Wer sind die Hereros?

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Es gab einen deutschen Kolonialkrieg vor hundert Jahren in Südwestafrika. Jetzt haben die Hereros Deutschland in New York verklagt. Soll ich mich als Deutscher für die Hereros verantwortlich fühlen? Oder soll ich für Deutsche drei Generationen vor mir Verantwortung übernehmen?

Wenn wir mit Konfliktverarbeitung und Schuldzuweisungen so weit in der Zeit zurückgehen, dann können wir uns überhaupt nicht mehr bewegen. Wir verlören uns in einem undurchdringlichen Dickicht. Wir sollten uns darum bemühen, wie wir mit der Gegenwart klar kommen.
In der Gegenwart werden wir überrannt von Millionen von Migranten, die uns eine internationale Schlepperindustrie ins Land bringt, nachdem sie die Migranten für die Aufnahme in die deutschen Sozialsysteme geschult hat. Wir brauchen Politiker, die nicht einfach kapitulieren, sondern Menschen ins Land lassen oder holen, die uns helfen können und denen wir helfen können. Wir brauchen Politiker, die uns gegenüber dem Ausland selbstbewusst vertreten und uns gegen unbillige Forderungen schützen.

Manche „Wiedergutmachung“ muss man fallen lassen und sich der Zukunft zuwenden. Hier ist eine kurze Skizze, wie seit der „Entdeckung“ Amerikas durch Columbus in dem neuen Kontinent Unrecht auf Unrecht gehäuft wurde und das Wirrwarr überhaupt nur durch Zurücksetzen auf Null bewältigt werden kann. Auf seiner ersten Reise traf Columbus auf freundliche Eingeborene vom Stamm der Taino, deren glitzernden Schmuck er als Hinweis auf Goldvorkommen deutete. Auf seiner zweiten Reise brachte er 1.500 Siedler mit, die sich niederließen. Die Taino-Indianer waren bereits von anderen Stämmen angegriffen worden, die die Männer angeblich verzehrten und Frauen und Jugendliche als Sklaven mitnahmen. Die Spanier setzten die Taino nun zum Goldschürfen ein.

Mit der Zeit bildete sich ein kompliziertes gesellschaftliches Gebilde von Europäern und einheimischen Stämmen, in denen die Stämme sich unter sich und die Europäer die Stämme versklavten. Der Dominikanerbruder Bartolomé de las Casas schrieb, dass die Spanier nun die Taino terrorisierten, in dem sie Hunde auf sie hetzten, sie mit Schwertern niedermachten oder von Pferden niedertrampeln ließen. Als Columbus zurücksegelte, nahm er tausend Sklaven mit, die er in Cadiz versteigerte. Ihm schwebte ein Handel mit Gold, Gewürzen und Sklaven vor, der durch weitere Expeditionen angeschoben werden sollte. Es entstand ein reger Sklavenhandel durch die Conquistadores, zu der Zeit in Richtung von Amerika nach Europa. Dieser Handel kam aber vorerst zum Erliegen, als Spanier mehr und mehr Afrikaner bevorzugten. Der Transport der Indianer war teurer; sie waren nicht genügend unterwürfig, schwieriger zu trainieren, unzuverlässig, geplagt von Heimweh und wurden leicht seekrank. Die Kirche erschwerte mit der Zeit den Sklavenhandel. Doch konnte Columbus die Kirche damit beschwichtigen, dass die indianischen Sklaven Kannibalen und Götzenanbeter seien.

Indianerstämme wurden durch Schwerstarbeit und durch die von Europäern eingeschlappte Krankheiten dezimiert. Allein auf der Insel Hispaniola sank die Bewohnerzahl von 300.000 auf 11.000.

Im Krieg gefangenen Sklaven wurde der Buchstabe G auf eine Backe gebrannt (esclavos de guerra), den Buchstaben R (esclavos de rescate) bekamen bei anderen Stämmen erbeutete Sklaven („Gerettete“). „Encomiendas“ waren Sklaven, die zu einem Landlehen gehörten. Diese Art von Sklavenhaltung dehnte sich über die nächsten zwei Jahrhunderte auf Mexiko, Florida und die Westküste Südamerikas aus. In der einen oder anderen Art hielten sich die Europäer (Engländer, Franzosen und Holländer) Kontingente von Zwangsarbeitern. Als Gold- und Silberproduktion industrielle Ausmaße annahmen und sich auf weitere Gebiete ausdehnten, wurden weitere Stämme versklavt – bis hin zu den Pueblos und Comanchen. Die Stadt Parral entstand im heutigen Mexiko, wo 7.000 Sklavenarbeiter täglich in die tiefen Minen einfuhren. Ein staatliches System zur Versklavung von Indianern für die Minenarbeit hielt sich vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.

Die Spanier züchteten Pferde in Nordmexiko, die durch Handel und Diebstahl in den Norden gelangten. Die Pferde lösten eine gesellschaftliche Revolution unter den bisher sesshaften Indianern aus. Erst dann entstand der Indianertyp, den wir aus unzähligen Filmen kennen: Nomaden in Teepees, die hochbeweglich waren und sich Reitertruppen zulegten. Die Comanchen stellten disziplinierte Reitertruppen mit bis zu 500 Kriegern auf und unternahmen Kriegszüge auf dem Gebiet zwischen dem heutigen Mexiko-City und den nordamerikanischen Plains. Damit wurde der spanische Expansionsdrang weitgehend gestoppt. Die hauptsächliche Handelsware der Comanchen waren Sklaven, die sie bei den Apachen, Pueblos und Navajos einfingen und an Mexikaner und Nordamerikaner auf Auktionen verkauften. Im Ganzen waren etwa 2,5 Millionen Indianer von dieser Sklavenarbeit betroffen. Diese Sklaven wurden so ausgebeutet und geschunden, dass dies wesentlich zu dem Bevölkerungsschwund von 90% bei der indianischen Bevölkerung zwischen der Landung von Columbus und dem Ende des 19. Jahrhunderts beitrug.

Einem Stamm, den ich persönlich kenne, den Navajos, gelang es, diesen Aderlass so zu überleben, dass ihre Stammeskultur in Takt blieb. Im Gegensatz zu dem desolaten Zustand anderer Stämme bewohnen sie heute das größte Reservat in den USA, regieren sich selbst und begegnen dem „weißen Mann“ mit Selbstbewusstsein. Dieses Selbstbewusstsein drückt sich auch darin aus, daß sie „Weiße“ an ihrem Stammesleben und ihrer Spiritualität teilhaben lassen, während viele andere Stämme letztere geheim halten, damit „der Weiße Mann nicht auch noch den letzten Rest unserer Identität zerstört“. Ich habe meine Frau mit den Navajos zusammengebracht. Heute besucht sie den Stamm der Navajo ein- bis zweimal im Jahr mit einer Gruppe von europäischen „Indianerfreunden“.

Über ein besonders finsteres Kapitel des Umgangs mit Indianern in den USA berichtet Benjamin Madley in seinem Buch An American Genocide: The United States and the California Indian Catastrophy, 1846-1873. Yale University Press.

Nachdem die USA 1848 Mexiko besiegt hatten, gab es zwei Jahre totaler Gesetzlosigkeit in Kalifornien, bis 1850 Kalifornien als der 31. Staat in die Union aufgenommen wurde. Dann setzte ein Run auf den „Sunshine State“ ein. Es war der letzte große „Land Rush“ in den USA, der zum großen „Gold Rush“ wurde. Kolonnen von Siedlern zogen mit ihren Planwagen nach Kalifornien. Einige unterschätzten die Hitze (über 50 Grad) im Death Valley und blieben liegen.

Die Indianerstämme in Kalifornien hatten bis dahin überwiegend in Frieden mit der weißen Bevölkerung gelebt. Die neuen Siedler brachten nun eine aggressive „Kolonialeinstellung“ aus dem Osten der USA mit. Der „Gold Rush“ in 1848 verschlimmerte die Situation. Politiker, Militär, Journalisten und Bürgervertreter erklärten die Indianer zu Freiwild. Der erste Gouverneur von Kalifornien erklärte, daß eine Kampagne der Ausmerzung (extermination) solange aufrecht erhalten werde, „bis die indianische Rasse ausgestorben sein wird“. Beim ersten Kontakt fanden die Spanier eine dichte Besiedlung mit etwa 350.000 Indianern vor, die in etwa 60 Großstämmen in vielen separaten Ansiedlungen lebten und in denen über 100 Sprachen gesprochen wurden. Von diesen lebten noch 150.000, als die USA das Land übernahmen. Bis 1870 waren es nur noch 30.000, bei der Jahrhundertwende dann nur noch 17.000.

Die Indianer waren ursprünglich gut versorgt mit fruchtbarem Land und wildreichen Wäldern. Durch spanische und amerikanische Siedler wurde das Land abgebrannt und in Felder verwandelt. Die Flüsse wurden vom Abraum der Goldschürfer (Prospecter) vergiftet.

Milizen der Siedler ermordeten Männer, Frauen und Kinder, wie Augenzeugen berichteten, mit ausgesprochener Begeisterung. Über den Staat waren „Killing Fields“ verstreut, auf denen nach Schätzungen die Hälfte der dann noch lebenden 80.000 Indianern ermordet wurden. Das Ermorden von Indianern war ein Wochenendzeitvertreib, auch mit üblen Methoden wie das Schädelspalten auf Steinen. Gruppen von Männern brachen von San Franzisko in den Norden des Staates auf, um ganze Indianerdörfer mit allen Bewohnern auszulöschen. Die Aktionen standen unter dem Motto: Ausmerzung der Indianer.

Zurück zu den Hereros. Aufrechnung oder gar Wiedergutmachung sind sinnlos. Es gibt keine finanzielle Messlatte; es wird keine Verständigung über die Fakten geben; die Vorwürfe würden weiter getragen, Ressentiments blieben.

Stattdessen wäre eine engagierte und konkrete Unterstützung des Landes oder einer Bevölkerungsgruppe ohne Bezug auf die Vergangenheit sinnvoll. Ein Beispiel: Bildung und Ausbildung, d.h. Einrichtung und Betrieb von Ausbildungsstätten, Stipendien, individuelle und allgemeine Betreuung und zwar in Deutschland wie auch in Südafrika. Deutschland ist in den Bereichen Bildung und Ausbildung Weltspitze gewesen und kann eine gute Tradition weitergeben. Dasselbe gilt für andere Lebensbereiche.

Eine utopische „Wiedergutmachung“ würde dann ersetzt durch den Aufbau einer neuen Verbindung zu dem betreffenden Land. Gleichzeitig leistete Deutschland eine konkrete und segensreiche internationale Hilfe, statt das Füllhorn seines Sozialsystems über allen auszuschütten, die die deutsche Grenze überrennen.

Dieselben Gedanken gelten für Amerika, wo Indianer immer noch nicht genügend geschützt und unterstützt werden.

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Dr. Hartmut Grebe hat 20 Jahre lang in den USA gelebt, an Universitäten geforscht und im Silicon Valley gearbeitet. Außerdem betreibt Dr. Grebe die Webseite www.lebensschmiede.com

 

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