Wieder Gelbwesten in Frankreich: Macron lädt in 14 Tagen zum großen Bürger-Dialog

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Und wieder ziehen heute die Gelbwesten durch Frankreich. Zum 16. Mal, da droht mediale Gewöhnung. Dabei ist die Bewegung weiter als es scheint: nachdem seine Versprechungen keinen Erfolg hatten, lädt Präsident Macron in vierzehn Tagen zum großen Bürger-Dialog.

Nach sechzehn Gelbwesten-Demos zieht Frankreich eine traurige Bilanz: zwölf Tote und mehr als 1.700 Verletzte. Präsident Macron hatte versucht, die Proteste erst durch Verschiebung der Kraftstoff-Kostenerhöhung zu dämpfen, dann versprach er höhere Mindestlöhne. Es half nichts mehr. Wahrscheinlich hätte er noch voel mehr versprechen können. Schließlich ließ er auch keine Zweifel aufkomen, dass er seinen „Reformkurs“ fortsetzen werde. Selbst die Märchenpresse gibt inzwischen zu, dass das Land in einer Krise steckt.

Die Zeit versuchte außerdem eine sozialpschologische Erklärung für den Erfolg der Bewegung und spekuliert, dass die Gelbwesten ein Gemeinschaftsvakuum der mordernen Gesellschaft füllten. Inmitten neoliberaler Atomisierung erfährt der Einzelne plötzlich wieder Solidarität und Gemeinsamkeit. Die Auftritte der Teilnehmer werden expressiver: so malen sich manche Teilnehmer rote Tränen unter die Augen: ein Hinweis auf Augenverletzungen durch Tränengas und Gummigeschosse.

Dabei wissen sie inzwischen sogar die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, auf ihrer Seite: die hat jegliche Gewalt gegen die Gelbwesten scharf gerügt. Wobei dies nur für einen Teil der französischen Sicherheitskräfte gilt. Viele Polizisten, auch wenn dies medial nicht an die große Glocke gehängt wird, zeigen inzwischen unverholen ihre Sympathie für die Bewegung. Macrons neuestes Beruhigungs-Projekt ist eine „große Debatte“, ein Bürger-Dialog, der öffentlich geführt werden soll. Stattfinden soll er am 16. März, also in 14 Tagen. Ob er seine Reputation damit retten kann?

 

 

 

 

 

 

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8 Kommentare

  1. Avatar
    brokendriver am

    Die Gelbwesten sind ein Lichtblick in Europa.

    Wenn auch nicht für das vertrottelte Merkel-Kalifat BRD…

    Hier fahren einfach noch zu viele dicke, fette SUVs vor die Schulen.

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    Frankreich wählte gestern zum 16.Male seine politische Führung.
    MACRON scheint da nicht mit im engeren Führungszirkel zu sein.

    Alles nur noch eine Frage der Zeit.

    PS: die Kirche aus dem Staat!

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    Duis Libero am

    Liebe Franzosen, ich unterstütze Euren revolutionären Kampf für soziale Gerechtigkeit und Eure Forderungen an die Abgeordneten der Nationalversammlung. Erlaubt mir wenige, aber wichtige Ergänzungen: Die Löhne und Renten müssen nicht an die Preisentwicklung, sondern an die Produktivitäts- UND Preisentwicklung angepasst werden. Dazu kommen Abschaffung Kapitalverkehrsfreiheit, Verstaatlichung aller Großbanken sowie Wiedereinführung einer eigenen Währung. Es wird sonst sehr schwer, vor dem Hintergrund "globaler Zwänge" auf nationaler Ebene nachhaltige Sozialstaatlichkeit zu realisieren.

    Chers Français, je soutiens votre lutte révolutionnaire pour la justice sociale et vos revendications auprès des députés de l’Assemblée nationale. Permettez-moi de faire quelques ajouts importants : Les salaires et les pensions ne doivent pas être adaptés à l’évolution des prix, mais à celle de la productivité ET des prix. En outre, la libre circulation des capitaux doit être abolie, toutes les grandes banques doivent être nationalisées et leur propre monnaie réintroduite. Sinon, il sera très difficile de réaliser un Etat-providence durable au niveau national dans un contexte de "contraintes globales".

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    heidi heidegger am

    "Macron lädt in 14 Tagen zum großen Bürger-Dialog": könnte aber nach hinten äh nach vorne losgehen, wanns die *Jacquerie* Macron in den Zwinger sperrt, anstelle seines an den Kamin pinkelnden Doggies, hihi

    –Der Aufstand des "Jacques Bonhomme" 1358 — Jacquerie, der größte französische Bauernaufstand der Feudalzeit

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    DerGallier am

    Die Gallier sind anders gestrickt, die lassen sich höchstens eine Zeit lang blenden.

    Die Toten, Verstümmelten , Verletzten werden sie Macron nicht verzeihen.

    Seine angebliches Friendenspalaver werden die Gelbwesten ignorieren, weil er die rote Grenze überschritten hat.

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    NOCH ist es möglich, daß sich die "Sicherheitskräfte" mit dem Volk solidarisieren, doch Leute vom Stande Marcrons warten nur auf die Endfassung von perfekten Robotern, die man für solche zwecke einsetzen kann und die gnadenlos mit der Rücksichtslosigkeit einer Maschine diese Aufgaben übernehmen werden! Die Entwicklung steht kurz vor der Fertigstellung und läßt sich dann gnadenlos gegen alle und jedem einsetzen.

    Menschenrechtsaktivisten sollten für das Verbot der Entwicklung solcher Möglichkeiten konsequent eintreten! Sind Erfindungen / Technologieen erst einmal in der Welt, findet sich auch immer einer, der sie einsetzt: Legal, illegal – scheißegal!
    Wenn Technologieen Nachteile haben, überwiegen diese die Vorteile! Immmer!!

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    In Venezuela ist der Präsident ein ,,DIKTATOR"(Angeblich) und wie nennt man dann diesen ,,Makkaroni"?! Der schiesst ja nun wirklich, auf sein Volk und dort ist es das Volk und keine gesteuerten Putschisten ! Wo sind die Aufschreie aus Politik und Medien? Wird hier etwa mit Zweierlei Maß gemessen?! WIEDERLICH und ecklig diese Politversallen,Deutscher Politsatire und Staatsmedien !!

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