Endlich: Die AfD ruft Ihre Anhänger auf die Straße – zum Protest gegen die Merkel-Politik. Gespräch mit den beiden Organisatoren Guido Reil und Steffen Königer vom Bundesvorstand der Partei.

    Ihr habt die AfD-Großdemonstration am kommenden Sonntag ganz wesentlich mit angeschoben. Was ist das Ziel?

    Reil: Der Protest muss auf der Straße sichtbar und spürbar werden. Ich war bei einer Demonstration von „Kandel ist überall“, da waren 5.000 Leute. Aber keiner hat darüber berichtet. Wenn wir 5.000 am Brandenburger Tor sind, wird ein Verschweigen nicht möglich sein.

    Königer: Die Wirkung ist ja schon jetzt, im Vorfeld, deutlich: Politiker wie Renate Künast von den Grünen und Dietmar Bartsch von den Linken haben sich schon geäußert – mit der Aufforderung, unsere Demonstration zu blockieren. Das ist möglicherweise eine Aufforderung zu Straftaten, unsere Anwälte prüfen.

    Die letzte AfD-Großdemonstration gegen Merkels Flüchtlingspolitik liegt fast drei Jahre zurück. Warum hat es so lange gedauert bis zum zweiten Anlauf?

    Königer: Wir hatten anstrengende Wahlkämpfe, vor allem zur Bundestagswahl m September 2017. Das war ja so etwas wie eine permanente Demonstration. Die aktuellen Überlegungen reichen bis zum Jahresanfang 2018 zurück, als die GroKo noch nicht gebildet war.

    Reil: Wir hatten auch Sicherheitsbedenken: Angesichts eines äußerst gewalttätigen Gegners in Gestalt der Antifa fragten wir uns lange, ob wir unsere Mitglieder dieser Gefahr in Berlin aussetzen können. Doch die Polizei, das hat sich in den Vorgesprächen gezeigt, ist auf unserer Seite.

    Die AfD führt jetzt weiter, was in Kandel, Cottbus und vor allem im Dresden begonnen hat. Seht Ihr Pegida als Vorbild?

    Reil: Kandel zeigt, dass der Protest den Westen erreicht hat. Selbst bei mir um die Ecke in Bottrop waren im März 1.000 Leute auf der Straße.

    Königer: Was 2014/2015 nur bei Pegida gesagt wurde, sagen jetzt auch die Protestierenden im Westen. Wir hatten mit Pegida nie Probleme, nur mit einzelnen Personen.

    Reil: Im Westen ist Pegida eine Legende: ein breites Bürgerbündnis, ein Vorbild.

    Königer: Dass ich den Abgrenzungsbeschluss der AfD zu Pegida richtig finde, heißt nicht, dass ich Pegida schlecht finde. Die Devise heißt: Getrennt marschieren, vereint schlagen.

    Was ist die Perspektive? Demos können sich totlaufen. Wie kann man das steigern?

    Reil: Jedes Jahr zur selben Zeit demonstrieren! Dieses Jahr sind wir 10.000, in vier Jahren 70.000. Vielleicht nächstes Jahr parallel zur Europawahl, gemeinsam mit unseren europäischen Partnern.

    Was ist der Haupthebel der Veränderung: die Straße oder das Parlament?

    Könige: Beides. Wer eines von beiden ausblendet, hat die Sache nicht verstanden.

    Trio infernal? Königer, Reil, Elsässer (v.r.n.l.) beim Interview in bester Stimmung. Foto: COMPACT

    Wie ist eigentlich die Rednerliste aufgestellt worden?

    Königer: Zuerst wollten wir nur Frauen reden lassen. Das war schwierig zu organisieren. Jetzt haben wir die Köpfe des Bundesvorstandes genommen, da sind alle Strömungen repräsentiert.

    Reil: Und dazu Frauen von der Basis wie Marie-Thérèse Kaiser, eine der Organisatorinnen der Hamburger Merkel-muss-weg-Demos.

    Aber Björn Höcke fehlt.

    Königer: Es gab viele Anfragen deswegen. Das Problem: Wenn wir den Landeschef von Thüringen reden lassen, warum dann nicht den von Sachsen, wo nächstes Jahr wichtige Wahlen sind, oder den von NRW, dem größten AfD-Landesverband?

    Reil: Also haben wir das Problem harmonisch gelöst: Der gesamte Bundesvorstand spricht, alle. Die Landesvorsitzenden, darunter auch Höcke, laufen in der ersten Reihe. Harmonisch muss es sein. Nur gemeinsam sind wir stark.

    Interview: Jürgen Elsässer

    Infos zur Demo:

    Sonntag, 27. Mai, Beginn 12 Uhr am HBF Berlin (Washingtonplatz).

    Gruppenreisen bietet die Bahn hier an:

    https://www.bahn.de/p/view/angebot/gruppen/sparpreis-gruppe.shtml

    Die AfD sucht dringend noch Ordner. Hier kann man sich registrieren:
    https://www.afd.de/demo-berlin/demohelfer/
     

    Kommentare sind deaktiviert.