Zum 75. Geburtstag Jörg Fausers: Held aller Unangepassten, Rebell gegen alle Konventionen

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„Geschichten halten das Leben zusammen“ ‒ das war die Auffassung von Jörg Fauser, der vor 75 Jahren am 16. Juli 1944 in Bad Schwalbach im Taunus geboren wurde.

Als er in der Nacht nach seinem 43 Geburtstag am 17. Juli 1987 unter bis heute ungeklärten Umständen stark alkoholisiert in der Nähe von München auf der Autobahn von einem LKW erfasst und getötet wurde, hatte er schon ein „wundersam wucherndes Werk“ geschaffen, wie sein Biograph Matthias Penzel es nannte.

Zwischen William Burroughs und „ZDF-Hitparade“

Seither fehlt Deutschland einer der besten und unbestechlichsten Erzähler und Journalisten, den das Land je hatte. Er konnte die gröbsten Klötze schreiben, über den Drogentod in einem Istanbuler Hinterhaus ‒ aber auch ganze Schlageralben texten, für Achim Reichel oder für Veronika Fischer, für die er dann zarteste Natur- und Liebeslyrik lieferte. Mit dem von ihm für Achim Reichel getexteten Song Der Spieler kam ein Fauser-Stück sogar in die ZDF-Hitparade des Dieter-Thomas Heck.

Fauser konnte alles: Reportage, Porträt, Roman, Songtext, Lyrik, Übersetzung, Biographie, und er war ein extrem polarisierender Autor. 1968 und die folgenden Jahre verbrachte er in West-Berliner Kommunen und besetzten Häusern in Frankfurt am Main, aber eher, weil er Stoff für seine Romane suchte und ein Dach über den Kopf benötigte, während er dem politischen Aktivismus damals schon skeptisch gegenüberstand.

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Er lernte Dieter Kunzelmann, Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit kennen, wahre Helden waren für ihn aber diejenigen des Alltags, die er damals im „Schmalen Handtuch“, einer Bornheimer Kneipe, kennenlernte. Er berichtete darüber in seinem autobiographisch gefärbten Roman Rohstoff, auf dessen immer wieder angekündigte Verfilmung man bis heute leider warten muss.

 

Auch die Walser-Grass-Böll-Suhrkamp-Literatur war seine Sache nicht, er besuchte lieber Charles Bukowski in dessen Bungalow in Los Angeles und orientierte sich in Deutschland an Expressionisten wie Hans Fallada oder Gottfried Benn. Beim Berliner tipp, der damals das Organ der linksalternativen und auch linksautonomen Szene war, löste er eine Leserbriefflut aus, als er Ernst Jünger in der Debatte um die Verleihung des Goethe-Preises 1982 vehement verteidigte.

Gegen Blockwartmief und Gesinnungsdiktatur

In dem Text „Das Risiko der Erkenntnis“ warf er jenen, die Jünger den Preis damals verweigern wollten, vor „genau jenen miesen Blockwartsmief, jenen unerträglichen Ruch geistigen Schnüffelantentums und politischer Verhetzung und Verleumdung“ zu verbreiten, „der so unverwechselbar zur Struktur des Totalitarismus gehört wie Massenaufmärsche und Massentransporte – ja diese erst ermöglicht.“

Fauser stellte weiter fest: „Gesinnungsdiktaturen haben Tradition in diesem Land; ihren Anfängen ist auch dann zu wehren, wenn sie unter so blühenden Decknamen wie jenem der Ökologie und auf Umweltpapier auftreten.“

Was Jünger für Fauser so interessant machte, das war sein Impuls „das Risiko der Erkenntnis auch gegen die Logik von Masse und Macht und die Tugendwächter öffentlicher Moral zu suchen.“ Deshalb hätte „die Jury, die den Goethe-Preis verliehen hat, […] einen bequemeren Preisträger finden können – einen würdigeren nicht.“

Zu diesem Zeitpunkt galt Fauser vielen schon als der „letzte Reaktionär“ oder als „rechter Anarchist“. Bleiben werden seine lakonischen, meisterhaften Krimis; Kant, Das Schlangenmaul und Der Schneemann, letzterer 1984 verfilmt mit Marius Müller-Westernhagen in der Hauptrolle. Immer wieder umkreiste Fauser in seinem Werk als Romancier und Journalist das Dunkelfeld zwischen Geheimdiensten, großer Politik und organisierter Kriminalität – dieses Interesse könnte ihm möglicherweise das Leben gekostet haben, wie bis heute angesichts seines unaufgeklärten Unfalltodes spekuliert wird.

Er selbst schätzte Autoren, die, wie er einmal mit Blick auf einen Krimi von Ross Thomas feststellte, zu einer „diabolischen Analyse unserer politischen Verhältnisse“ in der Lage sind, und die den Lesern die Welt zeigen, wie „der Teufel damals auf den Hügeln des Galiläerlands dem Herrn Jesus“, nämlich „wie sie wirklich ist, und nicht, wie Idealisten sie gerne hätten“.

Fauser hatte als Autor damals schon einen weiten Weg hinter sich gebracht. In der Zeit seiner Drogensucht zwischen 1967 und 1974 hatte er an die ultraexperimentelle Cutup-Literatur eines William S. Burroughs angeknüpft, bevor er sich unter dem Einfluss von Autoren wie Hans Fallada, Joseph Roth oder Charles Bukowski immer stärker zu einem Erzähler glasklarer Prosa wandelte.

Bei denen bleiben, die unten sind

Unübertroffen war er als ein Erzähler, der Figuren entwarf, die ein wenig im Abseits stehen, und die dennoch jeden Tag den Kampf um ihr Glück aufnehmen, sowie als unbestechlicher Beobachter seiner Zeit, der siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

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1984 wurde Fauser beim Klagenfurter Bachmann-Literaturwettbewerb noch zerrissen wie keiner nach und keiner vor ihm. Michel Köhlmeier stellte im Rückblick fest, Fauser sei damals der deutschen Literaturkritik in ihrer „hinterhältigsten und erbärmlichsten Gestalt“ begegnet und vom „Klagenfurter Literaturgerichtshof“ wegen seines Seins, und nicht wegen seines Werks, zerrissen worden.

Mittlerweile liegen mehrere Werkausgaben von Rogner & Bernhard, dem Alexander Verlag Berlin und dem Diogenes Verlag vor. Diogenes legt zum 75 Geburtstag Fausers auch nochmals den Kriminalroman Das Schlangenmaul über den West-Berliner Korruptionssumpf kurz vor dem Mauerfall, die Erzählung Rohstoff sowie den Band Rohstoff Elements, der das Frühwerk des Autors beleuchtet, auf.

Den Selbstentzug, der ihm mit Hilfe des Mittels Apomorphin gelang, sah er zeitlebens immer als eine seiner größten Leistungen an. Tragischerweise starb er dann doch noch viel zu früh. Als Bukowski über seinen Übersetzer Carl Weissner vom Tod Fausers erfuhr, schrieb er: „Der Tod von Joe Fauser hat mich wirklich durchgerüttelt. Irgendwie erschien er mir immer so dauerhaft wie eine Betonmauer. Aber gegen einen LKW kommt keiner an. (…) Es gibt Verluste, da bleibt einem die Luft weg. Aber ich bin sicher, du hast recht, Joe würde sagen: ,Vergesst es, und macht eure Arbeit‛“

Im Himmel steht heute hoffentlich Champagner parat!

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5 Kommentare

  1. Avatar
    heidi heidegger am

    sehr gut. Fauser und Goetz tausche ich sofort gegen Grass (sogar die 59er Blechtrommel war genauer betrachtet ein ²magischerrealismusGeschwurbel hoch zehn)

    ² — Eckhard Henscheid bezeichnete den Roman 1984 im Merkur als „Riesenschmonsus, bei dem vor lauter Barock und Allegorie und Realismus und Vergangenheitsbewältigung und Großmannssucht nichts, aber auch gar nichts stimmt“, das Buch sei „ein Synthetikprodukt des wäßrigsten Zeitgeistes, das zu allem Überfluß sich auch noch genialisch gibt“. — wiki

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      Günter Grass wurde am 10. November 1944 im Alter von 17 Jahren zur 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ einberufen.

      Damals ein Vaterlandsverteidiger – später nur noch linkes Arxxxloch.

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      heidi heidegger am

      corr.: tauschen f ü r (also alle! Grass‘ von meim heidi-Papa gegen 2 Fauser-RainaldGoetzBüchlein quasi). so!

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        heidi heidegger am

        OT-Nachtrag zum *Daimler-Faden*, bittschön-dankschön:

        wazz-war-dazz?? sFritzle onnd drr Tiffi machten Spässken mit die heidi? -> "was ist nur aus den schwaben geworden-mööööpmopper"

        ..eine hodenlose Frechheit ditt ganze, aber ick musste auch hart lachen, aber nur weil von den KIGGERS auch die Rede war, hihi. 🙂

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