„Werden uns nicht totprügeln lassen“ – Stürzt der China-Gigant Huawei doch noch über Trump?

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Das weltweit bekannteste chinesische Unternehmen rechnet mit scharfen Umsatzeinbußen aufgrund der US-Sanktionen und wird in Zukunft nicht mehr von Google beliefert.

 Bislang schien der Wirtschaftskrieg der US-Regierung gegen den chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei fast folgenlos an dem Konzern aus der Küstenstadt Shenzhen abzuperlen. Noch im vergangenen Monat meldete Huawei für das erste Quartal 2019 eine Steigerung seiner Smartphoneverkäufe in einem insgesamt schrumpfenden Markt, während Apple für den gleichen Zeitraum einen weiteren Einbruch seiner iPhone-Verkäufe um 23 Prozent vermelden musste. Insgesamt lag Huawei mit seinen Verkäufen im Smartphonesegment nur noch hinter dem südkoreanischen Samsung-Konzern.

Massiver Geschäftseinbruch voraus!

Doch nun musste Huawei-Chef Ren Zhengfei einräumen, dass der chinesische Konzern sich wegen der US-Sanktionen für die kommenden beiden Jahre auf einen starken Geschäftsrückgang einstellt. Der Umsatz werde für diesen Zeitraum um jeweils 30 Milliarden Dollar unter den Vorhersagen liegen, außerdem müsse damit gerechnet werden, dass allein das internationale Smartphonegeschäft in diesem Jahr um 40 Prozent schrumpfen werde.

Ren Zhengfei äußerte, nicht damit gerechnet zu haben, dass die US-Regierung solche „extremen Maßnahmen“ gegen Huawei ergreifen werde, sogar die Zusammenarbeit des Unternehmens mit US-amerikanischen Universitäten werde eingeschränkt.

Erst im vergangenen Monat unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine „Anordnung über die „Sicherung der Informations- und Kommunikationstechnik und die Versorgungskette“ (Message to the Congress on Securing the Information and Communications Technology and Services Supply Chain), die seiner Regierung umfassende Vollmachten einräumt, gegen ausländische Telekommunikationsunternehmen vorzugehen.

Die Elektrifizierung des Individualverkehrs geht mit einer neuen Welle des Neokolonialismus einher. Der Abbau des Schwermetalls Kobalt erfolgt unter unmenschlichen Sklavenhalterbedingungen im Kongo. Lesen Sie mehr dazu – und zu vielen anderen Themen – im COMPACT-Spezial 22 „Öko-Diktatur – Die heimliche Agenda der Grünen“. Das Heft zum Thema des Jahres ist seit gestern in der Auslieferung!

In dem Dokument des Weißen Hauses wird Huawei zwar nicht namentlich genannt, doch die einzelnen Bestimmungen der Richtlinie sind so gefasst, dass diese offensichtlich ganz auf das Unternehmen aus Shenzhen zugeschnitten wurde. In dem Dekret wird beklagt, dass „ausländische Gegner“ zunehmend „Schwachstellen in der Informations- und Kommunikationstechnologie […] schaffen und ausnützen“ würden – im Kern geht es also wieder einmal um die leidlich bekannten, aber nie bewiesenen Spionagevorwürfe gegen Huawei.

Staatsfeind Huawei

Um überhaupt per Exekutivanordnung eine solch weitreichende Maßnahme erlassen zu können, rief Trump zuvor einen nationalen Notstand in der Telekommunikationsindustrie aus. Das Präsidialdekret selbst ist sprachlich recht wolkig gefasst, doch aus einem ebenfalls im vergangenen Monat veröffentlichten Dokument des US-Handelsministeriums geht hervor, wie man Huawei aufs Kreuz legen möchte.

Hier erscheint der chinesische Telekommunikationsgigant nämlich gemeinsam mit 70 Tochtergesellschaften auf einer Schwarzen Liste von Unternehmen, die in Zukunft nur noch mit einer Sondergenehmigung der US-Regierung Vorprodukte aus den Vereinigten Staaten beziehen dürfen.

Eigentlich könnte Washington heilfroh sein, dass Huawei bislang trotz der schon seit Jahren bestehenden Spannungen nach wie vor als Großeinkäufer in den USA auftritt. US-Konzerne wie Qualcomm, Intel und Micron sollen alleine im vergangenen Jahr Erlöse im Wert von 11 Milliarden US-Dollar als Zulieferer von Huawei eingestrichen haben, insgesamt gaben die Chinesen sogar ein Vielfaches dieser Summe – nämlich rund 70 Milliarden US-Dollar – für Einkäufe in den Vereinigten Staaten aus. Das US-Unternehmen Broadcom hat mittlerweile wegen der Sanktionen gegen Huawei seine Umsatzprognose für das laufende Jahr um zwei Milliarden Dollar gesenkt.

In Washington beginnt man also ein Manöver, das der eigenen IT‒ und Kommunikationsindustrie massiv schaden wird. Der US-Regierung geht es offensichtlich aber nur noch darum, der verhassten Konkurrenz alle Liefer- und Produktionsketten zu zerschlagen, auf deren Zuverlässigkeit mittlerweile jedes große Unternehmen auf der Welt angewiesen ist.

Wer beherrscht die Welt im 21. Jahrhundert? Diese Frage wird sich auf technologischer, militärischer und wirtschaftlicher Ebene zwischen den USA und China entscheiden. Derzeit greift Washington im Zuge eines rücksichtslos geführten Angriffskrieges an, doch wer am Ende die Nase vorne haben wird, ist keineswegs ausgemacht. Lesen Sie mehr zu dem Thema im COMPACT-Spezial 16 „USA gegen China – Endkampf um die neue Weltordnung“.

Bei Huawei setzt man zielgerichtet an einem Punkt an, an dem das Unternehmen tatsächlich verwundbar ist, denn Halbleiterchips aus US-amerikanischer Produktion stecken in vielen Produkten des Telekommunikationsgiganten aus Shenzhen.

Bumerang seltene Erden?

Einschneidend ist für Huawei auch die Entscheidung des US-Konzerns Google, die Handelsbeziehungen zu Huawei einzustellen. Der Smartphone-Hersteller muss deshalb ab dem 19. August ohne Updates des Betriebssystems Android und den Play-Store auskommen. Das chinesische Unternehmen beteuert, dass zukünftig auch Apps wie Whatsapp, Facebook und Instagram auf Huawei-Smartphones funktionieren werden, allerdings sorgt die laufende Debatte natürlich für große Verunsicherung unter den Kunden.

Die US-Administration mag momentan ihre Macht genießen, die sie über das wichtigste chinesische Unternehmen ausübt. Das Verhalten der Regierung in Washington ist dennoch ausgesprochen kurzsichtig und dumm. Ein Blick auf das zwar rückläufige, aber immer noch sehr hohe Handelsbilanzdefizit, das die USA zu China ausweisen, genügt, um festzustellen, dass die Abhängigkeiten gegenseitig gegeben sind.

Peking könnte jedenfalls große Teile der US-Volkswirtschaft lahmlegen, wenn China nicht mehr seine Massen an preiswerten Vorprodukten über den Pazifik liefern würde, die ein wichtiger Treiber des Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten im vergangenen Vierteljahrhundert waren.

China könnte auch zu noch drastischeren Maßnahmen greifen und beispielsweise einen Exportstopp für seltene Erden verhängen. Diese sind der Treibstoff der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts und werden beispielsweise für die Herstellung von Smartphones, Notebooks, Tablets oder Flachbildschirmen benötigt. Die Volksrepublik dominiert den Markt für Seltenerdmetalle weitgehend, so dass australische oder russische Minenunternehmen im Falle von Exportbeschränkungen die Lieferausfälle wohl nicht problemlos kompensieren könnten.

Auch Huawei-Chef Ren Zhengfei rechnet damit, dass sein Unternehmen langfristig gestärkt aus dem Wirtschaftskrieg hervorgehen wird, der gegen es geführt wird. Ab dem Jahr 2021 rechnet er mit einer Erholung des Geschäfts. „Ich denke, wir können auf keinen Fall zu Tode geprügelt werden“, erklärte der 74 Jahre alte Konzerngründer.

 

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16 Kommentare

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    Ein Gespraech ueber diesen “Zweikampf” ist ja schoen und gut. Schaue ich mir aber die linksgruen gesteuerte “Wirtschaft” Deutschlands an, sehe ich in nicht weiter Ferne den Agrarstaat. China lieferte vor ein paar Tagen 200 Stadtbusse nach Tartus in Syrien. Warum kamen die Busse nicht aus Deutschland? Kein Kapital weil der IS zuviel Geld frisst? Kein einziges “deutsches” Top-Unternehmen ist mehr in deutscher Hand. BASF, SCHAEFFLER, Audi, Bosch usw. 53% auslaendische Besitzer.
    Das Geld ist vollkommen in auslaendischer Hand. Siemens investiert in Russland, genau so wie grosse Lebensmittelverteiler und entlaesst jetzt 1400 Mitarbeiter an den Standorten Erlangen und Berlin. Da kann man doch den Deutschen von Herzen gratulieren. Zur Wahl der Einheitsparteien. Ob sich die arbeitslosen Deutschen noch weiter mit Huawei beschaeftigen bezweifle ich. Und die noch arbeitenden Deutschen haben ein Sozialnetz am Hals, welches sie nicht auffaengt, sondern in die Tiefe reisst. Wer ein Handy hat kann ja mal bei Habeck oder Roth anrufen wies weitergeht. Achso,-Zentralregierung. Dann wird besser. Wenigstens fuer die Fachkraefte.

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    Vor allen Dingen hat D. Trump erst mal der Globalisierung einen Stein in den Weg gelegt. Dafuer kann man ihn loben oder verurteilen. Je nach Gesichtspunkt. In wie weit sich das Misstrauen Trumps gegenueber der Informations-und Sicherheitstechnologie von Huawei bestaetigt kann ich nicht sagen. Zumindest sollte man bedenken, dass es umgekehrt auch ein Massstab sein kann, denn gegenueber den USA sind solche Bedenken ebenfalls angebracht. Bisher beruhte der Handel mit Huawei-Produkten auf gegenseitige Zusammenarbeit. Stuerzt der Riese Huawei, wird er in den USA so stark aufschlagen, dass es die US-Wirtschaft laenger schaedigt als Huawei braucht um wieder aufzustehen. Zwar waeren die beiden sich gegenseitig stuetzenden “Lebensgemeinschaften” vorlaeufig getrennt aber ob die USA als Sieger hervorgehen bezweifle ich. Hier muss man Verbraucherzahlen beruecksichtigen. Ein weiterer Grund fuer die Blockade gegenueber Huawei ist die Ablehnung bzw. das Verbot von Whatsapp, Facebook und Instagram in China. Da ich diese “Demokratieverteiler” auch aus anderen Gruenden (Roboterisierung von Menschen, Meinungsmanipulation, Vereinsamung etc.) vollkommen ablehne, waere es ein hohes Risiko fuer Huawei diese zu zulassen. Da koennte sich moeglicherweise die chin. Regierung einschalten. Es bleibt spannend. Aber Ausnahmegenehmigungen sind schon auf dem Weg.

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    Literarische Quartett am

    Und heute wieder Zensur Laune bei Compact…..Na ist auch doof wenn man sich mit eigenen Artikeln selbst widerlegt

    Der lustige Autor erklärt dass Nationalismus eigentlich eine Katastrophe für die Wirtschaft ist…gerade für Export Nationen wie Deutschland…wenn man das weiter denkt

    Mmmmm doof…..die ganze Zeit plappert man hier was völlig anderes

    Man könnte denken Onkel Jürgen und Co haben eigentlich keinen blassen Schimmer

    Grossartig

    Bleibt lieber bei euren Kernkompetenzen…wilde Verschwörungen….beim Rest macht ihr euch lächerlich

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    Naja, in einer so schlechten Position steckt Huawei nicht unbedingt. Und das wissen die auch. Nicht nur Google, sondern auch Intel, Qualcomm haben bereits Ausnahmegenehmigungen für eine dauerhafte Aussetzung des Embargos beantragt. Weitere Unternehmen positionieren sich ähnlich zugunsten Huaweis.

    Nicht umsonst hat der geschäftsführende Direktor des US-Amtes für Management und Haushalt, Russell Vaught, bereits in einem Brief an US-Vizepräsident Mike Pence und neun Kongressmitglieder eine Verzögerung bei der Umsetzung dieses NDAA (steht für National Defense Authorization Act) eingefordert, da vor allem in den ländlichen Gebieten der USA in Größenordnungen Netzwerktechnik von Huawei verbaut ist und genutzt wird. Diese ist nicht mal eben innerhalb von 90 Tagen zu ersetzen. Sollte Trump also strikt Ernst mit einem Totalverbot machen, wären Großteile des Landes von heute auf morgen nicht mehr erreichbar. Das weiß Trump vermutlich auch.

    Ich rechne eher damit, dass er nach dem G20-Gipfel irgendwas von einem schönen, abgeschlossenen Deal erzählt und sich die Wogen bzgl. Huawei wieder glätten. Immerhin hat er das ja auch schon eingeräumt auf Twitter, dass Huawei ohne weiteres Teil eines Deals werden könnte.

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    Dreieinigkeit am

    Stürzt der China-Gigant Huawei doch noch über Trump?

    Nö, Huawei hat Voräte für zwei Jahre an Rohstoffen und Materialien angelegt. Bis dahin ist Trump längst weg vom Fenster und die USA machen wieder normale Handelspolitik.

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    DerSchnitter_Maxx am

    Soviel … zu den "freien Märkten" … und kaufst Du nicht meine Ware, landest Du auf der Toten-Bahre 😉

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    Egal wer klaut, der Ami hat es in der Vergangenheit bewiesen
    Die Chinesen praktizieren es genauso unverschämt.

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      Die Deutschen auch Paul. Platz 2 bei Plagiaten. Zitat; "Deutsche Firmen klauen fast so fleißig wie ihre chinesischen Konkurrenten. In der weltweiten Rangliste der größten Plagiatoren rangieren deutsche Unternehmen mittlerweile auf Platz zwei – noch vor Türken und Indern. Die Kopien der deutschen sind oft kaum vom Original zu unterscheiden." Zitat Ende. Suche mal den Artikel dazu. Titel: "Deutsche Unternehmen kopieren fast so fleißig wie Chinesen".

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    Schulze Schulze am

    Huawei wird es sehr schwer haben seine Produkte Smartphone und Tabletts mit eigenem Betriebssystem auf dem Markt zu halten. Anfangs wir es ein Hype aber der wird mangels inkompatibler Umgebung, vor allem was Apps betrifft schnell wieder zusammenbrechen. Nun kann ja jeder der will den Helden spielen und Huawei Geräte kaufen wie blöde und meinen das er damit dann Google schadet. Aber dem wird so nicht sein die meisten werden ganz schnell, aber wirklich ganz schnell wenn sie in der Realität angekommen sind sich wieder ein Android oder Apfel kaufen. Und ehrlich, auch ich habe keine Lust alles einzustampfen und gute, auch gekaufte Apps durch ja eigentlich nix zu ersetzen. Ein eigenes Betriebssystem ist das eine, aber wenn das Kompott fehlt ist es nix! Und das Obst muss erst reifen bevor es eingeweckt wird! Windows hat leider aufgeben müssen, aber nicht weil die Smartphones schlecht waren oder das Betriebssystem oder die Apps! Nein es was DAS Betriebssystem, dagegen sind Windows PC Betriebssysteme Plünn! Und auch die Apps waren, sind zum größten Teil viel besser als die wie aus der Retorte kommenden Android Apps wo man bei 75% nur den Kopf schütteln kann, Müll eben. Aber das hat alles nicht gereicht um Windows Smartphone dauerhaft zu etablieren. Und da wo Windows war muss Huawai erst einmal hin kommen. Egal ob mit einem russischen oder eigenem Betriebssystem! Das verkaufen von Träumen in Form von Hartware ohne Universum wird nicht funktionieren.

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      Könnte eine Chance für das Firefox OS sein.
      Und Android App können in einer Virtuellen Maschine laufen, da wäre auch mehr Kontrolle über das "Kompott"

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        Schulze Schulze am

        " einer Virtuellen Maschine laufen" Das heißt letztendlich das der Quellcode dafür freigegeben sein müsste. Und Firefox? Bä! Schon der Browser ist allerletzte Gülle.

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    @ Autor Sven Reuth

    Bitte im deutschen Sprachgebrauch nicht das Wort ,,Minenunternehmen" verwenden. Es heißt Bergbauunternehmen! Ein Minenunternehmen wäre Dynamit Nobel Defense…

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      Schulze Schulze am

      Alles gegen die Deutschen!? Könnte man meinen! Warum müssen wir teils Maut auf ausländischen Autobahnen bezahlen!?

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      Einfach gleiche Vignette für alle und die KFZ Steuer welche nur der deutsche Michel zahlt wird ersatzlos gestrichen.

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    Bei solchen Boykottmaßnahmen wurden langfristig die Boykottierten immer dazu gezwungen eigene Alternativen zu den nicht mehr verfügbaren Rohstoffen zu (er)finden. Und China wird das können! Es reicht ja im Notfall die eigene Versorgung auf Autarkie umzustellen! Gerade China hat das schon jahrhundertelang vorexerziert. Die Verlierer sind dann immer die Anderen, auf Handel angewisenen Wirtschaften!
    Die USA – und leider auch ihre Heloten – haben schon immer die Eigenproduktion eingestellt wenn sie etwas billiger importieren konnten! Wenn das plotzlich wegfällt sehen die ziemlich alt aus! Gerade die Dinge das täglichen Bedarfs können die schon lange nicht mehr selber herstellen, das Wissen darum ist auch schon dort verlorengegangen. das ist wie kurz nach Ende des weströmischen Reiches.

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