägypten, Saudi-Arabien oder Libyen, im Rahmen des Staatsverfalls anscheinend nur die Wahl zwischen Putsch, Bürgerkrieg oder Exil. Der Dschihadismus erscheint als der einzige verbliebene Protest gegen diese Notlage. Im Gegensatz dazu haben die Iraner nach der islamischschiitischen Revolution 1979 einen schiitischen Staat begründet, der zum einen die klassische schiitische Theologie zugunsten der Mobilisierung der Bevölkerung zur politischen Einheit modifizierte, wobei die Iraner in ihrem Vielvölkerstaat zum großen Teil ethnische Konflikte überstanden haben und zum anderen einen schiitischen Großraum zur Ausweitung der iranischen Interessen in den Nahen Osten, nämlich von Teheran über Bagdad/Damaskus bis nach Beirut, konzipierten.

Immerhin ist der Iran seit der Revolution 1979 trotz der wirtschaftlichen Sanktionen und der Feindschaft mit den USA politisch stabil und hat eine gewisse demokratische Grundlage für seine Bürger aufgrund der  ersischschiitischen Kulturwerte entwickelt. Dabei ist sicherlich das Atomabkommen des Iran mit den Großmächten die größte Errungenschaft dieses Landes im außenpolitischen Bereich, wodurch die neuen politischen Spannungen in Vorderasien abgebaut wurden.

In diesem Zusammenhang ist die entscheidende Frage, warum der arabische Niedergang mit dem iranischen Aufstieg einhergeht. Abgesehen von den dem einheimischen Volk von außen aufgezwungenen neuen staatlichen Grenzen nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches sollte man die differenzierte politisch-theologische Entwicklung der jeweiligen Konfession im 20. Jahrhundert zur Kenntnis nehmen. In Europa kennt man entweder die theologischen Differenzen zwischen schiitischem und sunnitischem Islam nicht, oder man wirft nach dem Motto: „Bekämpfung undemokratischer Regime“, wonach allen  Bevölkerungen und Lebewesen auf unserem Planeten ein politisches Entwicklungsrezept verschrieben
wird, den ganzen Komplex in einen Topf und übersieht die geschichtliche Entwicklung der jeweiligen Konfession.

Der sunnitische Islam beruht auf einer rein monotheistischen Lehre, wonach die direkten Beziehungen zwischen den Gläubigen und Gott über die Scharia reguliert werden. Im Gegensatz dazu beruht der schiitische Islam auf einer Nachfolger-Lehre, wonach zwölf heilige Nachkommen des Propheten Mohammed die wahre Botschaft des Islam vermitteln sollten. Demzufolge ist der Interpret der Scharia wichtiger als die Scharia an sich. Der zwölfte Nachfolger sei jedoch untergetaucht beziehungsweise abwesend, und die Schiiten warten insofern eschatologisch auf seine Wiederkehr.

Die Nachfolger-Lehre hat sich nach der Revolution 1979 im Iran zu einer Stellvertreter-Lehre umstrukturiert, indem ein unheiliger Stellvertreter des zwölften heiligen verborgenen Nachfolgers die Herrschaft über die Schiiten beanspruchte. Die Revidierung des schiitischen Islam mobilisierte zum einen die Schiiten im Nahen Osten zugunsten des iranischen Staates, weil die religiös-politische Autorität nunmehr in den Händen des Staatsoberhaupts in Teheran als dem einzig legitimen Stellvertreter der Religion lag, und zum anderen ebnete sie den Weg für die Reform der Religion, weil das legitime Staatsoberhaupt die neue Interpretation der Religion beziehungsweise die Scharia in Anspruch nehmen darf.

Im Gegenzug zu dieser Entwicklung trat der ohnehin rein monotheistisch aufgeladene sunnitische Islam mit einem radikalen Misstrauen gegen die Al-Azhar-Universität in Ägypten in Erscheinung, die traditionell immerhin eine gewisse Autorität über religiöse Anliegen der Sunniten in der islamischen Welt hatte. Diese diffuse Emanzipation des sunnitischen Islam bahnte den Weg für die Radikalisierung und den Salafismus und nicht für die Liberalisierung der Religion, wobei die islamischen Gelehrten, also die Al-Azhar-Scheichs, nicht mehr in der Lage waren, die Radikalisierung der Religion in die Schranken zu weisen, weil sie seit langem in der islamischen Welt an Autorität verloren haben.

Wir sind in Deutschland nach der Masseneinwanderung aus dem arabischen Kulturraum 2015 mit traumatisierten und in ethnische Konflikte verwickelten und zum Teil nihilistisch-fanatischen Geflüchteten konfrontiert, von denen die etablierten Parteien ironischerweise erwarten, sich so schnell wie möglich in die multikulti-linksliberale deutsche Gesellschaft, die gerade die Ehe für alle verabschiedet hat, zu integrieren und sich einfach wie ein frisch geborenes Baby neu zu orientieren. So wollten eigentlich die etablierten Parteien die Rechtsaußen-Parteien schwächen. Pustekuchen!

Die Bekämpfung der von den Globalisten sogenannten Schurkenstaaten wird nur den Import der ethnischen Konflikte vom Nahen Osten auf den Boden Deutschlands und die Erosion des deutschen Sozialsystems zur Folge haben. Solange der Nahe Osten arrogant als Experimentierobjekt des Westens betrachtet wird, verursachen wir weiter Zerstörung und Niedergang dieser Region.


Über den Autor

COMPACT veröffentlicht regelmäßig Beiträge von namenhaften Autoren aus allen wichtigen Positionen des politischen und gesellschaftlichen Diskurses.

14 Kommentare

  1. Ich bin froh, dass es in Deutschland keine Erdöl und/oder Gasvorkommen gibt, sonst wären wir längst bombardiert worden. Das Wort Terrorismus steht einzig und allein für unrechtmäßige Kriege um Bodenschätze und deren Vermarktung. Es geht um Milliarden Dollar der Eliten, die dafür morden. Jeder Staatschef, der sich an völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt muss in Den Haag vor das internationale Strafgericht. Fangen wir doch einfach an die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn Merkel vom Bürgerkrieg in Syrien spricht, dann ist das vorsätzlich gelogen. Sie weis genau, dass es sich um einen illegalen Krieg der USA um Bodenschätze handelt und unterstützt den Krieg militärisch. Merkel sollte ebenso wie Blair, Bush, Cameron, Sarko und Obama vor Gericht gestellt werden. Nennen wir die Dinge doch einfach beim Namen.

  2. Vorab: Das Osmanische Reich war geradezu das Musterbeispiel eines über Jahrhunderte funktionierenden Vielvölkerstaates!
    Vor allem das damals bereits 200 Jahre alte Bestreben der Russen die Dardanellen kontrollieren zu wolllen führte zum WK I! Den haben die Russen zwar auch verloren und die Dardanellen nicht bekommen, der Sykes Picot Vertrag des noch heute maßgeblichen "Westens" hat die Gegend aufgemischt, ganze Völker betrogen (die Kurden haben ihren Staat bis heute nicht bekommen) und nur Interessen der damaligen Kolonialmächte Frankreich und vor allem England berücksichtigt. Wobei die Engländer vor allem die (damals bekannten) Ölfelder haben wolten, weil sie gerade dabei waren ihre Schiffe von Kohle auf Diesel umzustellen!
    Heute gilt der saudische Kronprinz für einige Leute als der gefährlichste Mann für einen neuen Weltkrieg; denn er ist dabei, über den Jemen in einem Krieg mit Persien einzutreten. Dazu hat er bereits alle (reichen) Saudis, die ihn hindern könnten internieren und damit entmachten lassen. Der ist gefährlicher als Sprücheklopfer Kim und Arabien/Persien räumlich näher zu Europa als Korea!
    Trumps Aktion mit Israel paßt dazu!

  3. Wenn hier die "Kacke" ) erst richtig am dampfen ist, müssten die Deutschen mal ausloten ob wir im Iran Asyl bekommen könnten ! Unsere "alten Verwandten" haben viel Land und wir Wirtschaftskraft, Ideen und viel Fleiß ! Doch eine ideale Symbiose, oder ?

  4. Parvis Ghassem-Fachandi am

    Meinen deutschen Freunden, die mich oft fragen was der grösste erkennbare Unterschied zwischen Persern und Arabern ist, erkläre ich gerne, dass ein Iraner nie mit offenem Mund essen würde. An solchen Kleinigkeiten lassen sich oft die erheblichen Andersartigkeiten tumber Eroberungsvölker wie Türken, Arabern und Mongolen festmachen. Es wird ihnen niemals möglich sein die kulturelle Blüte der indogermanischen Völker zu erreichen.

    • Karl Blomquist am

      @Parvis Ghassem-Fachandi
      Iran ist frei, Deutschland derzeit nicht. Aber Iran und Deutschland sind natürliche Verbündete.

  5. Der Leidensdruck ist einfach noch zu gering, bevor hier was entgegen gehalten wird. Spätestens dann wenn auf deutschem Boden massive Stellvertreterkriege geführt werden wachen die auf und versuchen zu retten was zu retten ist. Was dann früher der Balkan war wird sich auf große Teile Europas übertragen und es wird sich dann zeigen, ob wir noch wehrhaft sind. Wenn nicht, dann gehen wir zu recht unter, denn Dummheit wird im Leben immer bestraft, früher oder später.

    • DerSchnitter_Maxx am

      Ich nehme eher an, die schlafen weiter und sterben eben auch … während sie weiterschlafen … Wer September 2001 noch nicht wach geworden ist, pennt heute halt immer noch !

    • so wie Feigheit und Bequemlichkeit.
      Und dumm, feige und bequem sind sie, die ekelhaftesten Subjekte, die je deutschen Boden besiedelt haben:
      Die "Bundesbürger".

  6. Volker Spielmann am

    Persien hat eine Stellung inne wie zuletzt unter den Sassaniden

    Eigentlich wollten ja die nordamerikanischen Wilden mit ihrem Ölraubkrieg Anno 2003 beginnen das Morgenland nach ihrem Bilde zu formen, stattdessen gelingt aber seitdem den Persern ein Streich nach dem anderen. In Bagdad thronen nämlich nicht die Handpuppen der VSA, sondern herrschen die Parteigänger Persiens, während die VS-amerikanischen Besatzungstruppen mit Schimpf und Schande abziehen mußten, weil sie sich nicht der mesopotamischen Rechtsprechung unterwerfen wollten. Phönizien hat Persien mit seiner Gottesparteimiliz weitgehend im Sack und die pompöse Ankündigung der saudischen Ölgötzen, mit welschen Waffen die dortige Armee gegen selbige auszurüsten, scheint im Sande verlaufen zu sein. In Syrien hält sich die perserfreundliche Regierung noch immer an der Macht und neuerdings hat Persien auch im Jemen das Sagen. Eine solche Vormachtsstellung hatten die Perser im Morgenland zuletzt unter den Sassaniden inne und mittlerweile wollen sogar die feindseligen VSA mit Persien verhandeln.

    Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!

    • Karl Blomquist am

      @Volker Spielmann
      Der Plan war eigentlich, dass die USA als einzige Macht übrigbleiben
      Wenn man wie die USA die ganze Welt destabilisieren will, und es gelingt nicht bei allen: Dann bleiben außer den USA selbst auch noch die resistenten Staaten übrig. Sie werden gegenüber den destabilisierten Nachbarn sogar stärker. Und werden zur regionalen Großmacht wie z.B. der Iran, oder sogar zur Weltmacht, wie Russland oder v.a. China. Und dann kann es auch noch passieren, dass der Urheber des Chaos, die USA, sich selbst destabilisiert, weil er sich übernommen hat. Und als Großmacht verschwindet.

  7. Karl Blomquist am

    Iran und Deutschland sind natürliche Verbündete
    Nicht nur wegen der gemeinsamen indogermanischen Herkunft. Iran hat es immerhin geschafft, sich von der sunnitisch-arabischen Hauptströmung des Mohammedanismus unabhängig zu machen und damit seine Souveränität zu bewahren. Zwei Mittelmächte: eine einstige angloamerikanische Einflusszone (Iran), die zur Mittelmacht aufgestiegen, und eine einstige Mittelmacht (Deutschland), die zur US-Kolonie herabgesunken ist. Die sich zufällig derselben Feinde (USA, England, Türkei) erwehren müssen. Da ist Partnerschaft angesagt.

  8. STEUER-SÜCHTLING am

    Die Kulturen/Länder der Welt ließen sich in verschiedene Kategorien einteilen;

    a) rohstoff-arme um das Überleben kämpfende Entwicklungsländer
    b) rohstoff-reiche um das Überleben kämpfende Entwicklungsländer
    c) rohstoff-arme – sich auf Kosten Länder a&b bereichernde Industrieländer
    d) rohstoff-reiche – und sich trotzdem auf Kosten der Länder a&b bereichernde Industrieländer

    die Religiösität spielt dabei eine kongenial zündendes Moment,
    weil man die Aggressivität des Islamischen Denkens ideal in das kriegerische globale
    Regime-Change-Schemata der Industrieländer einbauen kann – um die ums Überleben kämpfenden Länder zu knechten und zu binden;

    Das einzige Land, welches nicht als bereicherer wirken möchte ist Russland;
    und eine weitere Besonderheit – Russland hat pro Einwohner die meisten Quadratmeterzahlen zur Verfügung;

    Ein krasses Szenario !!!

    • deutschland ist ein rohstoffarmes land, das für ie rohstoffe , die importiert werden bezahlt – haben sie schonmal davon gehört

  9. Heiko Stadler am

    Mit der Masseneinwanderung der jungen Männer aus dem arabischen Kulturraum konnten wir sehr gut sehen, wie diese beim Überschreiten der (nicht vorhandenen) deutschen Grenze ihre Verachtung gegenüber anderen Ethnien ablegten, Frauen schlagartig als gleichberechtigt betrachteten und immer eine Armlänge Abstand hielten, begierig auf das Lernen der deutschen Sprache waren, um dann schnellstmöglich als Arzt oder Ingenieur tätig zu werden.

    Während ich bis vor zwei noch Vorurteile gegenüber Ausländern hatte, weiß ich es heute dank Merkel ganz genau: Muslime sind einfach die besseren Menschen!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Die große COMPACT-Konferenz am 29.09.2018 im Raum München

Empfehlen Sie diesen Artikel