Zahlenspiele mit Pegida

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_von Gerd Meyer Schultze

Schon seit einigen Wochen haben Beobachter der Dresdner Pegida Demonstrationen den Eindruck, dass die Teilnehmerzahlen nach unten manipuliert werden, seit die Beteiligung eine fünfstellige Zahl erreicht hat. Tatsächlich ist die Teilnehmerzahl ein Politikum. Die Mainstreampresse und die Politnomenklatura verschanzen sich seit einigen Tagen hinter einer nicht näher zu verifizierenden Zahl von Gegendemonstranten Deutschlandweit. Diese betrage angeblich 100.000. Die Dresdner Oberbügermeisterin Helma Orosz (CDU) und der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) haben am Wochenende vor der letzten Pegida-Demo den Schlagerkönig Roland Kaiser (62) aufgeboten, um für ihre Zwecke in Dresden Massen auf die Straße zu bekommen. Bislang ist eine Bestätigung der Polizei zu der von den Veranstaltern behaupteten Teilnehmerzahl von 35.000 ausgeblieben.

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Der krampfhafte Versuch, die Gesamtdemonstranten in Deutschland gegen die Dresdner Pegida aufzurechnen ist deswegen lächerlich, weil in fast allen anderen Städten Schlägerbanden den Bürgerprotest unterbinden. Teilweise kam es bei «Gegendemonstrationen» auch zu Gewaltexessen gegen unbeteiligte Bürger. Dies wird aus München und Hannover gemeldet. Daher können die «Aufmärsche» der Politiker nicht in Rechnung gestellt werden. Die Verantwortlichen scheinen das auch zu wissen und versuchen daher die Dresdner Zahlen zu minimieren.

Den Vogel schoss das frühere Zentralorgan der SED, das Neue Deutschland, ab. Der Berliner Soziologe Dieter Rucht (ein in die Jahre gekommener Westdeutscher) wollte dem Phänomen Pegida wissenschaftlich auf den Grund gehen. Mit 35 Mitarbeitern von Berliner Universitäten und der Technischen Universität Chemnitz zählte er noch mal nach und förderte die «beruhigende» Teilnehmerzahl von nur 18.400 zu Tage. Außer dem Neuen Deutschland verbreitete kein anderes Printmedium die von Rucht ermittelte Zahl. Der Vorgang erinnerte irgendwie an Siegesmeldungen von der Produktionsfront in der untergegangenen DDR nach denen im Staat der Arbeiter und Bauern Wohlstand und Zufriedenheit herrschte. Am 11. November 1989 fielen die Lebenslügen der DDR in sich zusammen. Schon Winston Churchill wusste über Statistiken zu berichten, dass er nur solchen vertrauen würde, die er zuvor selbst gefälscht habe.

Am kommenden Montag wird sich erweisen, ob die Zahl der Pegida Demonstranten in Dresden weiter wächst und eine Zahl erreicht, die politische Konsequenzen nach sich zieht. Der Spiegel hat derweil eine Studie der TU Dresden verbreitet, nach der der typische Pegida – Demonstrant gut gebildet ist und aus der oberen Mittelschicht kommt.

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