Weshalb Putins Popularität in Russland ansteigt – Eine Analyse zur Wahl

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Ist es egal, ob man mit 51 oder mit 77 Prozent gewählt wird? Keineswegs. Was aber hat Putins Popularität während der letzten Amtszeit gesteigert?

_von Alexander Sviridov

Die Präsidentschaftswahlen in Russland versinken in Zahlen: Anzahl der Wahlberechtigten, Anzahl der Wähler, Anzahl der Wahllokale und Wahlbeobachter, Anzahl der Kameras, die das Geschehen in den Wahllokalen ins Internet sendeten, Anzahl der Verstöße gegen die Wahlgesetzgebung, Umfragewerte vor der Wahl und gleich danach, vorläufige Ergebnisse von der Zentralen Wahlkommission (ZWK) – nach Auszählung von 20% der Stimmen, 30%, 50%, 99,8… Im Zahlenrausch gibt es keine Zeit nachzudenken, was diese Zahlen eigentlich für das Land, für die Bürger, für die zukünftige Politik, für Putin selbst bedeuten. Das holen wir jetzt nach.

Putin bekommt (alles vorläufige Angaben der ZWK nach der Auszählung von mehr als 99% der Wahlzettel) fast 76,7%. Das sind 13 Punkte mehr, als bei der vorhergehenden Wahl 2012. Hier sind einerseits die Wiedervereinigung mit der Krim (positiver Einfluss) und Sanktionen des Westens (vermutlich eher negativer Einfluss) bereits „eingepreist“. 13% mehr bedeuten, dass die Wähler den außenpolitischen Kurs des Präsidenten voll und ganz unterstützen, auch bereit sind, einige Nachteile (Fehlen der westlichen Investitionen und des westlichen Technologietranfers sowie den Mangel an einigen westlichen Lebensmittel aus dem Gourmet-Bereich) zu dulden.

Die Bedeutung der Sanktionen für das Wahlverhalten ist nicht endgültig geklärt: Fachleute meinen nicht ohne Grund, dass die Sanktionen des Westens das Volk um Putin eher einten. Einige Experten messen der hohen Anzahl der Unterstützer Putins auch einen „qualitativen Sprung“ bei: Wenn drei Viertel der Bürger einer Person ihr Vertrauen schenken, ist sie nicht mehr nur ein politischer Anführer, sondern ein nationaler.

Diesmal war auch die Wahlbeteiligung höher als 2012. Ob 65 % der Wähler zu Urne kamen, wie damals, oder fast 68, wie diesmal, spielt allgemein betrachtet keine wesentliche Rolle. Bei den Wahlen am 18. März 2018 war das allerdings wichtig, weil einer der bekanntesten (und im Westen hochgelobten) Oppositionellen des Landes, Alexej Nawalnyj, zum Boykott der Wahlen aufgerufen hatte (COMPACT-Online berichtete). D. h. die Wähler stimmten „mit Füßen“, wenn nicht unbedingt für Putin, aber sicherlich gegen Nawalnyj, in dem sie den Weg zum Wahllokal auf sich nahmen.


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Zwei ideologisch Nawalnyj-nahe Oppositionelle, Xenia Sobtschak und Grigorij Jawlinskij, bekamen landesweit entsprechend 1,68 % und 1,05 %. Der Dritte im oppositionellen Bunde könnte gerade Navalnyj sein, der nicht zur Wahl zugelassen war (vorbestraft). Er würde, laut Umfragen, etwa 2 % der Wähler auf sich einigen. Alle drei zusammen kommen auf nicht mehr als 5 % (es ist zu bedenken, dass einige Anhänger Nawalnyjs bei den Wahlen für Sobtschak und Jawlinskij stimmten). Da Nawalnyj beide genannten Kandidaten als Renegaten betrachtet (sie haben an der Wahl teilgenommen, die er boykottierte!), bleibt sehr wahrscheinlich die russische Opposition – auch so nicht berauschend mächtig – weiter einander spinnefeind. Was Putin-Anhänger ohne Zweifel freuen wird.

Es gibt bei dieser Wahl auch andere Verlierer: Einmal sind das die Ideen von Marx-Engels-Lenin – die Kommunisten haben mit unter 12% das schlechteste Ergebnis seit dem Zerfall der Sowjetunion eingefahren. Je länger sich das Land zeitlich vom realen Sozialismus entfernt, desto weniger ist er für die Menschen attraktiv. Der Rest ist „biologischen Faktoren“ zuzuschreiben.

Der zweite „abgestürzte Flieger“ ist mit 5,65% der Ultranationalist Wladimir Shirinowskij. Das Land ist sichtlich müde von seinen radikalen Forderungen. Da Putin sich offen „Nationalist“ nennt, sind die Menschen gerade für diese putinsche gemäßigte, konstruktive, schöpferische Auflage des Patriotismus. Damit ist gleichzeitig zu erklären, dass noch ein Präsidentschaftskandidat, Sergej Baburin von der Russischen Volksunion, der fundamentale und zum Teil antiquierte nationalistische Werte vertritt, mit 0,65% ganz am Ende der Liste ankam. Also, Nationalismus „ja“, aber ein vernünftiger.

Eine besondere Region ist die Krim. Nach dem Referendum vom März 2014, als fast 97 Prozent der Wähler auf der Halbinsel für die Wiedervereinigung mit Russland gestimmt hatten, gab es genug Publikationen, die diese Ergebnisse – als Volksentscheid unter den Läufen der Maschinengewehre – herabsetzten. Die soziologischen Erhebungen vor und nach dem Referendum, auch von westlichen Forschungsinstituten, die ähnliche Ergebnisse zeigten, wurden ignoriert.

Medien und Politiker, die Putin nicht wohlgesonnen sind, redeten diese ganzen vier Jahre über die Lebensmittelnöte, Unzufriedenheit der Bevölkerung, Proteststimmung und die zum „bewaffneten Widerstand“ bereiten ukrainischen und krimtatarischen Patrioten. Deshalb war die Abstimmung für oder gegen Putin ein Lackmustest dafür, wie zufrieden Bürger der Krim mit ihrem Leben und mit der Wiedervereinigung mit Russland sind, deren Architekt ohne jeden Zweifel Putin war.

Bekam Putin landesweit „nur“ 77%, so erreichte er auf der Krim über 92% Unterstützung. Zwei Kandidaten, Xenia Sobtschak und Grigorij Jawlinskij, die die Meinung äußerten, die Krimfrage sei noch nicht abschließend geklärt (Putin meint dagegen, die Krim gehöre – ohne Wenn und Aber – zu Russland) haben zusammen hier unter 2,5% der Stimmen bekommen. Man kann annehmen, dass gerade auf dem Niveau auch das Unzufriedenheitspotenzial auf der Halbinsel liegt.

Das Lied über die „Läufe der Maschinengewehren“ zieht auch nicht mehr: Auf der Krim waren diesmal Dutzende internationale Wahlbeobachter aus 20 Ländern zugange, darunter aus Israel, Italien, Frankreich, Schweden, Zypern und der Ukraine, und sie haben nur Gutes berichtet – die Wahlen seien „demokratisch“ und „rechtskonform“ gelaufen.

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20 Kommentare

  1. Direkter Demokrat am

    Daß Putin ein lupenreiner Demokrat wäre, würde sicher niemand sagen. Daß aber das Wahlergebnis gefälscht sein soll, ist wohl in das Reich der Fabeln zu verweisen. Warum sollte jemand, der alles für das Land und die Leute macht, es nötig haben zu fälschen? So etwas kommt nur unseren öligen Schmierfinken von der Pinocchio-Presse in den Sinn. Nicht zu vergessen, die hirnlosen Dummschwätzer vom privaten und öffentlich-lächerlichen Propaganda-TV. Nach dem desaströsen Wahlergebnis von Merkel darf doch Putin nicht erfolgreicher sein. Langsam wird die Russlandhetze des Merkel-Regimes immer lächerlicher. Guten Rat an Putin: wenn der Außenkasper Maaß dort auftauchen sollte, schicke den Drollo einfach zurück. "Kein souveräner Staat, kein Außenminister!", das sollte Putins Antwort sein.

  2. Nach der Wahl Putins hatte ich ein interessantes Gespraech mit meinem Freund in Moskau. Er ist der Meinung, dass bei aller Hetze oder Zustimmung, bei dem ganzen Zahlenspiel um Prozente eines ganz deutlich wird. Russlands Regierung unter Putin hat es genau so gut verstanden wie die "kommunistische“ Regierung in China, einen Vielvoelkerstaat zu einem Staat zu schmieden und alle ethnischen Gruppen in das Boot des Patriotismus zu holen um dem gemeinsamen Staat Staerke und Ausdruck zu verleihen. Das geht nicht mit charakterschwachen, zu nichts verpflichteten Haendchenaufhaltern.

    • Die dürfen den Russen auch nicht so auf der Nase herumtanzen wie bei uns. (Mal abgesehen davon, dass die finanzielle Pamperung dort weitaus bescheidener ausfällt als hier.) Das zeigt aber sehr schön, dass die Anreize und das dämliche Gutmenschenverhalten hier das Problem sind. Wenn das Angebot da ist, muss man sich eben nicht wundern, wenn das auch genutzt wird.

      Zur Vorstellung, wieviele Moslems es in Russland gibt, mal bei yt "800.000 Tausend Muslime beten in Moskau auf den Strassen" eingeben, es gibt auch noch mehr zu dem Thema.

  3. Die Briten haben ja wieder handfeste Beweise dafür, dass die Wahlen dort manipuliert wurden. Und weil es die Briten sagen, glauben das auch alle.
    Obwohl… bin ich doch etwas unsicher. So wie ich den Putin einschätze, hat er tatsächlich manipuliert, aber nach unten. Stellen Sie sich vor, er hätte wie uns SPD Schulzens 100% erreicht. Oder auch "nur" 90%. Um realistisch zu erscheinen, KANN deshalb ein Resultat nur unterhalb der 8 liegen. Um den OSZE Siegel zu bekommen, wurden mit Sicherheit 20% der pro-Putin Stimmzettel vernichtet.

  4. Langsam entwickele ich eine Idiosynkrasie gegen die Worte "Putin" und "Russland".Deren Häufigkeit seit Tagen läßt vermuten,daß sie bei manchen Verweifelten schon ausreichen,einen Abgang zu bewirken.

    • plötzlich, Paul... am

      Wie jetzt? Im Sinne von "mir geht einer ab" oder "ich trete hier ab"…ist wohl irgendwie ein Unterschied.
      (Nach Diktat verreist)

  5. Hinter Putins Wiederwahl steht eindeutig Trump:
    [ BBC.co.uk: Трамп поздравил Путина с победой на выборах ]

    • heidi heidegger am

      *aaaah* Du zinkerin unn datt. GABI, das kannste nicht bringen, denn Paolo und die heidi hamm-dett-schpiehl-länggss-durchschaut! hinter Kallis dings stecken die maurer. *ächz*:

      [ Kopfnuss Kalli VS Paolo Pinkel Younow 28 11 2017 ]

      • Dein Einwand kommt etwas spät, Heidi. Ich hatte gestern Abend noch schnell ein Trump-Putin-Treffen über die Himmelsnetz AG angemeldet:
        [ TIMESOFMALTA.com: Preparations to start soon for Trump and Putin meeting ]

        Das kann ich jetzt doch nicht einfach wieder absagen. Das wäre sicherlich auch nicht im Sinne von COMPACT, oder?
        [ COMPACT-SHOP.de: COMPACT-Edition | Donald Trump „Krieg und Frieden“ ]

    • Ein Zauberer, dieser Trump.Hat zig-Millionen Russen die Hand in der Wahlkabine geführt.

    • plötzlich, Paul... am

      Gratulationen sind wie Guten Tag sagen…wünscht man jemandem wirklich explizit einen guten Tag oder ist es nur hohle Floskel? Putin wird auch damals nach Trumps Wahlsieg diesem gratuliert haben, vermutlich noch in der Hoffnung, die Beziehungen zwischen den USA und Russland würden nun endlich besser werden – leider ein Trugschluß. Selbst wenn jetzt ein US-amerikanischer Präsident gratuliert und es vielleicht sogar ehrlich meint, ist davon kein Tauwetter zu erwarten. Der Tiefe Staat der USA ist die entscheidende Größe, und dort hausen die Hyänen und Falken, die Kriegstreibern wie der obersten NATO-Marionette Stoltenberg die Fäden ziehen…

      • PLÖTZLICH, PAUL., gratuliert wird immer, das macht man eben so, als Höflichkeitsfloskel. Ob das nun gleich Tauwetter zu bedeuten hat, sollte man erstmal abwarten. Das sehe ich ganz genau so.

    • Michael Höntschel am

      Gabi, da sie ja immer noch durchs Netz geistern mal eine Frage an die Expertin. Ich bin jetzt etwas verunsichert. Hat nun Putin die Wahlen in den USA manipuliert und Trump sich jetzt bei Putin bedankt, indem er die Wahlen in Russland zu Gunsten Putins manipulierte? Aber möglicherweise haben sie ja recht. Trump will sich ja jetzt angeblich mit Putin treffen. Wenn da jetzt der Kim noch dazu kommt, dann verschwören die sich sicher zum Weltfrieden. Trump hat ja sicher auch die Truppen nur an der Westgrenze Russlands versammelt, um zu verhindern, dass Putin die Wähler abhauen. Sie sind immer eine Bereicherung.

  6. >Also, Nationalismus ja, aber ein Vernünftiger.< (Zitat leicht abgeändert)

    Ist es nicht genau das, was wir auch wollen? Ist das wirklich so "Nahzie"?

    Für 87% der Wähler in Schland anscheinend schon…

    • Ich lese immer öfter Schreibweisen wie Nahzie oder Nazzie oder ähnlich.
      Ein Nazi ist der phonetische Ausdruck für national, also nazional. Was dabei immer unter den Tisch fällt ist der Sozialist. Ein National Sozialist ist aber ein Widerspruch in sich. Sozialismus ist immer international. Unter der Weltherrschaft machen es die Sozialisten nicht.
      Kommunismus, Sozialismus, Trtotzkismus, Leninismus, Stalinismus, Maoismus, das ist alles das selbe,
      In der DDR nannten sie sich Sozialistische Einheitspartei, Heute nennen sie sich die Linke und sind den Grünen Sozialisten nicht links genug
      Sozialisten haben in im letzten Jahrhundert viele hundert Millionen Menschen ermordet und sie werden weiter machen wenn wir sie nicht aufhalten.

  7. Die Rußland-Sanktionen des "Westens" geraten auch zunehmend in eine Zeit, in dem Rußland den "Westen" nicht mehr braucht, um voranzukommen. Technologietransfer und Exportkunden holt man sich dann z.B. in China. Ansonsten kann Rußland autark sein, da es seine Bevölkerung mit allem Nötigen selbst versorgen könnte. In D. ist z.B. nicht einmal die Ernährung in dem Punkt sicher.
    Und westliche Delikadessen braucht keiner wirklich, schon garnicht zum Überleben.

    • Eben, so ist es. Ansonsten hätte sich das höchstwahrscheinlich auch anders auf das Wahlverhalten der Russen ausgewirkt, wenn die dadurch entstandenen Einschnitte wirklich so enorm schmerzhaft gewesen wären.

  8. Judith Hirsch am

    "Niemand liebt den Schwachen" sagen meine russsichen Freunde oft zu mir. Ich kann sie verstehen. Sie äußern ehrliches Mitgefühl, dass wir uns von solchen Karikaturen wie Merkel, Macron und May "führen" lassen müssen.

    • Direkter Demokrat am

      @Judith Hirsch: Das müssen wir nicht. Nur leider sind eben 70 Jahre permanente Gehirnwäsche und Schuldkult daran schuld, daß sich kein flächendeckender Widerstand ausbreitet. Jeder wartet. Aber auf wen und auf was?

    • Da haben die russischen Freunde ganz Recht. Und das Mitgefühl ist eine ehrlich nette und wertvolle Geste. So geht echte Völkerverständigung, leider nur ohne unsere Regierung..

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